SUZI QUATRO / 27.06.2025 - Kiel, Freilichtbühne Krusenkoppel

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Um SUZI QUATRO live zu sehen, hätte ich theoretisch bestimmt schon viele Gelegenheiten gehabt. Aber früher hatte ich gerade extrem erfolgreiche Rockmusiker:innen nicht auf dem Schirm, denn Geknüppel aus dem Keller war mir wichtiger. Auch heute wühle ich mich natürlich bevorzugt durch den Untergrund. Aber ich glaube, bei jedem wahren Musikfreak wächst irgendwann das Interesse an den Wurzeln. Man fragt sich, woher all die geilen Bands ihre Inspiration hernahmen. Für mich sind jedenfalls alte Rockbands über die Jahre voll das Ding geworden. Und häufig sind gerade die alten Recken live fantastisch.

Im Falle von SUZI QUATRO begann die Beschäftigung eher durch Zufall: Ich erntete eine Single bei einer von Rainer Heartbeats „Zersteigern und Verstören“-Veranstaltungen ab, um sie vor der Vernichtung zu bewahren. „Voll geil!“, erkannte ich zu Hause und erntete später weitere Alben aufm Flohmarkt und bei Second-Hand-Dealern ab. Letztes Jahr folgte der begeisternde Auftritt in Wacken und so freute ich mich über die Ankündigung, dass SUZI QUATRO bei der „Gewaltig leise“-Reihe dabei sein würde. Indes – ich wartete zu lange mit dem Ticketkauf und plötzlich war das Konzert auch schon ausverkauft! Wir blieben entspannt und dachten uns: Komm, einfach hingehen und gucken, ob jemand Karten vor der Tür verkauft. Übern Zaun luschern könnte man schlimmstenfalls ja immer noch.

Und glaubt es oder leckt mich im Arsch: Ein freundlicher Herr veräußert uns zwei Tickets zum Preis von – ich mag es kaum schreiben – 25,- Euro insgesamt! Geiler Typ! Wenn ich groß bin und mal zwei Konzertkarten überhaben sollte, werde ich das auch so machen. Einfach so. Oh, Suzi Q.!

 

SUZI QUATRO

Bilder von MJ.

 

Schöner Moment direkt vor Beginn: Ich schlumbumbere mit vier Getränken in den Pranken von draußen zurück ins Innere der Freilichtbühne, da versperrt mir ein Ordner den Weg. Ich wundere mich über diese Maßnahme und denke kurz, dies könnte eine Art regulierende Aktion sein, damit nicht zu viele Leute auf einmal hineinströmen. Schließlich ist es sauvoll und irgendwie sieht es eine Zeitlang so aus, als passten gar nicht alle Leute rein. Aber wir müssen halt alle etwas zusammenrücken. Tatsächlich erkenne ich jetzt den wahren Grund: Ca. einen Meter vor mir steht SUZI QUATRO spielbereit auf dem Weg direkt neben der Bühne. Die gesamte Restband steht schon drauf. Zwischen ihr und mir befindet sich also nur der Roadie. Der hält also die Arme ausgestreckt, damit keiner in die Frau hineinrennt. Hätte mir direkt auch passieren können! Wie peinlich das gewesen wär!

 

SUZI QUATROSUZI QUATRO

 

Aber jetzt steht sie auf der Bühne, zockt einen Akkord und die Leute klatschen donnernd im Takt. Dennoch beginnt die neunköpfige Band (neben der klassischen Rockbesetzung befinden sich zwei Tänzerinnen/Backgroundsängerinnen, ein Orgler und drei Bläser auf den Brettern) eher gemütlich. Schnell zeigt sich Suzi Quatro als gewitzt, charmant und schlagkräftig: Sie bügelt allzu forsche Selfie- und Autogrammjäger:innen ab, antwortet auf Zwischenrufer und interagiert herrlich (selbst)ironisch mit der Band. „Tear Me Apart“, „Mama’s Boy“ (einem Zwischenrufer gewidmet), „Stumblin‘ In“ und „48 Crash“ reißen viele aus den Sitzen und die Band ist auch schon lange gut in Fahrt gekommen. Nach einer Pause erscheint Quatro im kultigen Leder-Jumpsuit, verkündet „I can still do this!“, dreht sich um und wackelt erst mal mit dem Hintern. Richtig grandios kommt das NEIL-YOUNG-Cover „Rockin‘ In The Free World”, nicht minder mitreißend ihre CCR-Interpretation von „Bad Moon Rising“. Überflüssig zu erwähnen, wie fit jede:r einzelne Musiker:in ist. Aber den Gitarristen Tim Smith will ich dennoch hervorheben, spielt er doch äußerst stilvoll und akzentuiert. Sozusagen als Sahnehäubchen zu den musikalischen Highlights gibt es häufig noch Anekdoten zu der Entstehung oder zum Inhalt der Songs. „Too big“, „She’s In Love With You“, „Devil Gate Drive”, “Can The Can” und “Desperado” zeigen eine amtliche Vielfalt auf. Manches darf als Proto-Hardrock bezeichnet werden, aber auch Balladen, purer Rock’n’Roll und pompöse Melodiemonster sind dabei. Ich mag nicht jeden Song, fühle mich aber das gesamte Konzert über bestens unterhalten.

 

SUZI QUATROSUZI QUATRO

 

Das war’s jetzt auch mit Kieler-Woche-Berichten: Nächste Stationen: HEILUNG, PATTI SMITH und D.R.I.!

 

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