RECKLESS SURMA, ZORN / 11.3.2023 - Kiel, Schaubude und NIDBILD, RECKLESS SURMA / 05.01.2024 - Kiel, Schaubude

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2023:

Neulich inner Bude ...

... wollte ich zum GRUNDEIS, COLTAINE und KARITI – Konzert. Ein bisschen dunkler Rock und kühler Folk können nach dem vorangegangenen "Heavy-Metal-Wochenende" (HoH, Kreator) nicht schaden. Doch so kurzentschlossen (ja, ohne Vorverkauf ...) wie ich hin wollte, so erstaunt und enttäuscht guck ich, als das Konzert wirklich kurz vorher abgesagt wird. Sehr schade! Hatte mich drauf gefreut. 

Also doch wieder "Heavy Metal". Denn ein paar Tage später (es ist ein Sonnabend) gibt es mit RECKLESS SURMA und ZORN ordentlich harten Stoff. Zweimal im Duett, zweimal Krach, zweimal grundverschieden. Bis auf... - den Schlagzeuger. Der gerbt nämlich in beiden Fällen die Felle.

Bei ZORN noch mit Kapuze, sodass vorerst nicht ersichtlich ist, dass es ein und derselbe Knüppler sein wird. Seit 2020 deibeln Gitarrist/Shouter und Schlagwerker Sim zusammen. "Langeweile im Lockdown". Was als loses Projekt entstand, erwies sich als beständig und hat heute den ersten Auftritt überhaupt. Und der hat es in sich: schön unterkühlte Raserei und messerscharfe Riffs brechen über das Publikum herein. Dazu klingt das Drumming zwar typisch schnell aber doch akzentuiert und abwechslungsreich (hat da jemand MGLA gehört?). ZORN keifen und brüllen gegen den "Abgrund" an, wehren sich mit allen stilistischen Mitteln gegen den "Niederschlag", schaffen es aber ebenso "Schön" (ich meine mich zu erinnern, dass so ein Song heisst) zu klingen. Durch erhabenen, verhallten Klargesang wird dem ZORN etwas Gefühl vermittelt. Puuhh, das war eine gelungene Achterbahnfahrt!

 

Da gehen es RECKLESS SURMA doch deutlich stumpfer an: hol das schartige Hackebeil raus und "mach kaputt!" Cannibal Corpse lassen schön grüßen. Gewechselt hat jetzt lediglich der Gitarrist, der auch shoutet und grunzt. Drummer Sim hat nur die zornige Kapuze abgenommen (schreit aber trotzdem noch dann und wann ins Mikro). Moment; RECKLESS SURMA nur zu zweit? Vor kurzem standen die doch noch zu viert hier ... Und klingen laut Sim jetzt "wie zu Fünft". Hach, naja, gut gemeint, aber hier fehlen jetzt doch eine zweite Gitarre und ein Bass. Schade, denn MIT hätten RECKLESS SURMA doch deutlich mehr Durchschlagskraft. Läuft auch so (der Sound ist passabel), aber dennoch fehlt mir persönlich ein bisschen "der Druck von unten". Den BesucherInnen gefällts. Die Hamburger werden gut beklatscht und kommen am Ende um eine Zugabe nicht herum. Der "Menschenfresser" hat ganze Arbeit geleistet heute Abend!

 

2024:

Hm, wer hätte das gedacht: RECKLESS SURMA spielen schneller wieder in der Kieler Schaubude, als ich den alten Konzertbericht zum Lesen freigebe ...

