IRON MAIDEN, AVATAR / 29.07.2025 – Berlin, Waldbühne

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Geschafft! Ich habe es tatsächlich ohne jegliche Kenntnis der heutigen Setlist aufs Konzert geschafft! Das war nicht selbstverständlich, denn in meiner Social-Media-Bubble sind MAIDEN ein zentrales Thema und seit die Tour läuft, postet nahezu täglich irgendjemand etwas zu den Konzerten und natürlich zu den Songs. Ich aber möchte möglichst überrascht werden und gar nichts von der Setlist wissen. Macht für mich so ein bisschen die Magie des Abends aus. So war ich also vorsichtig, mied das Internet weitestgehend, hielt mir bei Gesprächen auf Festivals die Ohren zu (!) oder rannte bei ganz hartnäckigen Setlistzuflüsterern auch mal weg. Noch am Tag des Konzertes habe ich Angst, dass sich zwei Nasen hinter mir darüber unterhalten und blitzschnell „Ey, spielen die heute echt ‚Invaders‘“ raushauen, bevor ich alle Körperöffnungen schließen kann. Aber, oh Wunder, es passiert nichts dergleichen! Wir nähern uns wohlbehalten unseren Plätzen und staunen: Können zwei Wunder an einem Tag passieren? Da sitzt doch der Naffin ganz in der Nähe unserer Plätze? Näherkommend scheint es sogar direkt der Platz neben uns zu sein! Ich äußere mein Erstaunen, doch Rüdiger winkt ab: „Alter, wir haben die Tickets zusammen gekauft!“ Ach so, ja, das… stimmt. Ist auch schon lange her. Ein Wunder reicht ja aber auch, so!

 

IRON MAIDEN

Bilder von Fiona und MJ.

 

Okay, Bier ist teuer, Vorband egal, kommen wir zum Wesentlichen: MAIDEN! MAIDEN! MAIDEN! UP THE IRONS!

(Ergänzung: Tatsächlich sind AVATAR gar nicht so schlimm wie befürchtet. Da hatten MAIDEN schon schlimmere Vorbands. Die Schweden sind sogar ganz sympathisch, wagen kecke Ansagen und bieten gefällige Melodien. Modern Metal für ein Mainstream Publikum.)

 

MAIDEN WALDBÜHNEAVATAR

 

Natürlich war eines im Vorfeld klar: Dass IRON MAIDEN nach einer klassischen Albumtour wieder eine Tour machen, die sich den Klassikern widmet, macht die Band ja seit den Nuller Jahren so (wir berichteten übrigens über jede dieser Klassiker-Touren). Das Tourmotto „Run For Your Lives“ deutet an, dass u.a. „Number Of The Beast“ im Fokus stehen könnte.

Aber es wird dann noch besser als erhofft. Das UFO hebt mit dem Doktor ab, danach folgt doch glatt als zweites Intro „The Ides Of March“. Sehr old school, ist das etwa ein Hinweis? BÄNG, ab geht’s! Gleich der erste Basslauf reißt mich von der Steinbank: „Murders In The Rue Morgue“! Der Sound ist mal sowas von geil, besser geht’s gar nicht. Kristallklar, heavy, laut, aber nicht übersteuert. Danach geh ich durch drei direkte Treffer auf den Solar Plexus fast k.o. – „Wrathchild“, „Killers“, „Phantom Of The Opera“! Kinners, kneift mich! Haben IRON MAIDEN gerade „Killers“ gespielt? Wann gab es das zuletzt? Vier Songs nacheinander aus der DI’Anno-Phase als Einstieg, da werf ich dem Steve Harris doch mein Hirn vor die Füße!

