BRUJERIA, TORTURE SQUAD, FATAL COLLAPSE / 03.08.2025 – Hamburg, Logo

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Uff, Brujeria kommen nach Hamburg! Die Bandmitglieder sind alle mexikanische Drogenbarone und in mehreren US-Bundesstaaten zum Tode durch den Strang verurteilt! Ich habe in Bogota, Kolumbien in einem HC/Punk Laden mal eine Baseball Cap von Brujeria als Souvenir gekauft, obwohl ich kein Lied von ihnen kannte. Immerhin hat es umgerechnet keine 5 Euro gekostet und das Wort bedeutet „Hexerei“! Wie geil ist das denn?!? Nebenbei ist Shakira in Kolumbien tatsächlich die mit Abstand meistgedudelte Künstlerin und ihre Musik läuft überall und zu jeder Zeit. Nicht ohne Grund wurde sich noch vor Pablo Escobar zur größten Kolumbianerin aller Zeiten gewählt. Auf Platz 3 ist übrigens „El Loco“ René Higuita. Egal, ein Lied von Brujeria kenne ich bis kurz vor dem Konzert immer noch nicht. Aber bevor mich jemand mit dem Cap erwischt, mich nach der Band fragt und ich anschließend wie alle H&M Käufer von Iron Maiden oder Ramones Shirts nur ahnungslos mit den Schultern zucke, kann es nur heißen: Hin da!!!

 

BRUJERIA

 

 

Wobei „Hin da!“ leichter gesagt als getan ist. Die Strecke über Dammtor Richtung Hauptbahnhof ist gesperrt wegen einem Brückenschaden. Altona ist der Ausweichbahnhof. Von da zum Hauptbahnhof ist aber auch gerade schwierig, da die S- und U-Bahn auch Ausfälle zu beklagen hat. Irgendwo steckt wohl ein Zug fest und in die andere Richtung hat einer dieser Feuer gefangen. Busse fahren auch unregelmäßig, da angeblich der prämierte Zuchtbulle „Kolchos der Prächtige“ seinen 100-euterigen Kuh-Harem Richtung Diebsteich führt. Da ist dann natürlich kein Vorbeikommen. Nichtsdestotrotz erreiche ich nach 2-maligem Umsteigen mit dem Bus die Haltestelle „Staatsbibliothek“ und die ist direkt vor dem Logo. Wusste ich bisher auch noch nicht – ist aber sehr praktisch.

 

Fatal Collapse aus Hamburg beginnen gerade mit dem Set, als ich das Logo betrete. Thrashig mit einem groovenden Vibe kommt es aus den Boxen, bleibt aber stets bei einer Härte und Geschwindigkeit, die ich noch erträglich finde. Dazu ist der Gesang nicht nur Gegrunze oder Geschrei, sondern druckvoll der Musik angeglichen. Es gibt auch mal Solos, aber es ist und bleibt eine Mischung, wie man heutzutage Thrash spielen kann, ohne alles bisher Dagewesene zum 100.000 Mal zu wiederholen.

 

In der Mitte des Sets gibt es anschließend noch eine Überraschung! Der alte Drummer (ich glaube Kevin) tritt ab und der neue Drummer (war das Thomas?) übernimmt die Sticks. The King is dead, long live the King! Ohne Qualitätseinbußen geht es weiter und es thrasht an allen Ecken und Kanten. Ich hatte schon ein paar Bier im Bus getrunken, aber ich glaube mich zu erinnern, dass Niklas – der Sänger oder Brüller - am Ende des sehr kurzweiligen Sets sagte: „Jetzt habt ihr es geschafft! Den Support will ja eigentlich keiner sehen.“ Dem muss ich ausnahmsweise widersprechen, es hat Spaß gemacht und hätte noch etwas länger gehen können. Gut abgeliefert! Das vermutlich letzte Bild des ehemaligen Drummers kurz vor dem Wechsel ist hier logischerweise angehängt – sofern es der Editor denn möchte:

 

FATAL COLLAPSEFATAL COLLAPSE 

 

Kurze Umbaupause, schnell mal vor die Tür und draußen geiles Gelaber austauschen. Ausverkauft ist es nicht gerade, aber es ist halt Sonntag und viele sogenannte Wackinger sind ja auch noch in ihren Drachenbooten unterwegs. Ich hätte mit mehr Publikum gerechnet und auch damit, dass einige dieser Wackinger am Logo anlegen und auf der Rückfahrt dieses Konzert mitnehmen. Dem ist aber nicht der Fall.

