HEADBANGERS OPEN AIR XXIV (WARM UP) / 27.07.2022 – Brande-Hörnerkirchen, Tag 0

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Endlich! Nach der langen Zeit ohne ein richtiges HEADBANGERS OPEN AIR (die „Light“-Version 2021 war natürlich schon mal super, aber eben noch nicht the real deal mit Camping und all dem Quatsch) erfolgt die Rückkehr des Festivals. Zu Recht trägt das 24. HOA daher den Titel „From The Ashes“. Aber was muss das Team im Vorfeld für einen Stress durchlebt haben! Eine ganze Welle an Bandabsagen kam da in einem geballten Zeitraum zusammen. Krankheiten, Verletzungen, gecancelte Flüge und anderer Mist verhinderten die Auftritte von u.a. LEATHERWOLF, SACRED REICH, CULPRIT, BLITZKRIEG, ANTHEM, JUGGERNAUT, VICIOUS RUMORS und FIFTH ANGEL. Aber immer wieder fanden Thomas, Jürgen und die Crew gleichwertigen Ersatz, z.B. in Form von LOUDNESS, BLAZE BAYLEY, VENOM INC., MARTYR, GLACIER, JAMES RIVERA oder PRAYING MANTIS. Und trotz Vollsperrung des Elbtunnels am Samstag oder dem momentanen Chaos auf den Flughäfen hat es nur eine einzige Band (TYTAN) des letztlich angekündigten Billings nicht rechtzeitig zum Gelände geschafft. So viel vorab, nun hinein ins Getümmel des erneut perfekt organisierten Festivals:

 

PORTRAIT

Bilder von Jan Bünning (PORTRAIT) - Jans Instagram-Seite und Martina Junker. 

 

Für den Warm-Up-Tag war ursprünglich ein neuer Laden in Brande vorgesehen, genannt Paul’s Ballroom. Ein Mitglied der Crew hatte nämlich den Dorfkrug gekauft und macht ihn jetzt fit für Konzerte. Die Arbeiten waren allerdings bis zum Festivaltermin nicht abgeschlossen, weswegen diese Option noch nicht zur Verfügung stand. Aber aus der Not entstand eine geniale Idee: Warum nicht die alte Bühnenseite und das ehemalige Gelände nutzen, was seit einigen Jahren als Backstagebereich genutzt wird? So wird den Besucher:innen ein Flashback in Zeiten vergönnt, als das HOA noch etwas kleiner war! (Soo viel größer ist es ja auch nicht geworden, es bleibt halt „die größte Gartenparty der Welt“.) Herrlich!

 

 

Trotz Zeltaufbau und der unfasslich vielen netten Begrüßungen schaffen wir es pünktlich vor die Bühne. Wer mögen wohl ATTACKTION sein? Tatsächlich muss ich beim Anblick der Band grinsen, handelt es sich doch zum Teil um alte Bekannte aus Berlin. Bei ATTACKTION spielen u.a. Mitglieder von FIRST AID und der Sänger der DDR-Legende BLACKOUT (den späteren DEPRESSIVE AGE). Zusammen covert man Klassiker der Heavy-Metal-Geschichte. Die Auswahl macht Spaß, zum Beispiel kommen „Stand Or Fall“ (ANTHRAX), „Still Searchin‘“ (AGENT STEEL), „Neon Knights“ (BLACK SABBATH), „Queen Of The Reich“ (QUEENSRYCHE) oder „Victim Of Changes“ (JUDAS PRIEST) zum Zuge. Besonders cool ist die Wahl von IRON MAIDENs „Deja-Vu“, da dieser noch nie von MAIDEN selbst live dargeboten wurde. So ergibt ‘ne Coverband Sinn, zumal die Stücke kompetent gezockt werden. Sänger Matthias Windelschmidt darf sich dann quasi selbst covern, da mit „Oracle Of Death“ auch ein Stück der einzigen BLACKOUT-Veröffentlichung gespielt wird, vom 87er Demo „Kamikaze“. Knackiger Thrasher. Die Stimmung ist entsprechend gut, auch wenn viele Besucher:innen noch mit Zeltaufbau beschäftigt sind und der Mob noch nicht ganz warm ist. Aber genau dazu dient dieser Tag ja und ATTACKTION haben ihren Job gut erledigt!

