RAGE, IRON SAVIOR, TRI STATE CORNER / 26.11.2021 – Hanerau-Hademarschen, Hademarscher Hof

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Corona ist ‘ne miese Pest, da mag ich auch nichts davon hören, dass es auch positive Seiten gebe wie die vielbeschworene „Entschleunigung“. Ich möchte nicht „entschleunigt“ werden, ich brauche KONZERTE, verdammt! Einen Umstand fand ich allerdings auch vor dieser Plage nervig: Das Überangebot an Veranstaltungen. Heute bekommen Nordlichter einen Vorgeschmack darauf, wie es wohl kommen wird, wenn die Scheiße endlich mal überstanden ist. Gleich drei Shows finden heute statt, auf die ich liebend gerne jeweils gehen würde: DEAD LORD und LUCIFER in der Kieler Räucherei, das DEFENDERS OF THE FAITH-Fest mit KNIFE, BÜTCHER, THE NIGHT ETERNAL und KARLOFF im Hamburger Bambi und das Ding, über das ihr jetzt gerade mein Review lest. Wie wird das erst, wenn internationales Touring wieder möglich ist?

 

RAGE

Bilder von MJ

                                                                                                       

Der Hademarscher Hof ist ‘ne herrliche Location, dieses Fazit können wir nach zwei Besuchen für uns ziehen. Ein gemütlicher Landgasthof, dessen Saal irgendein Freak genial restauriert und mit amtlicher Technik vollgeknallt hat. Die Preise sind korrekt, man kann zwischen verschiedenen Biersorten wählen und für den großen Durst gibt’s sogar eine Art Biersäule zum Mitnehmen. Sowohl GRAVE DIGGER neulich als auch RAGE heute werden sehr gut angenommen, der Saal ist voll, die Stimmung super. Aufm Klo ruft jemand in die Runde: „Ey, wo kommt ihr eigentlich alle her?“ – „Kiel“, „Hamburch“, „Bremen“, „Flensburg“ antwortet es aus verschiedenen Ecken. „Mensch, bin ich der einzige, der von hier wech kommt? Ich wohne eine Straße weiter.“

 

TRI STATE CORNERTRI STATE CORNER

 

Als TRI STATE CORNER loslegen, denke ich gleich, dass mir zwei der Nasen auf der Bühne bekannt vorkommen. Ein Eingeweihter klärt auf, dass es sich beim Sänger um RAGE-Schlagzeuger Vassilios ‚Lucky‘ Maniatopoulos handele. Interessanterweise sitzt am Schlagzeug wiederum Ex-RAGE-Drummer Christos Efthimiadis. Bleibt alles in der (erweiterten) Familie hier! Wer nun denkt, dass die Band musikalisch an RAGE erinnert, liegt falsch. TRI STATE CORNER bezeichnen sich selbst als Bouzouki Rock Band. Eine Bouzouki, eine Langhalslaute mit birnenförmigem Korpus, kennt man sonst eher aus griechischer Folklore. Hier trifft sie auf (Hard)Rock und Heavy Metal, was eine originelle und atmosphärische Mischung ergibt. Lucky hat eine Hammerstimme, das konnte man bei den Backingvocals auf RAGE-Konzerten bisher nur erahnen. Mich erinnert sie etwas an Devon Graves/Buddy Lackey von PSYCHOTIC WALTZ, wenn dieser etwas tiefer singt. Man könnte TRI STATE CORNER durchaus als progressiv bezeichnen, allerdings nicht in einem übermäßig vertrackten Sinn, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie sehr eigenständig klingen. Dabei gehen die Songs gut ins Ohr, mir bleiben „Stereotype“ oder „Schemer“ angenehm in der Birne. Seltsam nur, dass der Bass vom Band kommt, aber trotzdem ein guter Auftritt von einer Band, die ich im Auge behalten werde.

 

IRON SAVIORIRON SAVIOR

 

IRON SAVIOR donnern natürlich klassischen Heavy Metal mit typisch hanseatischer Note in die Hütte. Piet Sielck und Jan-Sören Eckert (b) spielen sich bei den Ansagen die Bälle zu (Jan: „Merkt ihr, dass der Chef immer zu mir guckt, wenn er Scheiße baut?“), was der Sache die nötige Lockerheit bringt. Wir sind ja hier nicht auf ‘ner Physik-Vorlesung. Locker nimmt es die Band auch, dass „Kill Or Get Killed“ zweimal abgebrochen werden muss. Offenbar hat man den Song kürzlich umarrangiert, was aber zu Konfusion auf der Bühne führt – kurzerhand kehrt man zur alten Version zurück und im dritten Anlauf klappt’s. Der pure Heavy Metal von Songs wie „Way Of The Blade“, „Hall Of The Heroes“, „Starlight“, „Heavy Metal Dies“ oder „Atlantis“ sorgt für Fistbanging im Hademarscher Hof. Ich nehme mir mal wieder vor, meine überschaubare IRON-SAVIOR-Kollektion aufzustocken. Perfekt zum Stil der Band passt das PRIEST-Cover „Breaking The Law“, welches gegen Ende gespielt wird und nach anhaltendem Jubel um ‘ne Zugabe („Gunsmoke“) ergänzt wird.

