D.I. / 21.07.2019 – Kiel, Schaubude

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An die D.I.-Konzerte in den Neunzigern, die ich in Kiel (Meierei) und Lübeck (Rider’s Café!) erleben durfte, habe ich nur beste Erinnerungen. Mit Power und Frische wirbelte die O.C.-Punklegende damals über die Bühnen, war gleichermaßen mit Spielwitz und Megamelodien ausgestattet. Vom Meierei-Gig existiert ein herrliches Foto, welches auch den Klownhouse-Sampler „We Don’t Need Your Control“ ziert, und die Band beim Abgehen in der Meierei zeigt. Zu erkennen in der Crowd davor sind diverse Kieler*innen, die zum Teil auch heute auftauchen. Manche von ihnen hat man fast so lange nicht mehr gesehen wie D.I….

 

Für Faktennerds hier erst mal ein Zitat aus der Veranstaltungs-Info von Klownhouse-Benny: „Ein kleiner Traum wird wahr für Fans des O.C. Punkrock der ersten Stunde...D.I. waren seit 1995 nicht mehr in Europa und sind somit eine der letzten Bands aus diesem Genre, die hier 25 Jahre nicht zu sehen waren, während Mitstreiter wie ADOLESCENTS, AGENT ORANGE, TSOL in den letzten Jahren häufiger den Weg nach Europa gefunden haben. 1983 hatten D.I. einen Auftritt im Punker-Film schlechthin: SUBURBIA...was der Band einiges an Popularität verschaffte...
D.I. ist und war immer Sänger Casey Royer der unter anderem auch Gründungsmitglied der ADOLESCENTS und SOCIAL DISTORTION ist, alle anderen Posten in der Band wurden sehr häufig gewechselt, grad in der Anfangsphase der Band. In den letzten 15 Jahren ist das Lineup aber sehr beständig und besteht seitdem aus:

CASEY ROYER - Vocals seit 1981
CLINTON CALTON - Gitarre
EDDIE TATAR - Bass ( The Dickies)
JOEY TATAR – Schlagzeug“

 

Los geht es recht pünktlich und ohne Vorband. Es gilt also, die Aufwärmphase wegzulassen, was an einem Sonntagabend nicht selbstverständlich sein mag. Doch sowohl Band als auch Publikum sind auf Zack und es entspinnt sich rasant eine spezielle, ausgelassene Stimmung. Die Band klingt erstaunlich knackig und frisch. Drummer, Bassist und Gitarrist reißen hart was weg und erfreuen über die gesamte Spielzeit mit bester Zockkunst. Gleichzeitig ist das Entertainment-Level hoch angesiedelt. Die Mimik von Joey Tartar ist zum Schießen, und er geizt dabei auch nicht mit Stickgeschleuder und –gewirbel. Casey Royer widmet sich noch stärker als früher einer geradezu mimischen Illustration der Songtexte. Bei einem Song wie „Hypochristian“ verspritzt er imaginäres Weihwasser, spreizt die Pranken mit würdevoller Miene zum Beten – um schließlich mit den Fingern das Geldzählsymbol anzudeuten. So geht das beim ADOLESCENTS-Klassiker „Amoeba“, „Johnny’s Got A Problem“, dem SLAYER und Jeff Hannemann gewidmeten „Richard Hung Himself“ oder „Stick To Your Guns“ weiter. Auch die ältesten Punker im Mob widmen sich irgendwann wildem Ausdruckstanz. Caseys Stimme ist mir anfangs etwas zu leise, was aber schnell behoben wird. Man kann sagen, dass auch er souverän abliefert. Das gesangliche I-Tüpfelchen sind die herrlich geschmetterten dreistimmigen Chöre. Kein Wunder, dass sogar Hafenklang-Fab nach Kiel gekommen ist, obwohl D.I. zwei Tage zuvor erst bei ihm zu Hause gespielt haben. Immer wieder stacheln sich der Sänger und Eddie Tatar gegenseitig an und faken gekonnt einen Bühnenstreit: „Hey, you stepped on my chord!“ – „No, YOU stepped on MY chord!“ – „Asshole!“ – „Nazi!“, was sich so lange steigert, bis der Song mit Gebrüll und Radau lospoltert. Der ca. einstündige Auftritt ist nicht nur ein einziges Hitfeuerwerk, sondern auch extrem unterhaltsam.                                                          

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