TURBOSTAAT, ZOI!S / 03.05.2022 – Kiel, Pumpe

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Gut gemeint, schlecht umgesetzt: Entgegen des zwei Tage alten TURBOSTAAT-Newsletters („Wir möchten dich bitten, am Tag des Konzertes einen Schnelltest zu machen.“) ist ein Test mit Nachweis heute Pflicht. Das erfährt man leider erst vor Ort direkt an der Pumpe. Nun, die Sache dient dem Schutz der Gesundheit aller und bei anderen Läden klappt das ja auch reibungslos, denken wir uns noch. Doch zu einem TURBOSTAAT-Konzert kommen natürlich mehrere Hundert Menschen. Und in der extra eingerichteten Teststation in der Pumpe, die über den Hinterhof erreichbar ist, sitzen drei Leute. Die sind zwar alle nett, gehen aber davon aus, dass alle Besucher:innen ein Smartphone besitzen und dabeihaben, die Technik des QR-Code-Einscannens reibungslos funktioniert und die Internetverbindung stabil ist. Eine vierte Person, die einfach Leute OHNE Smartphone per Zettel abarbeitet, fehlt schlicht. So entstehen auf dem Hinterhof mehrere Grüppchen frustrierter Leute, die mehrfach zurückgeschickt werden, um sich neu anzumelden oder sich jemanden zu suchen, der ein Smartphone hat. Natürlich stürzt auch noch die Internetseite ab, über die alles läuft. Irgendwann geht es doch mit einer Testung, deren Ergebnis einfach auf einem Zettel festgehalten wird. Da spielen ZOI!S allerdings bereits. Danach muss man sich noch in weitere Schlangen einreihen, erst wird das Testergebnis kontrolliert, in der nächsten das Ticket, dann kommt die Schlange für das Bändchen und schließlich eine für den Umtausch des Vorabtickets in ein schickes Hardticket. Insgesamt waren wir in neun (!) Schlangen und haben 53 Minuten angestanden, bis wir vor der Bühne stehen und immerhin noch einen Teil des ZOI!S-Auftritts sehen. Beim nächsten Pumpenkonzert gehe ich einfach vorher zur Corona-Wacht am Blücherplatz.

 

TURBOSTAAT

Bilder von MJ

 

Bier in der Pranke, Laune wieder gut. ZOI!S zocken bei grandiosem Sound und die sehr gut gefüllte Pumpe feiert (also die, die nicht noch draußen anstehen). Es ist erstaunlich, wie sich diese Band weiterentwickelt hat. Von Oi zu Postpunk mit East-Bay-Ray-Gitarre und nicht wieder zurück. Die Performance würde ich gern als „professionell“ bezeichnen, aber im positiven Sinne. Die Jungs sind top eingespielt, Sänger Felix Klöpping aalt sich sowohl körperlich als auch stimmlich durch die Songs. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen und zuzuhören, viele tanzen begeistert. Zwischendurch reflektiert Felix in einer Ansage, ob man sich angesichts Pandemie und Krieg überhaupt freuen könne und ob es aus Bandsicht angemessen ist, ein Konzert zu spielen. Nachvollziehbare Gedankengänge. Er kommt zu dem Schluss, dass es sogar von elementarer Bedeutung für das eigene Befinden ist, solange man diese Dinge nicht dauerhaft ausblendet. Gute Band, deren Vorbilder noch herauszuspüren sind, z.B. PASCOW oder TURBOSTAAT. Auch das mag sich noch ändern.

 

ZOI!SZOI!S 

 

TURBOSTAATTURBOSTAAT

 

„Tachchen, wir haben uns etwas verspätet!“, begrüßt Jan das Publikum. Durch den TURBOSTAAT-Auftritt beim TOGETHERFEST im August 2021 kam mir die Zeit bis zu diesem Nachholtermin übrigens gar nicht so lang vor. Mit „Rattenlinie Nord“ geht es furios in die Vollen. Wie immer ist es ein Erlebnis auf TURBOSTAAT-Konzerten, das textsichere Publikum mitschmettern zu hören. Die Texte berühren etwas in vielen Menschen. Und auch wenn es häufig typisch norddeutsche Motive zu sein scheinen, die verarbeitet werden, so werden sie doch auch andernorts verstanden. Da bin ich mir nicht nur bei „Haubentaucherwelpen“, „Fraukes Ende“, „Abalonia“, „Stine“, „Insel“, „Alles bleibt konfus“ oder „Vormann Leiss“ sicher. Ist die heutige Setlist der vom Togetherfest sehr ähnlich? Neu dabei ist definitiv ein brandneuer Song namens „Otto muss fallen“. Auch diesen singt der Mob bereits auswendig mit, unglaublich. So schnell kann ich mir die Lyrics nicht merken, höre den als Video-Avoider aber auch in diesem Moment zum ersten Mal. Sehr guter, treibender TURBOSTAAT-Stoff! Die Band genießt den Auftritt offensichtlich sehr, gerade Gitarrist Rollo habe ich bisher noch nie so häufig lächeln sehen. Laut Jan sei man völlig aus der Übung, was man aber ehrlich gesagt wirklich nicht hört. Alle Elemente sind da. Dieses Hämmernde, das Flirrende, die Melancholie und die Wut. Emotionaler scheint es für die fünf seit 1999 zusammen zockenden Bandmitglieder heute zu sein. Kiel ist immerhin der Tourauftakt, was zur besonders intensiven Stimmung beitragen mag. Jeder Mensch, der Musik liebt und/oder macht, hat ja auf den ersten Konzerten nach langer Zeit gespürt, was gefehlt hat. Ich hoffe, dass es jetzt ohne weitere große Pausen weitergeht, nicht nur für TURBOSTAAT.

 

TURBOSTAATTURBOSTAAT

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