METAL CHURCH, ARMORED SAINT / 19.07.2019 – Hamburg, Gruenspan

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Erst mal ein Grund zur Freude: Vier von mir sehr geschätzte Bands beehren an diesem Tag Hamburg, nämlich POISON IDEA, D.I., ARMORED SAINT und METAL CHURCH. Was die Euphorie merklich schmälert: Sie spielen zeitgleich an verschiedenen Orten. Ich verdränge diese Tatsache, kaufe mir erst mal einfach für beide Konzerte Tickets und entscheide mich aufgrund der Nachricht, dass D.I. zwei Tage später in Kiel spielen, fürs metallische Megadoppel. POISON IDEA kündigen diese Tour zwar als letzte Eurotour ihrer Geschichte an, aber jede Tour kann theoretisch die letzte einer Band sein, zumal sich diese statistische Wahrscheinlichkeit mit fortlaufender Bandexistenz wohl eher erhöhen dürfte. Und METAL CHURCH gibt es bekanntlich seit 1980, ARMORED SAINT seit 1982… Beide stehen zwar voll im Saft, sich aber „Ach, guck ich mir nächstes Mal an…“ zu sagen, kann dazu führen, dass man sich irgendwann mal hart und mit Recht selbst in den Arsch beißt.

 

Zwei Dinge fallen wohl jeder und jedem Besucher*in sofort auf: 1.: Es ist heiß und 2.: Es ist voll. Dass dieses Paket derart viele Leute zieht, ist natürlich schön, denn dieser Zuspruch war für beide Combos nicht immer selbstverständlich. Trotzdem hätte man gern die oberen Ränge des Grünspan öffnen und auch die sicherlich vorhandene Lüftung in Betrieb nehmen dürfen.

 

ARMORED SAINT können keine Rücksicht darauf nehmen, dass wir bereits ohne ihr Zutun ins Schwitzen kommen und machen sich unbarmherzig daran, den Laden nach allen Regeln der Kunst abzufackeln. Mit „Raising Fear“ und „Can U Deliver“ steigt die Stimmung sofort in den rotglühenden Bereich und die SAINTS zeigen, dass sie wie immer auf höchstem Niveau abliefern. Tightness, Groove, Riffdauerfeuer, Dynamik und natürlich: John Bush! Das einzige Manko ist der nicht optimale Sound, denn die Gitarren könnten etwas brillanter klingen. Mit „Creepy Feelings“ kommt ein seltener gespielter Song zum Zuge, sehr geil. Überhaupt dürfte wirklich keine*r der anwesenden AS-Anhänger*innen von der Setlist enttäuscht sein, denn „L.A.‘s most headbanging band“ präsentiert Songs von allen sieben Alben. neben „Creepy Feelings“ überrascht auch „Underdogs“ von der „Raising Fear“-LP, welches Bush uns allen widmet. Ansonsten killen besonders „Last Train Home“, „March Of The Saint“, “Nervous Man”, “Reign Of Fire” sowie “Mad House” Die Leute brüllen trotz der Hitze wie die Irren mit und die Tresenmenschen kommen kaum noch mit der Getränkeausgabe hinterher. Ein wahrer Triumphzug!  

 

Hatten ARMORED SAINT neuere Stücke („Head On“, „Win Hands Down“) clever verteilt, zeigen sich METAL CHURCH in dieser Hinsicht stur und beginnen mit dem Titelsong des aktuellen Albums „Damned If You Do“, gefolgt von „Needle And Suture“ (von der 2016er Scheibe „XI“). Das funktioniert aber durchaus auch, zumal die „Hum“-Chöre des Openers sich hervorragend zum Mitschmettern eignen. Der Mob steigt ein, man merkt aber schon, dass der Hunger nach Klassikern mit jeder Minute größer wird. Und da kommen sie auch schon: „Badlands“, „Gods Of Second Chance“, „Date With Poverty“ und „Start The Fire“ dürften wohl auf jedem Metalkonzert oder –Festival der Welt ihre Wirkung entfalten. Auch Mike Howe ist in Topform und sägt sich mit seiner schneidenden Stimme tänzelnd durch den Mix. Schon ziemlich cool, zwei derart gute Sänger an einem Abend live erleben zu können! Im direkten Vergleich würde ich ARMORED SAINT etwas mehr Spielfreude und Leidenschaft attestieren, aber es steht außer Frage, dass beide Bands überzeugend abliefern. Neben zwei, drei weiteren neuen Nummern böllern vor allem das unsterbliche „Beyond The Black“, „Watch The Children Play“, „In Mourning“ und die Zugabe „Fake Healer“ herrlich rein. Aber Moment! Wo zur Hölle haben sie „Metal Church“ gelassen? Wie schon auf der letzten Tour wird dieser Song tatsächlich nicht gespielt! Das finde ich total seltsam. Das Ding besitzt ein Jahrhundertriff, das ist ein Signaturestück für METAL CHURCH und die lassen ihn einfach wieder weg. Dennoch natürlich ein sehr, sehr geiler Auftritt, aber hoffentlich wird die Band demnächst mal nach den Hintergründen für diese Setlistentscheidung befragt.

 

Eine denkwürdige Doppel-Headliner-Show!

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