HAMMERHEAD / 05. & 06.04.2013 - Karlsruhe, Alte Hackerei & Bern, Hirscheneck

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Bereits einige Tage vor dem Roadtrip bemühte man sich, eine Torte mit Hammerhead–Grafik zu organisieren. Als Dankeschön für die unzähligen Konzerte, die man mit der Band erleben durfte. Ein paar ultraschicke Grafiken hatte ich ja zur Hand und so galt es nur noch einen fähigen Konditormeister zu finden. Waren die KonditorenInnen am Telefon noch zuversichtlich und überdurchschnittlich freundlich, so verflog diese löbliche Eigenschaft beim Betrachten der Grafiken. Stattdessen gab es skeptische Blicke, fragende Gestik und Mimik–Spiele und stets dieselbe Antwort: „Mit solch einer Grafik könne man nicht arbeiten!“ Völlig entkräftet von dieser Tortur, beschloss man, die Torte selbst zu backen. Die Biskotten wurden in 80er Stroh Rum getaucht, die Mascarpone aus dem Italo-Becher gekratzt und die Eier in Handarbeit geöffnet und das Eigelb beigemengt. Mit dem Skalpell der Schriftzug ausgeschnitten und liebevoll in die Masse gedrückt. Mit Kakao aus menschenunwürdigen Gegenden versehen und fertig war die DIY–Hammerhead–Tiramisu. Eine Palette Dosenbier noch organisiert, Kumpel eingepackt und auf dem Vordersitz verstaut und ab ging’s.

Hammerhead


Bericht von HammerheadPhil, Fotos von Marc Gärtner

Die Fahrt verlief erstaunlich angenehm und der Zielort Karlsruhe lag vor uns. Es gab an diesem Abend eine Kirmes mit Riesenrad und vielen bunten Lichtern, auch bunten Menschen, doch besonders helle schienen die auf den ersten Blick so gar nicht. Darum verriegelten wir die Türen und begossen den ersten Etappen-Stop mit dem mitgebrachten Dosenbier. Es lief Musik von Josef Amadeos Bach und seine Symphonie Stahlgewitter. Schnell wurde gewechselt  und so hörten wir nun selbstgebrannte Musik. Terrorizer, Simbiose, Extreme Noise Terror, Blondie und bereiteten uns voller Vorfreude auf den Konzertabend vor.

Herzlich begrüßt von Daniel, Osche, Ron und Norbert führte man erstmals freudig erregten Smalltalk. Marc, der Non-Profit-Fotograf, war das Wochenende auch dabei, was mich persönlich freute. Am Hammerhead-Stand quartierte man sich ein und bestaunte die super tollen Buttons, die Norbert in „nachtschichtlicher“ Eigenregie selbst fabrizierte. Mit Titeln wie „Altern in Unwürde“ war der Geschmack der Umstehenden getroffen und es galt die Merchendise-Maschinerie auf Linie zu bringen. Alle Shirts waren binnen kürzester Zeit vergriffen. Das Gladbeck-Shirt wurde zu Wucherpreisen im zweistelligen Bereich verscheuert und die kaufkräftige Hardcore-Mittelschicht mit abartig hässlichen New Balance Turnschuhen war schlichtweg begeistert! Endlich hatte man ein Shirt, welches von den Schuhen ablenkt!


Flyer


EMPOWERMENT betraten die Bühne... keine Ahnung, wie die waren ... bestimmt toll... das meinte auch mein Pisuar-Nachbar... gefragt hab ich nicht...

HAMMERHEAD betraten die Bühne. Osche baute sich hinter seinem Schlagzeug auf! Ron und Daniel drehten an Knöpfen, die zu ihren Topteilen gehörten, Norbert alias Headbeart justierte den Mikrofonständer und Tobias war nicht da, aber dort drüben und machte sich bereit. Dann ging alles ganz schnell... „Wir sind Hammerhead und das erste Lied heißt 'Handgranate!'“ Hässliche New Balance tragende Hardcoretypen setzten sich in Bewegung. Ich auch! Gänsehaut machte sich auf meinen Unterarmen breit, wie ich es nur von Auftritten von den Spice Girls kannte. Die ersten paar Songs waren schwer zu erkennen, da ein paar heftige Patzer drinnen waren oder wurden die Songs kurzer Hand umarrangiert? Ein paar Free-Jazzkomponenten glaubt Fabs herausgehört zu haben. Der Gute muss es ja wissen, bastelt er doch seit Monaten an seiner Elektro-Karriere! Die Stimmung war ausgelassen! Angetrunkene Punkvagabunden tummelten sich im Publikum und ein paar Stagedives später befand ich mich selbst, getragen von feisten und weniger feisten Hardcore-Punkern, über deren Köpfen. Ein paar verirrte Hände tasteten an meinem Gemächt, in diesem Moment fand ich das erfrischend erregend, zumal ich ja nicht wusste, wer mich da berührt. Norbert schredderte mit seiner Gitarre gewohnt lässig den Mikro-Ständer entlang und Tobias machte schlagfertige Ansagen, die ich leider akustisch nicht verstand. „Act“ war ein Favorit in der gut abgestimmten Setliste, die nur wenig Platz für Kritik ließ. Besonders schön fand ich, als Osches Tochter am Ende mit einem Stick die Becken bearbeitete und den Papa tatkräftig unterstütze.


