Joey Keithley – „Ich, Shithead. Mein Leben als Punk“

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Joey Keithley – „Ich, Shithead. Mein Leben als Punk“

(Iron Pages Books)

 

Ich, Shithead. Mein Leben als Punk

 

 

Bei dem letzten Gastspiel von D.O.A. in Kiel hab ich mir Joey Shitheads Bio gegönnt und jetzt endlich mal verschlungen.

 

Bei aller Sympathie für den guten Tommy Molotow muss zunächst gesagt werden, dass die Übersetzung echt mal grottenmies ist. Das lässt sich bereits an der Übertragung des Originaluntertitels „A Life in Punk“ in „Mein Leben als Punk“ erahnen… Molotow übersetzt diverse Begriffe nicht in ihrer übertragenen Bedeutung, nimmt sie vielmehr oft wörtlich („bloody“ = „blutig“) und versemmelt so manchen auf Wortspielen basierenden Spruch.

 

Aber das kann dennoch nichts daran ändern, dass die Lektüre einen Riesenspaß bereitet. Joe Keithley berichtet sehr humorvoll über die Geschichte von D.O.A. und wie er und seine Kumpels irgendwie den Hardcore/Punk erfunden haben. Das wird zum Glück nie peinlich oder gar prollig, eher untertreibt der Kanadier oder amüsiert sich selbst bei der Erinnerung über die unzähligen Pleiten, zusammenbrechenden Busse oder haarsträubenden Chaos-Situationen auf der Straße. Immer wieder wird deutlich, dass für Mr. Keithley Punk nicht bloß Lärm und Saufen ist, „talk minus action = zero“ halt. Beeindruckend, wie D.O.A. ihr Ding mit der Brechstange durchgezogen haben - jahre-, nein jahrzehntelang auf D.I.Y.-Level... Für uns deutsche Leser sind natürlich besonders Passagen interessant, in denen von Europa-Touren erzählt wird, so ist Shithead völlig begeistert von der Squatter-Szene und erklärt den Leser_Innen erst mal, wie das so abgeht in besetzten Häusern in Europa…

 

Das Buch ist zudem vollgestopft mit kultigen Fotos und Flyern – da hat einer eifrig archiviert!

 

Wer das Ding noch nicht kennt, sollte zuschlagen, eigentlich handelt es sich um Hardcore-Pflichtlektüre.

 

 

 

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Andreas Eschbach - Der letzte seiner Art

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Von Andreas Eschbach gibt es ja schon ein paar legendaere Werke wie "Eine Billion Dollar" und das "Jesus-Video" (vergesst die Pro 7-Verfilmung, die ist Schrott, das Buch aber lesenswert! So griff ich natuerlich erfreut zu, als ich sein neues Werk "Der letzte seiner Art" in die Griffel bekam!

In dem Buch geht es um einen US-Veteran, der zurueckgezogen in Irland lebt. Schnell wird klar, dass er Teil eines illegalen Experiments der US-Armee war, um Menschen technischen Schnick-Schnack einzubauen, sie damit quasi unbesiegbar zu machen und so eine Super-Eliteeinheit zu schaffen. Soweit also ein altbekanntes und beliebtes Motiv, dass wir seit dem "6-Millionen-Dollar-Mann" (auf den dann auch kraeftig Bezug genommen wird) kennen und schaetzen. Das Leben des Ex-GI wird durcheinandergewirbelt, als ploetzlich merkwuerdige Gestalten in seinem Heimatdorf auftauchen, die nach ihm suchen. Schliesslich geschehen mehrere mysterioese Morde und eine Frau verschwindet. Der GI findet sich in einem Sumpf aus US-Militaers und IRA-Symphatisanten wieder.

Das Buch ist definitiv spannend zu lesen und kann schnell verschnabuliert werden- ein spannender Thriller im bewaehrt flotter Eschbach-Schreibe. Aber was Eschbach eigentlich auszeichnet-naemlich geniale Ideen und reichlich ueberraschende Wendungen-vermisst man in diesem Werk schmerzlich. Zu durchschaubar ist der Plot, zu schnell ahnt man, was Sache ist. Zudem sind einige Sachen schlichtweg nicht nachvollziehbar und wirken wenig durchdacht.

Fazit: Gute Durchschnitts-Thrillerware mit SciFi-Anteil und Anti-Bush (senior)-Elementen, Eschbach ist damit aber weit unter seinen Moeglichkeiten geblieben.


---Punkte: 6
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Felix Kreutzmann Skadenklinge - Das letzte Berserkerschwert

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Felix Kreutzmann, "Skadenklinge - Das letzte Berserkerschwert" (Books On Demand)

Ein Roman aus der Feder eines Kieler Autoren, welcher der Dremu-Gemeinde nicht unbekannt sein dürfte: Felix Kreutzmann aka „Ragnar“ legt mit „Skadenklinge“ sein Debut vor!

