PATTI SMITH QUARTET / 09.07.2025 – Hamburg, Stadtpark
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Samstag, 09. August 2025 20:45
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Vor ein paar Jahren erstellte ich mal eine Bucketlist von Künstler:innen und Bands, die ich unbedingt live sehen will. Zum Teil wartete ich Jahrzehnte auf die entsprechende Chance, andere Fälle betreffen Bands, die eigentlich noch recht jung sind. Manchmal ist es eben wie verhext und man hat einfach gerade wieder keine Zeit, wenn es denn mal Tourdaten gibt. PATTI SMITH hatte ich schon auf der letzten Tour 2022 verpasst und war dann froh, dass sie drei Jahre später bereits wiederkommt. Natürlich hat die „Godmother of Punk“ im Grunde schon viele Gastspiele in Hamburg gegeben, aber ich habe ihre Musik eben erst in den letzten zehn Jahren für mich entdeckt. Das ging mit Flohmarktspontankäufen („Horses“, „Easter“) los und wurde dann gezielter („Wave“, „Radio Ethiopia“). Die Stimme, der teils atemlose Vortrag, die Inhalte, die Texte – all das ist wahnsinnig beeindruckend und zeugt von einer rebellischen Haltung und avantgardistischen Schaffenskraft.
Fotos von MJ.
Hat jemand einen guten Tipp, wo man in der Nähe zum Stadtpark parken kann? Wir sind fahrlässig spät dran (18:40 Uhr) und cruisen ewig in der Nähe herum, bis wir Glück haben. Hätte das Konzert um 19:00 Uhr begonnen, wie es auf der Karte steht, wäre das bitter gewesen, denn wir stehen ungelogen erst kurz vor halb acht erst vor der Bühne. Und just in dem Moment kommt das PATTI SMITH QUARTET (das zum Teil streng genommen QUINTET heißen müsste) auf die Bühne! Puh.
Eines kann man gleich sagen: Die mittlerweile weißhaarige Sängerin (ergänze: Lyrikern, Malerin, Fotografin etc.) besitzt ein gewaltiges Charisma. Das sehr gemischte Publikum (viele junge Leute) ist sofort in den Bann gezogen. Der Klang ist wunderbar, alle Instrumente klingen warm und differenziert im Mix. Nach einer kurzen Begrüßung geht es gleich los mit „Redondo Beach“ vom „Horses“-Album, dessen 50järiger Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird. Patti Smith verweist aber auf Songs, die sogar 60 Jahre auf dem Buckel hätten, die sie halt als Teenager geschrieben habe. Überhaupt beschränkt sie sich keinesfalls auf den musikalischen Vortrag, sondern weist wiederholt auf Missstände hin, ist gleichzeitig überzeugt, dass wir, die Menschen, in millionenfacher Zahl unsere Freiheit bewahren und die Zerstörung der Natur verhindern könnten. In einer kurzen Pause plaudert sie kurz mit dem Gitarristen und entschuldigt sich – sie habe nur ihren Sohn fragen müssen, wann er so groß geworden sei. Ist das nicht herrlich? Der Gitarrist ist tatsächlich ihr Sohn, Jackson Smith. Wie das wohl sein muss, mit der Musik der Mutter aufzuwachsen und dann als Erwachsener bei ihr in der Band zu spielen? Wobei es derartige Konstellationen ja mehrfach gibt, siehe z.B. Udo und Sven Dirkschneider. Ich war vorher gar nicht sicher, ob ich überhaupt viele Songs der Setlist kennen würde und hätte mir auch ein spezielles Programm vorstellen können, welches die Hits umschifft, einfach weil Patti Smith vielleicht andere Stücke wichtiger sind. Tatsächlich kommen sie aber fast alle – „1959“, „Ghost Song“, „Dancing Barefoot“, „Peaceable Kingdom“, „Pissing In A River”, “Because The Night” oder „People Have The Power“. Immer wieder erhellt von Informationen über die Entstehung der Songs und von Appellen gegen Krieg und gegen die Vertreibung indigener Gruppen. Manchmal scheint das Quartett (z.T. ergänzt um einen Mann an der Orgel) kurz zu beraten, was als nächstes gespielt werden soll. Gibt es vielleicht gar keine Playlist? Der Meisterin traut man das zu, entspannt genug wirkt sie. Mit vielen Größen der Rockmusik hat sie zusammengearbeitet, „Because The Night“ mit Bruce Springsteen komponiert, für BLUE ÖYSTER CULT Texte geschrieben und Bob Dylan erwähnt sie als Freund, covert mit „Man In The Long Black Coat“ und „One Too Many Mornings“ gleich zwei seiner Stücke. Das Wetter spielt mit, die Kulisse könnte nicht passender sein, mit all dem Grün und den Bäumen des Stadtparks.
Wie lang das Konzert wohl gedauert hat? Ich kann es unmöglich sagen, war ich doch teilweise wie in Trance! Großartige Band, tolle Präsenz und Stimme von PATTI SMITH herself!
