METALHÖHLE OPEN AIR II mit B-S-T, REAVERS, STEEL CRUSHER, FAR FROM TENNESSEE, SERPENT DEITIES / 23.07.2022 – Schönkirchen, Metalhöhle

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Das METALHÖHLE OPEN AIR ist ein Beweis dafür, dass man eine geile Veranstaltung auf totalem D.I.Y.-Level erfolgreich durchziehen kann, wenn ausreichend Leidenschaft dafür vorhanden ist. Als der zum damaligen Zeitpunkt 17-jährige Max uns erzählte, dass er im eigenen Garten ein Festival mit Livebands stattfinden lassen wolle, kamen doch einige Bedenken zur Sprache. Die Stichpunkte Anwohner, Sicherheit, Finanzen, Ordnungsamt muss ich nicht weiter ausformulieren. Aber Max klärte alles mit den Nachbarn ab, ließ sich die Veranstaltung offiziell bei der Stadt Kiel genehmigen und konnte nach viel Blut, Schweiß und Tränen (= B.S.T.) fünf Bands und einen DJ verkünden, die das Lobeck’sche Anwesen bespielen und beschallen sollten. Here we go:

 

REAVERS

Fotos von Andreas Mrowczynski, https://www.facebook.com/AndreasKonzertfotografie/ 

 

Wurstbude vorm Eingang, professionelle Banner mit dem METALHÖHLE-Logo (samt Sponsoren), Stoffarmbändchen, Flyer mit Running Order und Lageplan des Geländes – Max scheint wirklich an alles gedacht zu haben, was es auf Festivals wie dem H:O:A auch gibt. Natürlich geht auch etwas Wichtiges in letzter Minute schief (Murphys Law für Veranstalter): Die bereits bezahlte Firma liefert die Dixi-Toiletten nicht! Wie für die meisten Probleme findet sich auch hier eine Lösung: Ein Nachbar hat ein Dixiklo auf seinem Grundstück stehen und stellt es freundlicherweise dem METALHÖHLE OPEN AIR zur Verfügung. Im Vergleich zum 2021er Probelauf sieht die Bühne größer und recht professionell gezimmert aus, Respekt! Mit die größte Überraschung ist der hervorragende Sound, den alle fünf Bands haben. Hier ist wohl von Vorteil, dass der Garten zur der Bühne gegenüberliegenden Seite komplett von Gebäuden umrahmt wird, die Akustik ist jedenfalls super. Zudem bedient der B-S-T-Mischer kompetent die von der Band gestellte Anlage. Crazy bleibt natürlich der Pool, der sich nun mal direkt vor der Bühne befindet, sodass die Besucher:innen entweder nur einen kleinen Streifen zwischen Stage und Pool haben oder recht weit entfernt dahinter stehen müssen. Durch Querplatten ist das Ding gesichert, optimal wäre natürlich eine stabile Komplettabdeckung, auf der man stehen könnte. Aber diese Lösung dürfte unbezahlbar sein. Insofern sach ich: Zuschütten, das Ding!

 

SERPENT DEITIESSERPENT DEITIES 

 

Fast pünktlich eröffnet Max‘ eigene Band SERPENT DEITIES den Reigen. Neben diversen Bekannten sind auch Anwohner und einige neue Gesichter im Garten und werden Zeugen dieses Debut-Gigs. SERPENT DEITIES zocken Death Metal mit Einflüssen aus Thrash und klassischem Heavy Metal. Statt wie verrückt loszubolzen, setzen die jungen Hunde zunächst auf Groove. Falls mein mentaler Schmierzettel nicht fehlerhaft beschriftet ist, kommen drei der gespielten Stücke aus eigener Feder, während drei weitere gecovert werden. Neben BOLT THROWERs „Killchain“ (gute Wahl, gelungen umgesetzt) und NAPALM DEATH‘ „You Suffer“ kommen DIAMOND HEAD mit „Am I Evil“ zum Zuge. Alle Stücke kommen gut an, ich hätte gern noch mehr eigene gehört. Der Sänger, der am heutigen Tag Geburtstag hat und entsprechend während des Gigs beglückwünscht wird, behält bei den Ansagen seine Growl-Stimme bei und röchelt z.B. Folgendes ins Mikro: „Der nächste Song ist von Max. Er ist ein guter Junge.“ Insgesamt kann man der Truppe einen gelungenen ersten Auftritt attestieren. Ich bin gespannt, was da noch so kommt!  

 

FAR FROM TENNESSEEFAR FROM TENNESSEE 

 

Auch FAR FROM TENNESSEE spielen heute wohl zum ersten Mal live. Diese Band zählt sich selbst laut Eigenbeschreibung zum Genre „Stoner/Punk“. Heute tritt sie aber offenbar (noch?) nicht mit ihrer gesamten Besetzung auf, sondern zockt unplugged und nur zu zweit. Auf der Habenseite verzeichne ich den herausgekrächzten Gesang, der nach Kehlkopfkatarrh im fortgeschrittenen Stadium klingt. Dieser Kehle scheinen Melodien Schmerzen zu bereiten, dennoch wird munter krakeelt. Sowas mag ich ausdrücklich. Schade ist natürlich, dass ansonsten lediglich wat akustisch gezupft wird. Da bin ich wie bei klassischer Musik Banause und frage mich innerlich immer, wann wohl das Intro vorbei sein möge und wann endlich die „richtige“ Musik beginne. In der regulären Version bestimmt besser. 