Aber so gibt jetzt immerhin einen "Blast from the past, zurück in die Zukunft". Das gab's bei DREMU in dieser Form auch noch nicht. ;-)

Dieses Jahr ist es ein Freitag, an dem RECKLESS SURMA aus Wedel den metallischen Abend eröffnen. Die mir musikalisch unbekannten NIDBILD aus Hamburg vervollständigen das Billing. Grade hat mich der vorerst letzte Bus vor der Bude abgesetzt (danach wird der Busverkehr wegen akutem Schneefall eingestellt) und ich lande warm vermummt und mit kalten Füßen vor der Bühne bzw. vor dem Tresen. Aufgrund der Wetterlage hatte ich mit weniger BesucherInnen gerechnet und bin erstaunt, wie gut gefüllt der Laden trotzdem ist. Da werden erstmal Neujahrswünsche verteilt und diverse FreundInnen und Bekannte begrüßt. Schön! Kurz darauf erklingt das Intro für RECKLESS SURMA: ABBA. Ja, ok, kann man machen; vorm Rübeschütteln is' Popowackeln angesacht! Aber dann wird's stumpf. Stumpf mit Wucht! Aaaalter – im Vergleich zum letztjährigem Auftritt hat sich doch ein bisschen was getan: RECKLESS SURMA sind immer noch ein Duo, haben aber an diversen Stellschrauben gedreht, sodass der Sound noch tiefer und böser geworden ist. Bass und Gitarre von Pierre (die aus einem Pedal kommen) drücken gemeinsam noch fieser im HM 2 – Tune. Ich werde ordentlich durch-DISMEMBER-t und die Ami – Death – Schlagseite rückt dabei etwas in den Hintergrund. Gut so! Nicht nur bei einem neuen Song zeigt sich, dass der Mann hinter den Kesseln jetzt mehr mitgrowlt. Beide Musiker teilen sich das Gebrülle, wobei Schlagwerker Sim alle Ansagen sprichtbrüllt. Mit jedem Song wird's angenehm stumpfer. RECKLESS SURMA geben alles! Und das Publikum will mehr: erst bekommt es drei ultrakurze Brecher in Wiederholung (UGHHH!), bevor ein regulärer Song den Prima Gig beendet!

Das war ne schöne Steigerung zum letzten Jahr, ey! Gerne weiter so!

 

Guckt man sich das Logo von NIDBILD an, denkt man sofort an so'n "Black – Metal – unleserlich – Gewirr" (Mandarinenhaut, anyone? ;-) ). Das ist dann aber auch schon alles, was ich im Vorfeld berichten kann. Was da musikalisch wirklich auf mich zukommt, kann ich schwer abschätzen. Und tatsächlich klingt es anfangs auch etwas "durcheinander". Meine Ohren müssen sich erst justieren und NIDBILD brauchen einen Moment, um zu ihrer Form zu finden. Sound und Instrumente werden ge- und abgestimmt aber dann fügt sich alles wunderbar zusammen.

Eigentlich ein Trio, ist heute zudem noch mit Jordy ein neuer Gitarrist (mit seinem allerersten Bühnenauftritt!) dabei. Der Kern der Band (Bassistin Danika, Sänger/Gitarrist Elliot Berlin und Drummer Yannick) deibelt seit 2018 durch den Untergrund und hat eine Platte rausgebracht bzw. ist grad dabei was Neues zu fabrizieren. Stilistisch hören wir hier eine wüste Mischung aus Thrash Metal, Black Metal und Death Metal. Rott'n'Roll – Entombed treffen auf schwarzmetallische Riffs, melodiöse Gitarrenharmonien (Dissection?) und manchmal sogar Klargesang (inkl. Corpsepaint und soo dickem Nebel, dass selbst der Weg zum Klo zum Blindflug wird). Wie gesagt, das braucht ne Weile, bis es ankommt. Aber es wird mit jedem Song nachvollziehbarer und besser. Die Reaktionen des Publikums werden unisono immer lauter und frenetischer. NIDBILD kriegen nen Lauf und rotten rollen, dass die Bude wackelt. Leider wird dieser Lauf fies ausgebremst, denn NIDBILD hören wirklich auf, als es am schönsten ist und man sich grade schönstens eingegroovt hat. Zugaben gibt's leider keine. Das lässt mich zwar hoffen, noch einen Bus nach Hause zu kriegen (naja, das klappte dann doch nicht ... ), aber ich hätte wirklich lieber noch weitere NIDBILD – Songs gehört und ein abschliessendes Schwätzchen gehalten. Gut, ok; das dann gerne beim definitiv nächsten Mal! War geil! 

Torsten

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