SKLOSS, ERRORR / 10.07.2025 – Hamburg, MS Stubnitz

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Als „sensational space gaze | delicious noise pop | heavy psych rock | post metal drones | shoegaze | post punk“ kündigt die Info Seite der MS Stubnitz den heutigen Abend an. Es fehlt eigentlich nur noch die Erwähnung der Ché-Chè-Chep Rhythmen der brasilianischen Tw´p Indios nahe Belo Horizonte, um den ganzen Kosmos der durch Menschen oder Maschinen erzeugten Laute abzudecken. Wird hier zu viel versprochen? Mehr Schein als Sein? Erleben wir noch zu Lebzeiten die Marslandung? Wer hat die Kokosnuss geklaut? 

Ok, letztere Frage ist relativ unwichtig, da bereits Rupert, die deutsche Dogge meiner Tante Frieda, darauf angesetzt wurde. Auf der MS Stubnitz war ich tatsächlich früher nie, da der Bums irgendwie immer an mir vorbei ging. Erst dieses Jahr enterte ich bei einem Demented are go Konzert das erste Mal die Planken dieses Reliktes sozialistischer Fischfang Träume. Kühlrippen an den Wänden, Treppen auf und ab sowie der Geruch des Diesels machen diesen Konzertschuppen im Schiffsbauch durchaus speziell. Also hin da!

 

SKLOSS

 

 

Licht aus, es geht los. Im Gegensatz zu Demented ist heute nicht ausverkauft, aber was willst erwarten. Ist halt Mittwoch und die auftretenden Bands sind eher Geheimtipps als Chartstürmer. Dazu spielen sie Musik, die durchaus ihre Fans hat, aber keine Stadien füllt. ERRORR eröffnen den Abend. Gleich ist klar, die Regler sind voll aufgedreht und Fuzz, Fuzz und noch mehr Fuzz kommt aus den Boxen. Die Band aus Berlin fabriziert hier eine Musik, die fast greifbar wird, so fett sind die entgegenkommenden Schallwellen. Dazu wird auf 2 Gitarren und einem Bass geschrubbt, derweil im Hintergrund das Schlagzeug rumpelt und scheppert. Dies aber nicht nur des Geschrammels wegen, gerade wenn das Tempo gedrosselt wird, kommen klare Strukturen zum Vorschein.

 

Der Gesang des Gitarristen tut sein Übriges, sich vom simplen, dem Krach orientierten Drone abzusetzen. Doch ist dies schon alles? Was ist das Besondere? Immer wieder gibt es Passagen, die sich dem Shoegaze gleich in die Länge ziehen, die Gitarren und der Bass verschmelzen und eine Kakophonie der Verzerrung und des Reverbs übernimmt die ansonsten klar definierten Umrisse des Liedes. Dazu kommt bei den Gitarren nicht nur der Einsatz eines Bottleneck, es wird auch abgedeckt, gedrückt, gezogen, gefächert und was-weiß-ich-noch. Dadurch werden Elemente des Noise zwar übernommen, aber das was ich als reinen Krach definieren würde, bleibt außen vor. Heraus kommt einfach gute Musik, die zwar experimentell aber durchaus eingängig ist. Besonders toll finde ich die Idee, die sehr bewegungsaktive Gitarristin in die Mitte der Bühne zu stellen derweil der eher statisch wirkende Sänger am Bühnenrand seinen Platz findet. Also wirklich super gemacht bzw. gedacht.

 

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Kurze Umbaupause und Skloss aus Austin, TX are next. Da brauch nun niemand im Wörterbuch für Aramäisch nachschlagen, Skloss ist einfach nur der Nachname der Schlagzeugerin Karen Skloss. Ihr schottischer Ehemann Sandy Carson spielt die E-Gitarre und beide übernehmen den Gesang. Ich finde es toll, wenn in einer Partnerschaft beide Instrumente spielen und sich so ergänzen. Besonders toll ist es, wenn dabei eine Band wie diese heraus kommt und es nicht in einem Blockflöten Duett bei der Weihnachtsfeier der christlichen Pfadfinder in Husum-Hintern endet.

 

Egal, Sandy baut seine Effekt-Board auf und das hat es in sich. Wenn man selbst da nur ein Knöpfchen drücken oder einen Regler unerlaubt verändern würde, bräuchte er bestimmt 48 Stunden, bis er diese Veränderung aufgespürt hätte. Aber sowas macht man ja nicht, wobei die Idee finde ich gerade sehr interessant… Beim Konzert selbst ist alles da: Delay, Hall, Echo, Overdrive, Distortion und Fuzz. Das ist schon brachial, was da aus den Boxen kommt und kann nur als wabernde Soundwand beschrieben werden. Aber nicht nur die E-Gitarre überzeugt, im Hintergrund geht Karen Skloss auf und ab und bearbeitet ihr Schlagzeug im aufblitzenden Stakkato der Stroboskop Leuchten wie eine 8-armige.

 

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Bei den Ansagen bemerkt der Besucher, wieviel Hall auf dem Mikrofon des Gitarristen liegt, da sich jedes Wort ungefähr 5 mal wiederholt, aber das macht nichts. Einzig der Gesang der Schlagzeugerin könnte etwas mehr nach vorne gemischt sein, aber sowas hast ja öfters.

 

Auch bei Skloss ist der Noise Rock spürbar nahe, aber nie wird die Grenze zum monotonen Krach erreicht. Stets führt das Schlagzeug und/oder eine angeschlagene Saite der Gitarre durch den Nebel aus Verzerrung, Hall und Delay. Zudem setzt der Gesang nötige Orientierungspunkte, führt die Lieder vorwärts und verhindert, dass diese in einem Orkus der Monotonie zu versinken drohen. Klingt jetzt blöd, aber ist positiv gemeint. Gerade im Bauch der Stubnitz und mit der dort vorhandenen Anlage ist dies eine ganz andere Erfahrung als die 100ste Punk Band irgendwo in nem feuchten Keller zu sehen. Mich erinnert das von allen Seiten kommende Rauschen, Pfeifen, Schreddern und Brodeln an eine Startbahn für Raumschiffe, auf der ein solches gerade abhebt. Letzte Kommandos geistern über den Äther und die Reise nach Istban IV beginnt. Bestimmt schön da, denke ich.

 

SKLOSS

 

Super Abend und beide Bands definitiv ein Geheimtipp, wenn es mal was anderes sein darf als „The Trooper“ oder „Alle gegen Alle“. Hin und zurück mit Karre, daher kein typisches Gelaber über die Bahn heute. Ich wette übrigens, wir erleben die Mars Landung nicht mehr in unserem Leben.

 

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