RAGE / 24.06.2025 – Kiel, Radio Bob Rockcamp
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Dienstag, 15. Juli 2025 17:31
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Beim Radio Bob Rockcamp spielen viele Bands, die nicht dem entsprechen, was ich unter Heavy Metal verstehe. Muss ich wahrscheinlich nicht erklären, wenn ich auf Namen wie GLORYHAMMER, BATTLE BEAST etc. verweise. Das spielt sich in einem anderen, mir fremden Universum ab. Aber dann wieder: RAGE! Eine meiner absoluten Lieblingsbands, die ich schon unter ihrem alten Namen AVENGER mochte. Wir hatten sogar unseren Heavy-Metal-Fanclub nach einem AVENGER-Song benannt – „South Cross Union“. Wie häufig ich RAGE in den letzten vier Jahrzehnten gesehen habe, könnte ich nicht auf Anhieb sagen, aber immerhin erinnere mich an drei Kieler RAGE-Konzerte: 1988 in der Traumfabrik mit SABBAT und RISK („The Deadly Speed Convoy“), 1990 im Max mit RUNNING WILD („Secrets In A Weird World“-Tour) und 1995 in der Ostseehalle mit SAXON, YNGWIE MALMSTEEN, BLIND GUARDIAN, LOVE/HATE und SKYCLAD. Alles sehr gut. Nun also auffer Kieler Woche mit der bestens eingespielten Besetzung Peavy – Lucky – Jean Bormann (ob Stefan Weber zurückkommt, ist meines Wissens immer noch unklar).
Bilder von MJ.
Das Wetter ist heute nicht so pralle und kostet RAGE bestimmt ein paar Zufallsgäste, die einfach mal aus Neugier reingeschaut hätten. Aber dafür, dass der Regen mit der Zeit eher zusehends stärker wird, ist der Platz doch erstaunlich gut gefüllt und gehen will hier keine:r. Das ist sicherlich ein Zeichen für die Popularität, die RAGE in den letzten Jahren (zurück)gewonnen haben. Es gab schwierige Zeiten und viele Besetzungswechsel, aber das jetzige Line-Up besteht seit fünf Jahren und hat drei extrem starke Alben veröffentlicht (das kommende kann man bereits vorbestellen).
Gleich mit dem Opener „Sent By The Devil“ darf man sich über den guten und nicht zu leisen Sound freuen. Die Gitarre hat Crunch, alles klingt wuchtig und differenziert. Die Band hat Bock, der sich noch zu steigern scheint, als klar ist, dass die Besucher:innen durchziehen werden. Als Freund aller RAGE-Alben freue ich mich über die Setlist, die man gut als Streifzug durch die Diskografie bezeichnen darf. Von allen Scheiben können RAGE ja gar nicht etwas spielen (ich glaube, es sind jetzt 26), aber immerhin zwölf (!) werden heute repräsentiert, wobei das beliebte „Black In Mind“ mit vier Songs die Vinylnase vorn hat. Ich bekomme ein ums andere Mal eine dicke Gänsehaut, so bei „Shadow Out Of Time“ und „Solitary Man“. Peavy ist top bei Stimme und bekommt mittlerweile Unterstützung von Jean Bormann (g), der gern heftigere Schreie und Growls beisteuert. Bormann ist in seiner Bühnenpräsenz weiter gewachsen und zockt die Songs astrein und mit kleinen Jake E. Lee / Zakk Wylde-Quietschern, wenn’s passt. Auch Lucky hat übrigens eine super Stimme, er agiert in seiner anderen Band TRI STATE CORNER als Frontmann. Mit „Under A Black Crown“ gibt es auch was von der neusten Platte „Afterlifelines“ – Hammersong, der sich nahtlos einreiht. Der einzige Song, den ich persönlich nicht gebraucht hätte, ist der etwas generische „Straight To Hell“, aber verrückterweise ist gerade dieses Stück durch mehrere Film- und TV-Einsätze zu einem der bekanntesten RAGE-Tracks geworden. Dafür entschädigen „Days Of December“, „Black In Mind“, „Until I Die”, “Great Old Ones”, “Let Them Rest In Peace”, “A New Land” und mit dem Zugabenteil „Refuge”, “Don’t Fear The Winter” (yeah!) sowie “Higher Than The Sky” werden alle Willigen zum Stimmbandruinieren eingeladen. Erst nach dem Konzert merke ich, wie nass ich tatsächlich geworden bin. Aber egal, denn das Konzert war es wert und kalt ist es ja eh nicht!
Kleiner Lifehack zum Schluss: Falls ihr mit der Buslinie 44 über die Feldstraße zurückfahrt und im Bus beim Aussteigen etwas liegenlasst, dann lohnt es sich, einfach ein Stündchen an der Haltestelle zu verharren. Denn der Bus fährt im Kreis und ist nach einer Stunde wieder am Ort. Dann einfach den Busfahrer anhauen und mit Glück sind Brieftasche, Haustürschlüssel oder so noch im Jutebeutel, den ihr vergessen hattet. Sag ich nur mal so.
