MINDLESS SINNER, SEVEN SISTERS / 28.08.2025 – Oldenburg Stadtfest, MTS-Bühne
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 01. September 2025 20:20
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Seit fast zehn Jahren liebe ich die SEVEN SISTERS und halte sie für eine der besten „neueren“ Bands. Das Verrückte ist, dass SEVEN SISTERS durchaus häufig auf Tour waren und bereits mehrfach in Hamburg spielten, ja sogar auf Festivals, die ich besucht habe. Manchmal ist es wie verrückt und ich hatte zu keinem dieser Termine Zeit. Das HEADBANGERS OPEN AIR 2019 habe ich damals für Siggi Sicks Trauerfeier (R.I.P.) verlassen und dieses Jahr in Wacken waren wir erst auf dem Zeltplatz, als SEVEN SISTERS bereits gespielt hatten. Da wurde ich schon langsam unruhig, schließlich weiß man nie, wie lange eine Band existiert. Und dann durchschießt es mich wie ein Blitz, als ich zufällig einen Facebook-Post sehe: SEVEN SISTERS und MINDLESS SINNER auf der MTS-Bühne beim Stadtfest Oldenburg! Da spielen wir doch selbst am Tag danach…? Schnell entsteht die Idee, einfach einen Tag früher hinzufahren und sich das Konzert zu gönnen. Leider sind alle Herbergen, Hotels etc. komplett belegt, das ist wie bei der Kieler Woche, wenn du eine Woche vorher irgendwo unterkommen willst. Doch es kommt viel besser: Mir fällt ein, dass ich doch Leute in Oldenburg kenne, nämlich Kathrin und Nick (BY A STORM, THE MOTÖRBOYS und früher POROSITY OF MIND). Und die haben netterweise Bock drauf, uns zu beherbergen, wie geil ist das denn!
Bilder von MJ.
Wir haben vor dem Trip in die Oldenburger Innenstadt sogar noch Zeit, etwas bei den beiden abzuhängen, was zu snacken und einige Getränke zu genießen. Irgendwann geht’s los gen MTS-Bühne. Ich war letztes Jahr schon mit CATBREATH auf dem Stadtfest und war völlig baff, wie viele Punk- und Metalbands dort auf verschiedenen Bühnen spielen. Natürlich läuft auf den meisten Bühnen irgendein Schrott und es eimern viele Spacken durch die Gegend. Aber die Ecke, in der die MTS-Bühne und der gleichnamige Plattenladen liegen, ist total schnuckelig. Der Laden hat heute sogar bis Mitternacht auf, du kannst da mit ‘nem Bier rein, shoppen und/oder sogar zur Toilette gehen. Und wie herrlich ist denn dieser Laden! Ich würde sagen, dass es einer der größten Indie-Plattenläden Deutschlands ist. Das Ding ist riesig und natürlich vollgestopft mit Tonträgern. Ich wusste, dass es sogar einen Raum mit Bühne gibt, der aber gerade aus Brandschutzgründen umgebaut wird. Trotzdem plättet mich der Anblick. In einem Lagerraum steht eine große Carrera-Rennbahn, im hinteren Bereich sitzen Leute und schnacken, die Bands der MTS-Bühne verkaufen ihren Merch, die Toiletten werden ordentlich genutzt, wofür man 50 Cent hinlegt. Fucking paradiesisch!
Ich finde das Setting eigentlich perfekt: Kleine Bühne, ein improvisiert wirkendes Mischpult auf einem winzigen Tisch, eine überschaubare Zuschauerzahl und schräg gegenüber hat man sogar einen lütten Tresen gezimmert, an dem es allerdings biertechnisch nur Becks und Jever gibt. Natürlich haben auch Spätis und Dönerläden Dosenbier am Start. Die Zuschauer:innen scheinen mir überwiegend mit der Band vertraut, Zufallsgäste dürften die Ausnahme sein. Mindestens handelt es sich um Musikfreaks, mir fällt zum Beispiel eine Gruppe Frauen mit selbstbemalten Jacken und Backpatches von MC5 oder RUSH auf. Cool!