Da ist natürlich eine knallharte Rezi geradezu Pflicht…

Wie man bereits unschwer am Titel erkennt, hat sich der hoffnungsvolle Nachwuchsautor Kreutzmann mit „Skadenklinge - Das letzte Berserkerschwert" dem Fantasy-Genre gewidmet, also einer Stilrichtung, die vom schrecklichsten Kitsch und stümperhaften Geschreibsel bis hin zu Klassikern reicht. Von daher war es spannend, wo Kreutzmann sich qualitativ einordnet…



Was bietet „Skadenklinge“ also inhaltlich? Nun, da wären folgende Elemente:

- ein mystisches Schwert, welches dem Träger übermenschliche Fähigkeiten verleiht,

- ein „Held“, der eher ungewollt in sein Abenteuer stolpert,

- nordische (fiktive) Mythologie und Schauplätze,

- ein finsterer und scheinbar unbezwingbarer Gegner,

- eine unglücklich verlaufende Liebesgeschichte,

- eine unheilvolle Prophezeiung,

- Blut, Tod & Wahnsinn…



Alle diese Elemente sind natürlich nichts Neues, erinnern mehr oder weniger deutlich an Michael Moorcock (bes. „Elric von Melniboné“), Karl Edward Wagner, Tolkien, Frans G. Bengtsson oder Jean-Louis Fetjaine. Aber „Skadenklinge“ ist dennoch kein fader Abklatsch, sondern flott geschrieben und durchaus spannend zu lesen. Felix Kreutzmann besitzt genug Humor, um das Ganze selbstironisch zu präsentieren und nicht etwa in Pathos zu versinken. Dabei tauchen auf dem Weg des Antihelden Ragnars (he he) von der Entdeckung des Schwertes bis hin zur unvermeidlichen Schlacht immer wieder Überraschungen auf.

Sprachlich ist „Skadenklinge“ bewusst an altnordische Texte angelehnt, wird daher mit einem Zitat aus der „Edda“ eingeleitet. Dieser Stil wird insgesamt gekonnt und sicher gehandhabt. Etwas nervig finde ich allerdings den häufigen Einsatz des auktorialen Erzählers, der den LeserInnen das Geschehen mit ständigen Kommentaren und Vorausdeutungen darbietet („Vieles werdet ihr gleich selbst nachlesen können“ usw.). Diesen Aspekt halte ich für unnötig bzw. zu oft eingesetzt.

Aber dennoch habe ich „Skadenklinge“ sehr gern gelesen und war positiv überrascht über die schwungvoll geschriebene und spannende Lektüre! Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der zahlreiche Fragen unbeantwortet und Handlungsfäden offen lässt. Da freue ich mich doch schon auf den nächsten Teil!



Coole Scheiße, Daumen hoch!



Unter der ISBN 3-8334-4480-0 könnt ihr "Skadenklinge - Das letzte Berserkerschwert" im Buchhandel ergattern, unter

http://www.skadenklinge.de könnt ihr Auszüge lesen und euch weitere Infos holen oder dem guten Ragnar dat Gästebuch zuschludern…

- Beitrag von: Philipp

---Punkte: 8
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Manfred Winkler - Wo Woodstock weiterlebt

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"Wo Woodstock weiterlebt" von Manfred Winkler

 

Das Buch heißt Wo Woodstock Weiterlebt und ist ein Erlebnisbericht aus 9 Jahren Roskilde-Festival. Laut Klappentext beschreibt das Buch ungeschminkt die exzessiven Aufenthalte einer Gruppe aus Norddeutschland beim harmonischen Roskilde Festival.


Mal eins vor weg, wer noch nie ein Festival besucht hat und dafür nichts übrig hat, der wird mit dem Buch nicht viel anfangen können. Alle anderen schon.


Es sind nicht so sehr die beschriebenen Erlebnisse des Autors, die allerdings sehr unterhaltsam und amüsant erzählt werden. Viele der Situationen habe ich in ähnlicher Form auch in Roskilde erlebt. Das ist der Grund weshalb ich beim lesen des Buches gute Laune hatte, obwohl ich meist auf dem Weg zur Arbeit war. Es wurden viele Erinnerungen eigener Festivalbesuche wieder wach. Beispielsweise wird beschrieben, wie mit einer Mixtur aus Wodka und Vitamintabletten experimentiert wurde. Bei einem meiner Festivalbesuche bestand das Getränkeexperiment darin Wodka mit Kaffee zu mischen, um sich etwas aufzuwärmen. Beim lesen hatte ich dann sofort den Geschmack von löslichem lauwarmen Kaffee gemischt mit Wodka im Mund. Ekelhaft dat Gesöff!!!


Witzig ist es auch die Ähnlichkeiten zwischen den beschriebenen Personen und den Personen, die mich zum Festival begleitet haben. Ich glaub jeder wird den ein oder anderen Bekannten wieder erkennen. Dadurch erhalten die genannten Namen, dann auch immer mehr Gesichter, die den eigenen Bekannten sehr ähnlich sehen.


Bei Interesse lohnt sich ein Besuch auf der Seite www.wo-woodstock-weiterlebt.de da gibt es einige Auszüge und das Buch für 9,90 Euronen.