 

STEEL CRUSHERSTEEL CRUSHER 

 

Holy shit, STEEL CRUSHER delivern richtig! Die Gitarren brillieren bei glasklarem Sound, die Songs preschen nur so voran. Das Ganze klingt knackig, tight und frisch, ja, es riecht sogar frisch! Letzteres liegt dann wohl doch an den Minzbüschen hinter mir. Ob man daraus wohl einen leckeren Schnaps à la Lütje Minze machen könnte, frage ich mich. Daniel Wamsler und seine Schergen spielen fast alle Stücke ihrer sehr empfehlenswerten „Metal Possessed“-Scheibe. Als herausragend erweisen sich mal wieder das flotte Titelstück, der VICIOUS RUMORS artige Killer „Knights Of The Night“ (Super Refrain!) und das hymnische „The Steelcrusher“. Die Twin-Duelle der beiden Gitarristen erzeugen mehrfach Gänsehaut, ebenso der durchgehend superbe Gesang von Mr. Wamsler. Mit einem Cover der fucking POINTER SISTERS („I‘m So Exited“) hat man die Überraschung auf seiner Seite. Zwar vergisst Daniel eine Bridge, rechtfertigt diesen kleinen Fauxpas aber clevererweise mit dem Hinweis, dass man ja die leichte zeitliche Überziehung wieder einholen müsse. Top!

 

REAVERSREAVERS 

 

Vom klassischen Heavy Metal zu ursprünglichem Thrash: Die REAVERS stehen auf der Bühne. Am nächsten Tag wird mir ein Freund schreiben: „Das ist ja megageiler alter Metal! Da hört man den Punk!“ Aber ganz genau, Kollege! Und ich spürte schon früher am Tag den Drang, einen Circle Pit um den Pool herum zu starten. Als Klitz (Bass und Gesang) genau dazu aufruft, laufe ich schon, bevor mein Gehirn den entsprechenden Befehl erteilt hat. Der Old School Thrash der Hamburger:innen bietet die ideale Basis für solchen Quatsch. Aber nicht nur! Auch für „Fuck Putin!“-Ansagen, und wem so etwas nicht passen sollte (es gibt ja diese „Keine Politik im Metal“-Fraktion, wenn zum Glück auch nicht hier auf diesem Festival), der möge doch noch einmal seine alten Thrash-Scheiben herausholen. Der Vierer rüpelt sein Set wieder gnadenlos herunter, dazu mit dem besten Sound, den ich bisher bei einem REAVERS-Konzert erlebt habe, sodass der Spaß viel zu schnell vorbei ist.

 

B.S.T.B.S.T. 

 

„Unsere Vorgänger sind geradezu verschwenderisch mit Tönen umgegangen – bei uns herrscht nur die Langsamkeit. Keine Angst, es geht uns gut!“, warnt B-S-T-Gitarrist/Sänger Heiko Wenck die anwesenden Speedfreaks. Glücklicherweise sind hinreichend Besucher:innen von Kopf bis Fuß auf Doom eingestellt und bangen den gesamten Auftritt mit – natürlich in Zeitlupe. Angesichts der gebotenen Qualität ist es eigentlich unfassbar, dass B.S.T. nicht noch deutlich bekannter sind. Monströs bauen sich die teilweise über neunminütigen Songungetüme auf, schwer dröhnen Riffs und Beats, passend dazu der leidende Gesang. Es kommt bei diesem Auftritt zu einigen Momenten, die ich geradezu als magisch bezeichnen würde. Schwer zu benennen, worin diese exakt bestehen, aber es ist ein Gefühl der Verletzbarkeit, wie es nur wenige Bands transportieren können (ich werfe WARNING in den Raum). Songs wie „Brenne“, „Stimmen“, das Christy Moore & Jimmy MacCarthy-Cover „Ride On“ kennen mittlerweile viele der Anwesenden, gerade letzterer gelingt in einer besonders schwermütigen Version (der Refrain „Ride on, see you, I could never go with you / No matter how I wanted to“ hallt jetzt noch in meinem Hirn nach). Erfreulicherweise werden auch Stücke vom kommenden Album gespielt, welches B-S-T unlängst im Lübecker Rosenquartz-Studio aufgenommen haben. Es ist immer schwer, das nach einmaligen Hören zu beurteilen, aber ich bin sicher, dass B.S.T. hier an ihre bisherigen Werke anknüpfen können werden. Ganz stark!  

 

B.S.T.B.S.T. 

 

Danach erfreut DJ Poser 667 alias Pierre Bade die Anwesenden mit Heavy Metal Hits seiner Wahl. Ich hebe für seinen Geschmack beide Daumen, sind doch so einige Volltreffer dabei, zu denen sich erbaulich weiterfeiern lässt.

 

METALHÖHLE  

 

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