TROUBLE, SAHG / 13.04.08 - Hamburg, Marx

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Momentan kann man ja echt nich’ meckern – zumindest was Konzerte angeht. Vom derbsten Gebolze über rockige und punkige Töne bis hin zu lavazähen Fluten. Abwechslung (und Spaß!) sind immer garantiert.
TROUBLE kommen mir da als weiteres Highlight gerade recht. Ein klassisches geradezu. Wat bin ich froh, dass es doch noch mit einer Mitfahrgelegenheit klappt und ich endlich die Gelegenheit bekomme eine Szeneikone zu sehen, die nicht nur mir Gänsehautmomente verpasste.

Ein bisschen skeptisch bin ich ja schon, denn einige Berichte der letzten Tour sprachen von zwar guten Auftritten, aber auch von alkoholbedingten Aussetzern, besonders des Sängers. Dabei ist doch Eric Wagner ein absolutes Aushängeschild und mit irgendwelchen halbgaren Leistungen will ich mich bei ihm ungern zufrieden geben. Let’s wait and see …

… at first: SAHG. Komischer Bandname, keiner weiß so recht, wie man ihn ausspricht. Die Jungs sind Norweger, das’ ma’ sicher. Und dass sie letztes Jahr im Zelt in Wacken spielten weiß auch ein jeder – nur gesehen hat sie keiner (naja – fast). Umso gespannter bin ich. Erste Höreindrücke klangen viel versprechend. SAHG legen auch gleich ordentlich los. Nach und nach wird der Sound differenzierter und Black Sabbath kommen durch. Hier mit zweistimmigen Gitarren. Die Spiritual Beggars lassen grüßen. Sehr geil! Der Sänger tönt mit seiner hellen Stimme dazu auch noch etwas Ozzy-like. Dat hat richtich Art. Die coolen Gitarrenleads sind immer wieder ein Hinhörer. Allgemein fällt die gute Gitarrenarbeit auf. Besonders auch die Solis. Die sind wirklich fantastisch. Das Zeug geht nie im Gedudel unter, sondern kommt immer auf den Punkt. Dazu posen die Jungs, als stünden sie vor hunderten Freaks auf `ner großen Bühne. Wirkt manchmal ein bisschen überzogen, aber nicht unsympathisch, denn die Norweger scheinen nette Typen zu sein. Zwei Scheiben haben SAHG draußen, und von beiden wird schön was rausgehauen. Immer schön rockig, mal was schneller und ab und an was langsamer. Mag jetzt vielleicht nicht soo aufregend klingen, aber SAHG verstehen ihr Handwerk und haben ein äußerst erfrischendes Moment. SAHG sind der perfekte Opener für …