Ein bisschen meckern muss ich aber auch noch. Leider gibt es recht wenig Bilder in dem Buch und etwas mehr Musik bzw. Erlebnisse bei Konzerten hätte ich schön gefunden. Trotz den vielen guten Feiern auf dem Campinggelände fährt man ja eigentlich wegen der Musik zu einem Musikfestival und davon gibts in Roskilde reichlich. Wo sonst gibts nach einem Slayer Konzert gleich einen schwedischen Liedermacher im hinterher?



Geschrieben von Michael Strecker

 

---Punkte: 8
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Joey Goebel - Vincent

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Joey Goebel – Vincent


Ursprünglich war ich auf der Suche nach Charlotte Roches Buch „Die Bärte der Proleten“(warum auch immer?!). Als ich bei der Recherche auf ihr Mitwirken bei einem Hörbuch stieß, weckte dies mein Interesse für Joey Goebel und dessen Werk Freaks. Nach einigem Überlegen bestellte ich dann seine beiden Werke Freaks und Vincent. Passte insofern ganz gut, als dass Frau Roches Buch noch nicht erschienen ist … An dieser Stelle möchte ich noch www.booklooker.de empfehlen, da hier manchmal sehr preiswert gebrauchte Bücher angeboten werden.

Der mittlerweile 27jährige Autor Joey Goebel präsentiert hier eine interessante Variante der Weltverbesserung. Verbessert werden soll vor allem das Unterhaltungssystem in den USA, vornehmlich das verdummende Fernsehprogramm, die Konservenmusik und das ständig bei sich selbst stehlende Hollywood. Also auch nicht anders als die ganzen Fratzen inner Glotze und das nur unter der Maximumdosis an Sedativa auszuhaltende Radioprogramm in unserem schönen Lande. Jedenfalls: Initiert durch den Medienmogul Foster Lipowitz wird die New Renaissance Academy ins Leben gerufen, um talentierte Kinder zu fördern. Maxime ist hier „Kreativität entsteht durch Leiden“.

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, wobei jedes der jeweils vier Kapitel einen Frauennamen trägt. Der erste Teil handelt vom 7jährigen Vincent und dessen maroder Kindheit, in der er von der New Renaissance Academy angeworben wird. Harlan Eiffler wird sein Manager und ist das erzählende Ich des Romans. Eiffler selbst ist nach ungewolltem College-Abgang nach L.A. gegangen, um dort seine Karriere als Musiker zu forcieren. Gescheitert landet er als Plattenrezensent bei einer Zeitschrift, die seine zynischen Kritiken nicht lange billigt. Kurz bevor sein Erspartes sich gänzlich dem Ende neigt, wird er von der New Renaissance Academy angeworben. Harlan ist für Vincent verantwortlich und sorgt dafür, dass entsprechendes Leid für die erwünschte Kreativität eintritt. Suspekt, frustriert und ein wenig widerwillig folgt er den Anweisungen seiner Vorgesetzten – schließlich ist er auf das Geld angewiesen. Die Arbeit läuft gut und er kontrolliert Vincents kleinere Ups und seine größeren Downs. Schließlich schafft Vincent es auch der erfolgreichste Student der Academy zu werden.

Im zweiten Teil wächst der Leser in Vincents Jugend hinein und erlebt seine schnell zum Scheitern verurteilten Beziehungen mit. Und die anschließende „Große Traurigkeit“, die ihn dazu befähigt, eine erfolgreiche Supermarkt-Soap zu schreiben. Ein Selbstmordversuch und ein Umzug nach Kalifornien später erfährt Vincent, dass Mäzen und New Renaissance-Gründer Lipowitz gestorben ist.

Neue Besen kehren demnach im dritten Teil folglich … anders. So soll Vincent wieder kreativer arbeiten, noch härter und erfolgreicher als jemals zuvor. Doch es werden andere Ziele verfolgt und ein spannendes Rennen um Mord, Leid und Geld entstehen in verschwörerischer Atmosphäre.

Goebels lockere Erzählweise und toller Aufbau machen Vincent zu einem kurzweiligen Lesewerk. Die Gesellschaftskritik ist vorhanden, aber nicht tragend, denn es ist eher die wahnwitzige Vorstellung einer gezüchteten Kreativität, die Befremdlichkeit auslöst.

Ein konspiratives Ende bleibt nicht aus, auch wenn es schon in den ersten beiden Teilen latent mitschwebt. Auch das Ende ist nach meinem Geschmack, wenn die Lebensläufe jedes vorkommenden Charakters noch kurz angerissen werden.

In meinen Augen ein gutes, angenehm unterhaltendes Buch, das ich durchaus weiterempehlen kann, da die Vielseitigkeit der stilistischen Merkmale ein guten Zeitvertreib entsehen lassen.


412 Seiten, Diogenes Verlag, Gebunden 19,90 Eur, Broschiert 9,90 Eur


Review by: Herbert
---Punkte: 9
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