Trotz der Kürze des Soundchecks – die Band spielt nicht mal einen Song an – steht der Grundsound recht schnell und wird in den Nuancen zusehends feiner. Was so besonders an SEVEN SISTERS sei, fragt ihr? Mich begeistert zunächst die Stimme Kyle McNeills, welcher offenbar auch der Hauptsongwriter der Band (sowie von den ebenfalls grandiosen PHANTOM SPELL) ist. Er könnte auch in einer NWOBHM-Band der 80er gesungen haben, klingt er doch klar, kraftvoll und verzichtet auf extrem hohe Screams oder jegliche Theatralik. Mich packt der Gesang jedenfalls total. Ein weiteres Trademark sind die Twingitarren, die gern rasant, aber durchaus auch episch-elegant gespielt werden. Gerade auf den beiden „Shadow Of A Fallen Star Pt. 1 & 2“-Scheiben kommt zum britischen Heavy Metal ein Schuss Prog hinzu. Stets allgegenwärtig sind die großartigen Melodien, welche diese Könner an allen Instrumenten hervorheben. Mit „Blood And Fire“ zeigen SEVEN SISTERS erst mal ihre stürmische Seite, denn das Ding galoppiert geradezu durch die PA in unsere Hirne. Auch „Highways Of The Night“ (vom Debut) kommt old-schoolig und rauh, so dass man sich durchaus an JAGUAR oder frühe MAIDEN erinnert fühlt. Doch natürlich zeigen SEVEN SISTERS in der Folge, dass sie auch in der Lage sind, vielschichtiger und komplexer vorzugehen. Mit „Solar Winds“ und „Heart Of The Sun“ sind zwei meiner Faves vom aktuellen Album dabei, die MAIDEN zur „Seventh Son…“-Phase mit Prog kombinieren und dabei völlig organisch klingen. Die Melodien zünden und erzeugen Gänsehaut. Herrlich, wie der Bassist Gareth Martin Backgroundgesänge beisteuert und immer wieder epische Läufe zockt! Da auch der zweite Gitarrist Graeme Farmer singt, werden einige Passagen dreistimmig gesungen, was sehr gut klingt. Natürlich ist die Zeit auf so einem Stadtfest begrenzt, trotzdem deckt die Setlist alle vier Alben ab (ich meine, „Commanded By Fear“ und „The Artifice“ sind noch dabei). Am Schluss spielen SEVEN SISTERS ihr über zwanzigminütiges Stück „Andromeda Descending (A Fallen Star Rises)“, worauf ich ein wenig gehofft hatte. Was für ein epischer Song mit vielfachen Wendungen! Mit den Zeilen „Through the darkness I could see, / Reaching out to me, / Open from inside, / Through the never ending light, / Of a world that cannot be, / A broken fantasy, / The dream that will not die” beenden SEVEN SISTERS das Konzert. Yep, so gut wie erhofft! McNeill weist darauf hin, wie wichtig ein Plattenladen wie MTS sei und dass wir derartige Plätze am Leben halten müssen. Right on!
Es ist auch schon wieder zehn Jahre her, dass MINDLESS SINNER auf dem KEEP IT TRUE begeisterten. Damals überraschten sie mich, mittlerweile habe ich vier ihrer Scheiben abgeerntet. Gerade die beiden 80er Klassiker „Master Of Evil“ und „Turn On The Power“ sind hart zu empfehlen, ebenso das 2024er Geschoss „Metal Merchants“. Der toll gesungene Heavy Metal der Schweden zwingt alle Anwesenden zum Headbangen. Es geht auch offenbar keine:r, ist ja auch eine geniale Kombination mit den beiden Bands. Christer Göransson ist bei Stimme und schmettert mit amtlicher Power. Ein Dude neben mir bezeichnet MINDLESS SINNER als „böse Version von IRON MAIDEN“, was positiv gemeint ist und ganz gut passt. „Speed Demon“, „Metal Merchants“ und „Carry On“ brettern gut rein, animieren zum Fistbanging und Mitgrölen. Ebenso mitreißend inszenieren die ollen Haudegen (1982 gegründet und immerhin mit vier 80er Recken in der Band, nur der Drummer Linus ist erst seit 2022 dabei) die Klassiker „I’m Gonna (Have Some Fun)“, „Live And Die“, „Turn On The Power“, „Here She Comes Again“ sowie „Master Of Evil“. Schön eingängig, herrlich traditionell und unverfälscht. Die Gitarrenduelle peitschen rein, die Hooklines beißen sich fest, die Schweden hatten es schon immer drauf, schmissiges Songwriting zu kreieren. Beim KEEP IT TRUE hatten MINDLESS SINNER „We Go Together“ als Opener, heute spielen sie diese Hymne zum Schluss. Gute Wahl, bei dem Song kann man noch mal alles geben. „We go together / And it shall be forever…“ wird bestimmt jetzt noch auf den Straßen Oldenburgs skandiert.
Yeah, danach sehen wir sogar noch eine weitere Band, hängen im MTS ab, latschen durch Oldenburg und saugen die Atmosphäre auf. Ein Konzert, welches (nicht nur) aufgrund des Rahmens in Erinnerung bleiben wird! Danke nochmal an unsere Gastgeber!