 

Yeah 

 

COBRA SPELL können dann bereits eine ordentliche Menge vor die Bühne ziehen. Mit Gigs auf dem „Defenders Of The Faith“-Festival und der „Kings Of The Underground“-Tour haben Sonia Anubis und ihre Mitstreiterinnen sich mittlerweile eine amtliche Reputation erspielt. Besonders überzeugend agiert wieder die Sängerin Kris Vega, die seit einigen Monaten Alexx von HITTEN am Mikro abgelöst hat. Selbstbewusst, mit guter Laune und verdammt viel Schmackes auf den Stimmbändern powert die Spanierin die Band nach vorne. „Addicted To The Night“ und „Poison Bite“ erweisen sich erneut als kompakte Banger, während andere Songs vom Songwriting her etwas blasser sind. Dennoch überzeugt die Band durch ihre unaufhörliche Spielfreude auch auf die gesamte Distanz. Sonia Anubis lässt es sich nicht nehmen, das W.A.S.P. Cover „Animal (Fuck Like A Beast)“ anzusagen und im Refrain völlig manisch mitzubrüllen. Ich bin nach den zwei EPs gespannt auf den ersten Longplayer.

 

 

Der Abräumer des Abends sind ALIEN FORCE! Was während und nach dem Auftritt an Platten über den Merchtresen wandert, ist echt der Wahnsinn. Die Dänen sind eine Band, die zu 100 % den Nerv des HOA/KIT-Publikums trifft. Geil gespielter Old School Heavy Metal, der so richtig schiebt und pumpt. Peter Svale Andersen hat offenbar Stimmbänder aus Leder und zieht sein Ding ohne viel Gewese durch. Kann man nur mögen. Natürlich sind Songs wie „Night Of Glory“, „To You“, „Get It Out“ oder “Hell And High Water” vom 85er Debut Knaller für die Ewigkeit, zu denen sich herrlich headbangen lässt. Aber auch neue Songs vom gerade erschienenen „We Meet Again“-Album erweisen sich als absolut würdig. Am Merch liegen übrigens neben dem neuen HRR-Rerelease des Debuts auch zwei, drei Erstpressungen, die die Band noch irgendwo rumliegen hatte. Ich hatte dieses Glück schon auf dem KEEP IT TRUE 2018. Heute ernte ich endlich die zweite Platte „Pain And Pleasure“ (1986) ab, die ebenfalls mit einigen Songs in der Setlist vertreten ist. Knaller!

 

PORTRAITPORTRAIT 

 

PORTRAIT haben für mich eine der zehn besten und meistgehörten Platten 2021 rausgehauen. „At One With None“ ist etwas melodischer als die Vorgänger ausgefallen, besitzt aber immer noch diese dunkle, ja finstere Ausstrahlung. PORTRAIT präsentieren ihre Musik mit einer angenehmen Humorlosigkeit, vergleichbar etwa mit RAM. Heavy Metal wird hier mit Passion ausgelebt, gleichzeitig aus verschiedensten Quellen Inspiration geschöpft, seien es 70er Hardrock-Wurzeln, 80er MERCYFUL-FATE-Vibes oder ein Quäntchen Black Metal in der durchaus progressiv zu nennenden Gitarrenarbeit. Die fein miteinander verwobenen Gitarren werden von Christian Lindell und dem neuen Mitglied Karl Gustafsson in atemberaubender Präzision gespielt. Per Lengstedt singt heute besser denn je, seine Stimme jagt mir wiederholt Gänsehaut über die Arme. „At One With None“, „Burn The World“, „Phantom Fathomer“ und „Beast Of Fire“ nenne ich als Höhepunkte, wobei zum Abschluss etwas Besonderes kommt. Man gedenkt Mark Shelton, der ja genau am heutigen Datum 2018 verstorben ist – RIP! Und nicht nur das, es schließt sich eine furiose Version von MANILLA ROADs „Necropolis“ an, dessen Refrain auf dem gesamten Acker mitgeschmettert wird. Genial!

 

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Ein überaus gelungener Auftakt, der für mich deutlich mehr als nur ein Warm Up war! Und nun kann man sich auf drei prallvolle Tage freuen – TBC!

 

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