 

Mayara „Undead“ Puertas ist halt auch keine Opernsängerin. Mein lieber Herr Oberbootsmann, die Growls von ihr knallen aber mal richtig aggressiv aus den Boxen.

Am Anfang denke ich, da brüllt gar nicht sie, sondern irgendwo hat sich hier ein kurz vor der Rente stehender Maurer versteckt, sich des Micros bemächtigt und berichtet uns fluchend, dass er seit Stunden den Kasten Holsten Edel auf dem angrenzenden Bau sucht und nicht findet.

 

Die Torture Squad aus Sāo Paulo / Brasilien haben die Bühne übernommen und gleich mit einigen „schönen“ Aufstellern verziert. Dazu knallt schneller – aber nicht zu über schneller – Thrash auf uns ein. Dieser wird immer wieder zu einem Klimax aufgebaut, der sich dann plötzlich in einer Explosion entlädt. Nicht nur das, dieses typisch „sägende“ des Thrash wird immer wieder melodiös umspielt und so aus der - oft bei anderen Bands –  vorhandenen Eintönigkeit dieses Musikstils gerissen. Technisch versiert und mit viel Genudel merkt man der Band die bewegte Vergangenheit an. Ich verweise dazu mal auf den Wikipedia Eintrag. Dazu geht es ab und an in „rockiges“ Terrain – also wirklich abwechslungsreiche Kost von beiden bisherigen Bands an diesem Abend. In einem Lied kommt sogar noch eine von „Undead“ gespielte Akustik Gitarre zum Einsatz, die ruhig etwas lauter hätte abgemischt sein können. 

 

TORTURE SQUADTORTURE SQUAD

 

Mir gefällt Torture Squad und die Show so gut, dass ich eine CD „abernte“, wobei Thrash sonst eigentlich schon lange gar nicht mehr meine Musikrichtung ist. Heutzutage wird der aber wieder an jeder Straßenlaterne gespielt und so langsam komme ich da wohl auch wieder rein.

 

Umbaupause und anschließend wird es kriminell. Nur mit Bandenas vor dem Antlitz treten die Schwerstkriminellen von Brujeria gewöhnlich auf und machen auch heute keine Ausnahme. Ich persönlich finde es besser so, als wenn wegen Anwesenden der Baader-Meinhof-Bande ein Fotoverbot erteilt wird. Sänger „El Sangrón“ macht sich sogleich bei der Minderheit der spanisch sprechenden Konzertbesucher beliebt, indem er alle Anwesenden als „Cabrónes“ bezeichnet. Später sind wir noch „Hiho de Putas“ und was-weiß-ich-noch, da fass mir doch eine an die „los cojones“! Oder auch nicht. Sympathisch kommt er aber trotzdem rüber und sein spanischer Gesang ist kein schrilles Geschrei oder stumpfes Gebrüll.

 

BRUJERIABRUJERIA

 

Die Mexikaner sind zwar dem Grindcore und dem Death verbunden, aber so wahnsinnig schnell sind sie meist dann doch nicht. Einzelne Passagen brechen aus, aber gerade wenn es um die typische mittelamerikanische „Revolución“ oder das von ihnen tonnenweise gedealte „Marijuana“ geht, wird es rhythmischer und melodiöser. Das ist wirklich gut! Dazu ist zwischen den Liedern stets ein äußerst interessanter Austausch mit dem Publikum vorhanden. So fragt „El Sangrón“, ob jemand auf dem Wackööööön war und fügt „Estúpido“ und „Pendejo“ hernach hinzu. Vielleicht auch nicht, ich hatte ja ein paar Bier getrunken…vermutlich aber doch. Spanisch ist aber auch wirklich eine schöne Sprache.

