CAR BOMB, IMPERIAL TRIUMPHANT / 22.08.2025 – Kiel, Schaubude im Hinterhof
- Details
- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Sonntag, 24. August 2025 15:03
- Geschrieben von Philipp Wolter
- Zugriffe: 1467
Dieses Konzert sollte eigentlich die erste Budenbooking-Veranstaltung sein, die in der Räucherei stattfindet. Letztere fällt heute allerdings durch einen Sturmschaden aus, sodass die Show in die Schaubude verlegt wird. Ich finde das zuerst schade, aber letztlich wird’s dadurch irgendwie gerade interessant. Da auf der Bühne nicht hinreichend Platz für zwei Drumsets hintereinander ist, bauen IMPERIAL TRIUMPHANT es kurzerhand auf dem Boden vor der Bühne auf, die Monitore und Mikroständer wiederum vor das Schlagzeug. Eine Floorshow von IMPERIAL TRIUMPHANT - mit einem derart intimen Setting hatte wohl keiner gerechnet!
Fotos von MJ.
Die Bude ist ganz gut gefüllt, aber auch weit davon entfernt, ausverkauft zu sein. Was natürlich für den einzelnen Konzertgänger eher angenehm ist. Wir stellen uns direkt vor die Musiker, welche sich offenbar wohl fühlen oder zumindest mit der Situation arrangiert haben. Natürlich kann man aufgrund der Masken die Emotionen nur bedingt wahrnehmen, aber IMPERIAL TRIUMPHANT ziehen ihr Ding ohne Abstriche durch. Bassist und Sänger/Gitarrist verlassen immer wieder ihren Spot, bewegen sich direkt vor den Gesichtern der Zuschauer:innen hin und her, fordern diese durch Gesten zum Mitklatschen (!) auf. Was ich ganz spannend finde: Man hat einerseits durch die Masken (Sonne, Stier und Krone) und die Ansagen mit verzerrter „Alien“-Stimme eine gewisse Distanz, andererseits eben auch die direkte Nähe eines kleinen Clubkonzerts, also einen starken Kontrast. Da wirkte das Konzert in der Meierei 2019 noch ganz anders, auch wenn das ja nun auch kein Riesenschuppen ist. Geblieben ist die Mischung aus zermalmender und sperriger Musik, die sich aus Versatzstücken von Black Metal und Jazz zusammensetzt, ohne klar zu einem der beiden Genres zu gehören. Seit 2019 haben sie die Rezeptur verfeinert, es bleibt aber schwer verdaulich, was man auch an den Reaktionen des Publikums merkt. Die meisten finden’s geil, aber man ist allgemein unsicher, wann überhaupt ein Song zu Ende ist und ob der nächste schon begonnen hat. Krass ja auch dieser verquere Satzgesang sowie die hektischen und dissonanten Breaks. Gleichzeitig gibt es auch Showelemente – der Bassist hat sein Instrument mit Leuchtelementen aufgepeppt, bearbeitet das Ding plötzlich auch mal mit einem verbeulten Posthorn und generell handelt es sich eben nicht um Shoegazetypen, die lediglich ihren Kram runterspielen. Beim letzten Mal hab ich ‘ne Platte abgeerntet, die ich höchstens ein, zweimal gehört habe, aber live werde ich mir IT wieder angucken. Unterhaltsamer Auftritt!
Ich war gespannt, was sich denn nun hinter CAR BOMB verbergen mag. Es wird schnell klar, warum ich vorher noch nie etwas von der Band gehört hatte. Denn man sollte sie wohl zum Genre Mathcore zählen, das einfach von dem, was ich an Metal liebe, weit entfernt ist. Das muss natürlich nicht heißen, dass CAR BOMB scheiße sind. Das Publikum scheint mir auch selten derart auf zwei Lager verteilt wie heute, die entweder wegen IT oder eben CAR BOMB gekommen sind. Einige feiern die Band dann auch von A bis Z ab, für mich klingt’s wie SLAYER rückwärts abgespielt. Der Drummer spielt konstant im Gegentakt, was auf Dauer durchaus eine Art eigenen Groove erzeugt. Auf Melodien oder Refrains verzichten CAR BOMB komplett, hier wird durchgehend getrümmert und zerstört, wobei der Sänger auch mal runterfährt und mit klarer Stimme, naja, „singt“, was aber auch nicht eingängiger wirkt. Ich muss sagen, dass CAR BOMB mir schon zu lang spielen, nach 20 Minuten erscheint mir die Darbietung trotz oder wegen der Polyrhythmik recht monoton und anstrengend. Sympathisch sind die Jungs aber und die Ansagen des Sängers kommen amüsant: Er knüpft von Pause zu Pause die Geschichte eines italienischen Restaurants („which Billy Joel has sung into life“) weiter, in dem ein Paar essen geht, kotzen muss, danach dort Sex hat und in der Folge zu Internetruhm kommt… Ich muss mir den Billy-Joel-Song noch mal anhören, ob die Story da auch so verläuft. A bottle of red, a bottle of white…
Jo, so war dat. Herrlicher Abend!