 

RAGERAGE

 

Für mich persönlich sind RAGE eine wichtige Band, die mich den größten Teil meines Lebens begleitet hat. In Kiel gründeten wir in den Achtzigern den Heavy Metal Fanclub „South Cross Union“, benannt natürlich nach einem Titel des AVENGER-Debuts, also quasi der ersten RAGE-Scheibe. Viele RAGE-Auftritte gehen als Highlights meiner Konzert-Vita durch, z.B. die legendäre Tour mit SABBAT und RISK (der „Deadly Speed Convoi“ machte damals auch in der Kieler Traumfabrik Halt), das Ding mit GAMMA RAY, HELICON und CONCEPTION im Hamburger Docks („Power Of Metal“-Tour/Sampler) oder nicht zuletzt RAGE meets REFUGE auf dem HEADBANGERS OPEN AIR 2016. Die fette Diskografie verdient Respekt und bietet deutlich mehr Höhen als Tiefen: Ich stehe vor allem auf die Frühphase, aber auch die „Black In Mind“/“End Of All Days“-Besetzung hat hervorragende Songs erschaffen und mit „Wings Of Rage“ haben RAGE ein weiteres Monster kreiert. Auf die aktuelle Scheibe „Resurrection Day“ warte ich seit Monaten, leider habe sie zusammen mit irgendeiner Platte bestellt, die gerade wie viele andere verzögert erscheint. Ich nehme alle meine Willenskraft zusammen und ernte das am Merch stehende Exemplar nicht ab, obwohl es mich verführerisch anlächelt…

Nun haben Peavy und Lucky also wieder zwei Gitarristen an Bord – ich bin gespannt! Jean Bormann und Stefan Weber heißen die beiden und vom ersten Song an geben beide ordentlich Gas, flitzen über die Bühne und betreiben Headbanging. Leider ist der Sound zu Beginn des Konzerts schwach – Gesang und Gitarren sind kaum zu hören. Das scheint auch für die Bühne zu gelten, denn Peavys Gesten in Richtung Mischer sind eindeutig. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn immer alles reibungslos funktioniert. Rock’n’Roll muss unberechenbar sein. Wichtig finde ich in solchen Situationen, dass Musiker:innen und Soundmenschen das nicht einfach egal ist, sondern am Problem gearbeitet wird. Das ist heute klar der Fall. Schritt für Schritt schält sich Peavys unnachahmliche Stimme aus dem Mix, langsam gewinnen auch die Gitarren an Präsenz. Es dauert zwar ungefähr eine halbe Stunde, aber dann sitzt der Klang und das wirkt sich auf die anfänglich zurückhaltende Stimmung aus, die dann steigt, bis sie regelrecht überschäumt. Mit dem mir noch unbekannten „Resurrection Day“ geht’s los, gefolgt vom „Wings Of Rage“-Knaller „Let Them Rest in Peace“. Die beiden Gitarristen ergänzen sich gut, Jean singt/schreit immer wieder Background und zusätzliche Parts und feuert das Publikum unermüdlich an. Bei derart vielen Alben in der Hinterhand muss es schwierig sein, die optimale Setlist zusammenzustellen, denn irgendwer wird immer meckern, dass der und der Lieblingssong gefehlt habe. Ich bin zufrieden, denn mit „Shadow Out Of Time“, „End Of All Days“, „Back In Time“, „Black In Mind“, “Straight To Hell”, “Chasing The Twilight Zone” oder “”From The Cradle To The Grave” sind zahlreiche meiner Faves dabei. Mein Lieblingsmoment: Die Meute skandiert begeistert “Peavy! Peavy! Peavy!” und der Mann mit den prähistorischen „Hühnerknochen“ am Revers lächelt und formt mit beiden Händen ein Herz. Zum Schluss kommen die wohl größten Hits, „Don’t Fear The Winter“ und „Higher Than The Sky“ und wer bisher noch nicht mitgeschmettert hat, wird spätestens jetzt aktiviert.

 

RAGE

Letztes Bild geklaut von der RAGE-Fb-Seite: https://www.facebook.com/RageOfficialBand

RAGE

 

Yeah, viele Bekannte getroffen und einen herrlichen Abend verlebt! Wir beschließen: Wir kommen wieder!

 

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