 

IRON MAIDENIRON MAIDEN

 

Aber wie klingen MAIDEN eigentlich mit neuem Schlagzeuger, wie spielt Simon Dawson? Erstaunlicherweise funktioniert es gut, obwohl man sich MAIDEN vorher nicht ohne Nicko McBrain vorstellen konnte. Letzterer spielte swingender, benutzte ein deutlich größeres Schlagzeugkit. Dawson verzichtet auf diverse Toms und Becken, hat somit perkussiv und klanglich weniger Möglichkeiten. Dennoch spielt er songdienlich, achtet auf markante Trademarks und bringt eine gewisse Frische mit sich. Insgesamt würde ich sein Spiel als etwas ruppiger bezeichnen, manche Breaks kommen im Vergleich etwas hölzern. Aber im Endeffekt klingen IRON MAIDEN zu 100% nach IRON MAIDEN, und welch größeres Kompliment könnte es für einen neuen Schlagzeuger geben, der eine Legende nach 42 „Dienstjahren“ ersetzt!

 

Der nächste Block wildert durch die großen Jahre der Dickinson-Ära: „The Number Of The Beast“ (hervorragend gesungen, Bruce trifft hier wirklich jeden Ton, Gänsehaut!), „The Clairvoyant“ (diese Leadgitarre!), „Powerslave“ (Bruce holt die olle Pharaonenmaske hervor) und „Two Minutes To Midnight“. Yes, das Amphitheater kocht, das sind die Songs, welche die Band über Jahrzehnte und für Generationen groß gemacht hat. Alle Musiker scheinen voll drin zu sein. Ich meine, ich bin wirklich hammerweit entfernt und sehe nichts von der Mimik, aber die Performance ist so geil, um das zu spüren, brauchst du keine visuellen Reize.

 

IRON MAIDENIRON MAIDEN

 

Apropos Visuelles, kurz zur Show: Dies ist wohl der einzige Aspekt, über den in der Fangemeinde diskutiert wird (ansonsten herrscht ungewohnte Einigkeit). Manche mögen die Tatsache, dass die Show sich hauptsächlich auf der Leinwand abspielt und feiern die Hintergründe als besonders stimmungsvoll. Ich muss sagen: Sorry, aber ich empfinde das als reduzierte Sparversion. Ich stehe auf die geilen Aufblas-3D-Monstren, überdimensionale Eddiemumien und sonstige Mutationen. Aber immerhin gibt Bruce alles, wechselt Kostüme und Accessoires und rennt den gesamten Bühnenbereich ab. Und zwei Eddie-Auftritte gibt’s ja immerhin. Trotzdem gab es da schon spektakulärere MAIDEN-Shows! Das gilt nur für diesen visuellen Aspekt, musikalisch waren MAIDEN nie besser (außer du stehst nur auf die wilde Anfangszeit). Ich guck eh kaum hin und bange durch.

 

„Rime Of The Ancient Mariner“! Als ich IRON MAIDEN 1985 zum ersten Mal live sah, war “Powerslave“ gerade neu, MAIDEN spielten damals gleich fünf Stücke von der Platte und die Geschichte um den Seemann und den Albatros war dabei. Bis heute hat der Songs auf mich nichts an Wirkung verloren, sondern eher gewonnen. „The albatross begins with ist vengeance“… Da kriecht dir doch eine Gänsehaut nach der anderen über den Körper! „One after one by the star dogged moon, / Too quick for groan or sigh / Each turned his face with a ghastly pang, / And cursed me with his eye”…  

 

IRON MAIDENIRON MAIDEN

 

Es ist letztlich so, dass MAIDEN Songs von den ersten Sieben Platten spielen (plus natürlich „Fear Of The Dark“). „Run To The Hills“, „Seventh Son Of A Seventh Son“, „The Trooper”, “Hallowed Be Thy Name”, “Iron Maiden” und die Zugaben “Aces High”, “Fear Of The Dark” und eine herrliche Version von “Wasted Years” scheinen wirklich jeden Einzelnen der 22.000 Besucher:innen zu erreichen. Ich höre nicht wenige sagen, dass sie am liebsten auch die zweite MAIDEN-Darbietung am Folgetag besuchen würden. Geht mir auch so! Für mich ruft allerdings WACKEN.

 

IRON MAIDENIRON MAIDEN

 

UP THE IRONS!

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