… TROUBLE! Obwohl die letzten Platten der Chicago-Doomster nicht unbedingt hämmern, so ist doch die erneute Live – Präsenz äußerst erfreulich. Bei der vorigen Tour (gar nicht lange her) musste ich noch passen. Dafür bin ich heute umso heißer auf diesen Gig. Meine oben genannten Bedenken werden zum Glück gleich zu Beginn in Nichts aufgelöst, denn Wagner zeigt sich gelöst und locker, ohne dunkle Sonnenbrille, aber dafür mit wieder gewachsener Lockenpracht. Häufig vorne am Bühnenrand präsentiert sich der Meister seinen Gläubigern. Die hängen an seinen Lippen und singen besonders die Song der „Manic Frustration“ – Pladde lauthals mit. „`Scuse Me“, „Mr White“ und „Strawberry Skies“ sind auch einfach geile Songs. Und dann: „The Skull“ – der erste richtige Klassiker heute Abend. Schwerfällig und destruktiv – und unverkennbar! „The Wickedness Of Man“ gleich hinterher. Aahhh! Ich muss schon sagen: das tut verdammt gut! Der Sound ist mittlerweile richtig geil und gerade dieser typische TROUBLE – Gitarrensound fegt alles weg. Genial! Das lässt mich irgendwie an die Anekdote aus den Achtzigern denken, in der Metallica eine Rolle spielen. Demnach schlichen James und Kirk bei `nem Trouble-Konzert auf die Bühne, um zu gucken, wie die Verstärker von Rick Wartell und Bruce Franklin eingestellt sind…
Die Künste der beiden Troubleheads können dann auch gleich noch mal so richtig begutachtet werden. „Goin’ Home“ wird um ein Gitarrenduell sondergleichen erweitert. Wartell & Franklin schütteln  sich – einander abwechselnd – ein geiles Solo nach dem anderem aus dem Ärmel. Und auch hier wieder kein sinnloses Griffbrettgewichse, sondern rhythmusbasiertes Saitenhandwerk der Extraklasse. Ergreifend und saucool! Das gibt `ne staatliche „Psychotic Reaction“! „Psalm 9“ wird verkündet und neuere Songs kommen hinzu. Den krönenden Abschluss aber bilden „The Tempter“ und „Bastards Will Pay“ – von vielen gefordert und schließlich erhört. Einfach nur göttlich! Das Marx steht Kopf! TROUBLE lassen sich daraufhin zu einer weiteren Zugabe hinreißen und erteilen uns Sündern Vergebung („All Is Forgiven“). Nach DEN beiden grandiosen Stücken zuvor, wirkt dieser etwas, naja – unpassend. Wie’n Rausschmeißer eben …
Aber ich muss ja auch früh raus …

Torsten

Jaah, schön, dass Doomhead Torsten so fix war, denn ich hatte noch nix geschrieben und kann mich ihm weitestgehend nur anschließen.
Für mich sind TROUBLE eine Legende, bei der ich mich noch wirklich an den musikalischen Erstkontakt kristallklar erinnern kann: Wir saßen so 1985 bei Siggi Schröder (Siggi Sick von den heutigen SEXX ACTION BABES, he he) in der Bude und zerlegten mal wieder Sigis Einrichtung, als eben TROUBLEs „The Tempter“ in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Boxen donnerte. Das war so geil, dass wir sogar augenblicklich damit aufhörten, Schrankteile aus dem Fenster zu werfen (war damals so’n Hobby bei uns: "Spießer" mit Schränken zu bewerfen… na ja… Teenager…) und vor lauter Headbangen alles vergaßen. Die ersten beiden TROUBLE-Scheiben sind für mich immer noch die Essenz der Band, obwohl spätere Platten natürlich auch noch gut sind, aber eben nicht mehr so heavy, verzweifelt und anklagend, sondern mit leichten Beatles/Hippie-Einflüssen verwässert. Trotzdem live immer wieder unglaublich, die Gitarrenarbeit war auch dieses Mal sooo krass und das Doppel „The Tempter“/"Bastards Will Pay“ klang NOCH krasser als 1985…

Philipp

Kommentare   

0 #2 Philipp 2021-08-23 13:45
REST IN MEMORY'S GARDEN, ERIC WAGNER!
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0 #1 Philipp Wolter 2008-04-15 21:22
Wer nicht da war, hat wohl erstmal Pech:
'Ex-TROUBLE-Frontmann Eric Wagner hat sich wie folgt zu der Trennung von der Band geäußert: 'Es tut mir ehrlich Leid, dass TROUBLE und meine Wenigkeit ab sofort getrennte Wege gehen. Ich liebe die Band und wünsche ihnen nur das Beste für die Zukunft. Momentan verkrafte ich das Touren einfach nicht mehr.' Wagner konzentriert sich fortan auf sein neues Projekt BLACK FINGER. Ersatz hat sein alter Arbeitgeber jedoch schon gefunden; Kory Clarke von WARRIOR SOUL darf ab sofort bei den Doomköpfen das Mikro verwöhnen.' Quelle: Rockhard.de vom 5.5.08
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