CRYSSIS, FOLL FIES / 09.01.2020 – Kiel, Schaubude

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Hui, heute Abend bekomme ich mehr als erwartet! Denn tatsächlich locken mich vor allem die Rotzlöffel von FOLL FIES in die Bude, während mir der Name CRYSSIS erst mal gar nichts sagt. Beide Auftritte werden dann aber derart herrlich, dass sich dieser Trip auf’n Donnerstagabend, dem kleinen Freitag, zur Punkrocksause galore entwickelt.

 

Bei FOLL FIES sind die Bühnendialoge zwischen Moe und Andy die halbe Miete. Andy erzählt gerade etwas über die Aktualität des nächsten Songs und dass er damals beim 11. September gedacht habe, dass nun wieder (!) der Dritte Weltkrieg ausbreche. Moe: „Ja, und was war dann?“ Andy: „Keine Ahnung. Neuwahlen?“ Wissenswert ist auch die Hintergrundgeschichte zum Songtitel „Der Liebe wegen nach Neumünster gezogen“, aber die erzähle ich euch hier nicht, denn der Name ist ja wohl geil genug. Überhaupt geht es in den Texten um DIE wichtigen Dinge wie Weltfrieden, Katzen und Bier. Verpackt in rotzig-melodischen Punkrock, den alle drei abwechselnd und/oder auch mal zusammen mit Gesang und Gegröle begleiten. Dem bekannten Schaffen haben FOLL FIES auch neue Songs hinzugefügt, nach deren Genuss man sicher sein darf, von dieser jungen, aufstrebenden Band nicht zum letzten Mal gehört zu haben.

 

CRYSSIS ziehen mich sofort in den Bann. Denn diese Band verkörpert pure Liebe zur Musik. Man darf gerne Einflüsse wie frühe CLASH und BUZZCOCKS heraushören, aber letztlich herrscht hier 1A gespielter Punkrock. Mit Vom Ritchie sitzt ein bekannter Musiker am Schlagzeug, der bekanntlich auch bei den TOTEN HOSEN zockt. Mit Sänger/Gitarrist Dick York hatte Vom Ritchie aber bereits 1980 eine Band namens CRY DYAAN und nach einer längeren Pause gründeten die beiden CRYSSIS, die mittlerweile auch bereits ihr drittes Album veröffentlicht haben. Das ist als Hintergrundinfo schon ganz interessant, um zu verstehen, dass CRYSSIS nicht nur ein Sideproject darstellen. Der tanzbare, teilweise im besten Sinne poppige Groove bringt die Bude schnell in Schwung, das Charisma des deutsch-englischen Haufens erledigt den Rest. Gerade Sänger Dick besitzt diesen typischen gelassenen Humor, wie man ihn häufiger bei (etwas älteren) Engländer*innen erlebt. Da auf der Bühne nicht viel Platz ist, sollen die Tanzenden in der ersten Reihe auf seine Weißweinpulle aufpassen, was bis auf ein paar abgezapfte Schlucke auch funktioniert. Nach einer Handvoll Stücken kommt mit Laura Knapp noch eine E-Geigerin dazu, welche dem Sound noch eine weitere Nuance hinzufügt. Ich hatte wie gesagt vorher keine Ahnung von der Band, erlebe aber einen herrlichen Konzertabend – zwischen Band und Publikum entsteht eine positive Wechselwirkung, sodass auch die anwesenden HOSEN-Fans mit ihren Versuchen aufhören, Vom Ritchies Aufmerksamkeit durch ständiges Winken auf sich zu lenken und stattdessen mittanzen.  

 

Dolles Ding.  

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