 

Ich weiß nicht, welches Lied es war, aber eines davon hat mich doch etwas an Mühlheim Asozial erinnert. Der Text vom Chorus ging circa so:

 

„Trump?“ – „No!“

„Marijuana?“ – Si!!!“

„Fascismo?“ – „No!“

„Marijuana?“ – „Si!!!“

„Trabajar?“ – „No!“

„Marijuana?“ – „Si!!!“

 

So ungefähr war das. Ein Kracher! „El Sangrón“ singt dies außerdem so liebenswürdig und gestenreich, dass man ihn fast knuddeln möchte.

 

BRUJERIABRUJERIA

 

Natürlich werden auch alle Bandmitglieder vorgestellt, da die Besetzung von Brujeria doch öfters wechselt. Entweder die Mitglieder sind gerade im Knast oder in geil fette Drogendeals verstrickt. El Sangrón ist seit Jahren schon der Sänger, dazu heute an der Gitarre El Criminal, (Z) oder (S)angano am Bass und El Sativo – früher El Pollo Locco Picante – am Schlagzeug. Das Kopfgeld des FBI auf alle beläuft sich geschätzt auf mehrere Millionen USD – laut eigener Aussage der Band. Gleich am Anfang wird vom Publikum zusätzlich noch lautstark die Hereinnahme von Machete gefordert, aber die bleibt bis zum furiosen Finale wortwörtlich stecken.

 

Aber nicht nur den Lebenden wird gedacht – auch für die Verstorbenen ist typisch mexikanisch eine Minute übrig und so schweigen wir alle für Juan Brujo und Pinche Peach. Für diese nimmt El Sangrón in Gedenken sein Baseball Cap ab und ich erinnere mich wieder an den Mercher, wo es genau diese Caps für lächerliche EUR 40 gibt! Da schlage ich doch gleich wieder zu nach dem Konzert und „ernte“ es ab! Inzwischen habe ich die Band ja sogar live gesehen!

 

Doch was wäre eine typische Brujeria Show ohne Machete? Was wäre Chipotle ohne Chili, Pancho Villa ohne Patronengurte oder Zapata ohne Sombrero? Viva Zapata! Viva Pancho Villa! Viva Chipotle! Und schon ist die Machete blank gezogen und wird in genau den Balken getrieben, den wir alle seit Anbeginn der Zeit so hassen: Genau den! Genau den, der in der Mitte der Bühne des Logos angebracht ist! Viva Zapata! Viva Pancho Villa! Viva Chipotle! ruft, schreit und brüllt das aufgebrachte Publikum darauf hin und geiler Grind knallt durch das Logo. Hier hat die Band jetzt auch den letzten überzeugt! Neben einem bereits brennenden Joint – einer geil fetten Tüte – wandert als Dank auch ein prall gefüllter Beutel mit reichlich XXXXXXXXX – oder umgangssprachlich XXXX – auf die Bühne.

 

BRUJERIABRUJERIA

 

Als Zugabe gibt es noch „Ey Macarena“ als „¡Eh, marihuana!, ¡ay!“ oben drauf und wir halten uns weinend in den Armen. Doch nicht vom beißenden Geruch des Marihuanas und des Brennens in den Augen wegen, nein, vor Glück ist dies passiert! Dieses Konzert war ein weiterer Volltreffer in einer von Volltreffern gesegneten Zeit. Ich kaufe dann tatsächlich noch ein Cap vom Mercher – für EUR 40!! -, aber immerhin habe ich die Hexerei von Brujaria nun auch erlebt.

 

PS: Gleich nach dem Konzert haben sich Brujeria aus dem Staub gemacht. Doch kurz vor der Stadtgrenze haben die Bullen den Tourbus dann doch noch gekriegt und die Bandmitglieder gleich wieder zurück ins Heim gesteckt. Wenn sie da jemals wieder raus kommen, bin ich auf dem nächsten Konzert ohne Frage wieder dabei!

 

Viva Zapata! Viva Pancho Villa! Viva Chipotle! Viva Machete! Viva Brujeria!

 

BRUJERIABRUJERIA

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