Hammerhead                     Hammerhead


Ein paar Biere und Cognac-Gläser später torkelte ich immer wieder zum DJ und wünschte mir immer dieselben Lieder. Begeistert von so viel Sturheit spielte selbiger die Songs immer und immer wieder. Osche war noch da, lallend wandte ich mich zu ihm und erkundigte mich nach dem Verbleib seiner Bandkollegen. Als klar war, dass Osche bei uns im Bus schlafen möchte, fragte ich ihn wiederholt, ob er das ernsthaft möchte? Nach ein paar Minuten gab ich es auf und begab mich nach draußen! Man kam zu zweit, torkelte zu dritt Richtung Bus und ließ den Abend ausklingen, wie er begann.


Nächster Tag...               


Morgens, halb zehn in Deutschland! Osche liegt neben mir, Fabs schläft auf dem Beifahrersitz. Hilfesuchend verlangt mein Körper nach Wasser und nach einer Kopfschmerztablette! Osche nützt die Gelegenheit und tankt neue Kraft mit Bier! Fabs fand gefallen an dieser Rehabilitationsmaßnahme und trank mit. Hier säuft keiner allein, nur ich Wasser. Ein paar Anrufe später befanden wir uns in unmittelbarer Nähe „Der Hackerei“ und warteten auf die restliche Band, damit Osche umsteigen konnte. Feierlich wurde die DIY-Hammerhead-Tiramisu überreicht. Plötzlich ein Anflug von Euphorie und Freude. Tobias will ein Foto, ich soll auch drauf!


HammerheadPhil


Am Autobahnparkplatz zum Rudolf-Hess-Gedenk-Burger-King trifft man sich schließlich wieder und verzehrt politisch unkorrekte Pferdefleisch-Burger mit Käse. Lecker! Mit Maschinenpistolen bewaffnete Grenzpolizisten weisen uns den Weg und lassen uns gewähren.

In Basel scheint sich ein Trend den Weg in die bereite Jugendbewegung gebahnt zu haben. Schildkappen-Träger, die merkwürdigerweise die Kappe nur dezent anliegend tragen. Parkplätze gibt es in der Regel keine. Glücklicherweise gibt es jedoch einen Ansprechpartner vor Ort, der uns gleich den Weg ans Rhein-Ufer zeigt, an welchem wir gratis parken konnten. Sympathisch die Schweizer! Das Hirscheck ist ein richtig cooler Laden, aber dann doch eher ein Restaurant als Club, wenigstens auf den ersten und zweiten Blick. Erst das Kellergewölbe lässt erahnen, wo hier die Musikkappelen des heutigen Abends musizieren werden. Das Bier will nicht so richtig schmecken und so schlürfe ich am Dosenbier wie das Kitz an der mütterlichen Zitze.

Der Versuch, sich die Bands des heutigen Abends anzusehen, fällt flach und so spielt man vor der Gaststätte mit dem Iron-City-Plan, was bei den Umstehenden für große Desintresse sorgt. Auch die Ortsansässigen sind von soviel Innovation schlicht weg verblüfft und man nimmt sich Zeit für diese ausgeklügelte Spielerei.

Nach EMPOWERMENT bewegen wir uns leicht angetrunken Richtung Bühne. Wie die Bands im Vorprogramm waren, keine Ahnung, wir haben sie nicht gesehen. Die Iron-City-Mape war schlicht und ergreifend zu interessant.


Hammerhead       Hammerhead


Dejavuartig begannen HAMMERHEAD wie Tags zuvor mit der Ansage, „das erste Lied heißt 'Handgranate'“! Schwer gezeichnet vom Tag zuvor knüppelte sich Osche den Jägermeister aus allen Poren. Der Sound war erstaunlich gut abgemischt, wenigstens vor der Bühne - auf der Bühne war dies nicht der Fall, wie wir wenig später erfuhren. Norbert rastete vollkommen aus, was mich zu Wippbewegungen unnatürlicher Art motivierte. Daniel und Ron spielten sich in einen deliriumartigen Rausch und trugen dazu bei, dass man beim Schließen der Augen in einen tranceähnlichen Zustand verfiel. Tobias kämpfte sich heute durch das Liedgut und wurde von einem volltrunkenen Besucher immer wieder mit alkoholischen Getränken begossen. Nach ein paar Songs schien er die Schnauze voll zu haben und drohte mit dem Herabsteigen von Bühne mit dem Apell, er würde den nächsten Werfenden übelst zusammenschlagen! Die Drohung zeigte die erwünschte Wirkung mit dem Nebeneffekt, dass nun der gesamte Mob still stand. Ich fand’s klasse. Tobias schien so wutentbrannt zu sein, dass er nun förmlich die Songs auskotzte. Von da an nahm das musikalische Schaffen eine Eigendynamik an, die mir ein breites Lächeln aufs Gesicht zauberte. Zum Abschluss verlangte Norbert vehement den Song Frühlingsgefühle, welcher für einen runden Abschluss des Abends sorgte. Hammerhart.


Hammerhead


Danach gab es noch ein paar Bierchen.

Danke nochmals an Ron & Osche, dass wir im Hirscheck schlafen durften!

Am nächsten Tag bekamen wir noch ein tolles Frühstück, da wir auf die Frage, ob wir von der Band seien mit einem unklaren „JA?!“ antworteten.

Ein dickes Dankeschön an HAMMERHEAD, dass Sie sich den Scheiß auch als Mitt-Vierziger noch antun!

Und die nicht gestellte Frage, wer denn nun mein Lieblings-Hammerhead-Musiker sei? Hier die Antwort: Daniel, Tobias, Ron, Osche und Norbert!

In diesem Sinne bis bald!

Euer Hammerheadphil

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