D.R.I., THRASHING PUMPGUNS / 13.07.2025 – Hamburg, Hafenklang
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Sonntag, 10. August 2025 20:36
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Seit 1982 ziehen D.R.I. ihr Ding durch, was eigentlich unfasslich ist. Seit der letzten Tour bzw. dem letzten Gastspiel in Hamburg sind auch bereits wieder sechs Jahre vergangen. Geändert hat sich meines Wissens nichts. Kurt Brecht und Spike Cassidy sind die beiden Urviecher, die Namen der „neuen“ Bandmitglieder muss ich wie beim letzten Bericht googeln, es handelt sich laut diverser Quellen um Gregg Orr (Bass, seit 2017) und Rob Rampy (mit vierjähriger Unterbrechung seit 1990). Allerdings hatten D.R.I. 2019 im Monkeys ihre gesamte Diskografie am Merch, heute gibt’s ausschließlich Shirts und Patches. Auswirkungen der Trump’schen Zölle? Egal, die Scheiben hat eh jede:r, heute möchten alle die Dinger live um die Ohren gebraten bekommen. Ausverkauft, ab dafür!
Bilder von MJ.
Unzählige Bekannte tummeln sich vor und im Hafenklang, was ist das für ein Spaß! Und da legen auch schon THRASHING PUMPGUNS los, die letztes Jahr eine neue Platte namens „Welcome To The Real World“ veröffentlicht haben. Irgendwie kam ich bisher nicht dazu, das Teil abzuernten, weiß aber bereits vorm Konzert, dass ich das heute noch nachholen werde. Schon das Cover ist ein Hingucker, gezeichnet wurde es vom selben Typen, der die RKL-Klassiker kreiert hat. Die zehn Jahre Entstehungszeit merkt man den Songs höchstens in positivster Weise an, das empfinde ich schon beim Live-Ersteindruck sofort so. Da geht es direkt auf die Glocke, schön Blinker links und pedal to the metal. Gleichzeitig kommen THRASHING PUNPGUNS aber auch nie stumpf rüber, wofür alle Beteiligten sorgen. Das ist eine bestens knallende Symbiose aus Thrash, Punk und US-Hardcore. Bei „Hardcore Song“, „Crying With The Wolves” und “Welcome To The Real World” pumpen die Gitarren von Buddy und Gunnar richtig schön und erzeugen im Verbund mit Vics quirligem Spiel so ‘ne mahlstromartige Energie. Rolf rennt mit Bierpulle in der Hand hin und her und shoutet, bis die Adern auf seiner Birne anschwellen. Richtig geil, und passt nicht zuletzt sehr gut zu D.R.I.
An den Fotos seht ihr schon, dass MJ keinen Bock mehr auf den vorderen Bereich des Hafenklangs hat. Da tobt halt der Pit und wenn es so voll ist wie heute, kannst du kaum ausweichen. Ein netter 2-Meter-Typ knipst immerhin mit ihrem Gerät über die Köppe der Thrasher hinweg. Die Maschine D.R.I. braucht sich nicht groß aufzuwärmen. Dieses typische extrem tighte Stakkato-Gewitter reißt sofort mit, dazu peitscht Kurt Brechts unnachahmlicher und auch eigenwilliger Gesang die Leute auf. Die Matten fliegen, die Fäuste gehen nach oben, Zeilen und Refrains werden mitgebölkt… Nagelt mich nicht fest, aber ähnlich wie beim letzten Mal donnern D.R.I. ca. 30 Songs durch. Früher gab es ja immer Streit darüber, ob die Band spätestens ab „Crossover“ zu kommerziell und metallisch geworden sei. Heute treffe ich nur einen Kumpel, der das so sieht („bah, zu viel Metal, zu viel Gitarren!“), der Rest feiert gerade auch Stücke wie „Think For Yourself“, „Thrashard“ oder „Acid Rain“. Und die frühen Klassiker erzeugen natürlich ein Knäuel aus Gliedmaßen, ich sag nur „Commuter Man“, „Who Am I“, „Argument Then War“, „Violent Pacification“, „Mad Man“, „Couch Slouch“ oder „I Don’t Need Society“. D.R.I. wissen, was sie den Leuten geben müssen. Wobei ich ein neues Album begrüßen würde, „Full Speed Ahead“ ist schließlich von 1995. Wie auch 2019 schließen D.R.I. mit einer vernichtenden Version von „Five Year Plan“, der sich zum Abschluss mit seinem perfekten Aufbau auch gut eignet. Wie immer top!
Ein erwartet guter Abend im Hafenklang! Beide Bands haben alles weggeknattert, viele Bekannte waren da und alle gehen mit ‘nem Grinsen raus.
