MOSH IM MAI Warm Up Party mit EXTINCT, RECKLESS SURMA, PESTRITE / 09.04.2022 – Kiel, Schaubude

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Alles neu in der Schaubude! Der Kieler Kultschuppen hat ein komplett neues Soundsystem bekommen, über welches Tonmeister Bockfred sich begeistert zeigt. Und tatsächlich hört man einen deutlichen Unterschied, der Sound ist besser und differenzierter! Auch wurde zum Beispiel die Garderobe reaktiviert, komplett mit rot leuchtendem Schaubuden-Logo. Richtig innovativ finde ich dabei, dass man die Garderobe mit einem Mini-Tresen fusioniert hat. Kannste dir beim Jackeabgeben gleich ‘nen Mexikaner ballern oder nach dem Klogang ohne Zeitverlust direkt das nächste Bier abgreifen. DreMu verleiht dafür den Innovationspreis 2022!

 

MOSH IM MAI Warm Up

 

Sind also heute alle begeistert? Nein, nicht alle! Ich begrüße drei Bekannte, die ich länger nicht gesehen habe. Große Freude, Gruppenfoto, Prost etc. Als ich dann ankündige, dass ich mich kurz zum Testbus begeben werde, versteinern die Mienen. „Das machen wir nicht mit!“ – „Hä? Ihr geht also gleich gar nicht rein?“ – „Natürlich nicht! Wir haben uns dreimal impfen lassen, aber das muss jetzt genügen. Der Test verletzt unsere körperliche Grenze.“ Was soll man sagen? Muss ja jede:r selbst wissen, aber ich denke, dass die Schaubuden-Entscheidung zur Sicherheit aller beiträgt. Davon ab finde ich es hart strange, dass man nach zwei Jahren Konzertflaute eine Veranstaltung nur wegen eines kurzen Tests sausen lässt, obwohl man schon vor der Tür steht.

 

Die Bude ist bereits sehr gut gefüllt, als PESTRITE loslegen. Gleich fällt der sehr gute Sound auf. Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch gar nichts von der neuen Budenanlage, freue mich aber über den differenzierten Mix, in dem man die beiden Gitarren klar voneinander unterscheiden kann. Die Kieler Black Metal Band bietet genretypische Raserei, baut aber auch viele Breaks und atmosphärische Wechsel ein. Zur groben Orientierung seien DISSECTION, UNANIMATED, WATAIN oder NECROPHOBIC genannt. Nicht alle Ideen zünden auf Anhieb, aber es gibt diverse mitreißende Passagen und Aufhorchmomente. Bei einem Song kommt zum Beispiel ein unerwarteter Break, das Schlagzeug setzt aus, die linke Gitarre beginnt mit einem fragilen, fast schon ENSLAVED-artigem Riff, welches die rechte Klampfe wenig später aufgreift und variiert, bevor die Drums wieder einsetzen. Der Hit von PESTRITE ist der letzte Song (ich glaube, er nennt sich „Saviour“), der mit herrlichen DISSECTION-Vibes aufwartet. Auch hier überzeugen die beiden Gitarristen mit gut gespielten Riffs und Leads. Man darf gespannt sein, was von PESTRITE in Zukunft noch so kommt.

 

Boah, ist das schön, so viele lange nicht gesehene Leute wiederzutreffen! Ein Aspekt, den ich auch vermisst hatte, ist das Aufgreifen von Konzerterlebnissen aus der jüngeren Vergangenheit. Es ist ja eine Sache, sich diesbezüglich via Internet auszutauschen, aber das bleibt häufig doch oberflächlich. So treffe ich heute zwei Leute, die auch letzten Samstag auf der MS Stubnitz beim INTO THE CRYPT AT QUAYSIDE DEATH STRIKE Festival waren und sabbele über den Verlauf dieses grandiosen Tages.

 

Mit den ebenfalls norddeutschen RECKLESS SURMA (Schleswig und Flensburg) geht es in Death-Metal-Gefilde. Als Pluspunkt empfinde ich vorweg schon mal den grunzenden Drummer, bin ich doch großer Freund dieser Kombination (Schuld sind daran wohl vor allem EXCITER und AUTOPSY). Der Kerl hat auch ein angemessen fleischiges Organ und knüppelt herrlich rein. Zu den Ansagen steht er gern mal auf und feiert den Anlass: „Endlich wieder Konzerte! Endlich wieder Metal! Endlich wieder Saufen!“ Gut, letzteres war im Grunde auch unter strengsten Lockdown-Bedingungen möglich, aber gemeint ist wohl die Kombination. Aus der mittlerweile sehr gut gefüllten Bude bekommen RECKLESS SURMA ordentlich Zuspruch, in allen Ecken fliegt das Haupthaar. Stilistisch kann man die Band nicht eindeutig auf ein Death Metal Subgenre festnageln, es gibt zwar oldschoolige Elemente, aber auch modernere Einflüsse. Gleichzeitig handelt es sich nicht um Tech Death, zu den meisten Tracks kannste gut durchbangen. Gut!

 

EXTINCT präsentieren sich in guter Verfassung, fast möchte ich sagen: in Bestform! Das anfängliche Energielevel ist jedenfalls beachtlich. Mit voranschreitender Dauer wird dieses Level nicht ganz gehalten, was vielleicht auch daran liegt, dass Helge verdammt lange Ansagen macht. Gleichzeitig stehe ich auf sein Gelaber und amüsiere mich prächtig. Der alte Recke lobt das Merch der anderen Bands („Guckt mal das RECKLESS-SURMA-Shirt, was ich anhabe! Ich fühle mich voll schön!“), weist auf regionale Sportereignisse hin („Holstein-Kiiiiiiel. O-ho-ho-hooo!“) oder reflektiert die eigene Bandgeschichte („Mit dem nächsten Song covern wir uns quasi selber. Denn den hat keiner von uns jemals mitgeschrieben!“). Ernster wird es allerdings auch, wenn Helge zum Beispiel zu „Downward Spiral“ davon berichtet, welche mentalen Probleme ihm die Corona-Zeit bereitet hat. „Der Helge issen ehrlicher Typ!“, urteilt Häuptling neben mir und der ist bekanntlich ein Menschenkenner. Bei Tracks wie dem bereits genannten „Downward Spiral“ oder auch „Spongo“ brennen EXTINCT ein Thrash-Feuerwerk ab. Rasantes Schlagzeug, peitschende Riffs und aggressiver Gesang – da sind na logo alle Fäuste oben!

 

Ein rundum gelungenes Warm-Up! Da darf man sich schon auf das eigentliche MOSH IM MAI freuen, welches am 29. und 30. April (ja, zwei Tage!) in der Räucherei stattfinden wird. Kommt bloß längs! Hier dazu mehr Infos.

Kommentare   

+3 #1 Hackl 2022-04-11 18:19
Extinct hatte ich letzten Herbst in Husum im Speicher gesehen, war auch sehr begeistert!
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