UFO, VELVET VIPER / 10.06.2019 – Hamburg, Fabrik

UFO

 

Aaaah, was bin ich froh, dieses Konzert mitgenommen zu haben! Ich höre UFO seit Jahrzehnten, hab sie bisher aber lediglich zweimal live gesehen (1993 – ein rauschhaftes Erlebnis mit wiedervereinigter Besetzung inkl. Michael Schenker & Pete Way und QUIET RIOT im Vorprogramm – sowie vor zehn Jahren in Wacken). Vor fünf Jahren haben UFO ja sogar mal in Kiel gespielt – und ich bin zu SCHEISSE MINNELLI gegangen, die zeitgleich in der Bude spielten. Klar, man denkt sich häufig, dass man dann halt auf der nächsten Tour mal reinschaut. Aber der Tod von André Matos (RIP!) hat mir die Augen geöffnet, dass man nicht warten sollte, ob sich noch mal eine spätere Chance ergibt. Wenn man eine Band gut findet, sollte man JETZT hingehen! Zumal UFO auf Abschiedstour sind – „Last Orders“ – und mit Paul Raymond jüngst ein Originalmitglied verstorben ist (rest easy!). Wir springen also in den Regio und sind vor Ort relativ überrascht, wie voll es ist. Doch zum Glück erhaschen wir einige der letzten Tickets an der Abendkasse. SING, SING, U.F.O.!

 

 Bilder von Nico Krogmann

 

VELVET VIPER

 

VELVET VIPER zocken bereits, als wir uns vor die Bühne gedrängelt haben. Yeah, Jutta Weinhold ist eine Rock’n’Roll-Kriegerin, die ihr Ding auch schon seit Ewigkeiten durchzieht: „Im Rock’n’Roll stirbt man jung oder gar nicht. Für ersteres ist es bei mir zu spät…“ Die fitte Besetzung präsentiert neue Stücke, gräbt aber auch in der Mottenkiste herum und zaubert mit „Zed Yago“ und „Revenge“ zwei Klassiker von der „From Over Yonder“-LP, einer Scheibe, die ich gern mal auflege. Jutta Weinholds Stimme klingt immer noch toll, im Grunde ist das bester DIO-Style-Heavy Metal. Das bunt gemischte Publikum, zwanzigjährige Kuttenträger bangen neben ergrauten Ü-50-Hardrockfreaks, spendet reichlich Applaus.

 

 UFOUFO

 

UFO haben das Bühnenbild schön schlicht gehalten – ein Backdrop, eine Pubglocke („Last Orders“, ne) und ab dafür. Wär ja mal ein Gag gewesen, wenn sie als Intro einen alten MAIDEN-Gassenhauer genommen hätten. Aber scheiß auf Gags – viel besser ist, dass UFO in der Folge fast zwei Stunden zelebrieren, ohne auch nur eine einzige Solo-Einlage einzustreuen. Hier folgt Hit auf Hit, wobei die Setlist auch diverse Überraschungen enthält. Phil Moog muss sich beim ersten Song noch etwas eingrooven, klingt dann aber schlicht überwältigend. Und wer ist eigentlich für Paul Raymond dabei? Mir kommt der Kollege gleich bekannt vor und tatsächlich handelt es sich um den ollen Recken Neil Carter, den ich den Achtzigern mal in der Band von GARY MOORE gesehen habe. Der Kerl hat eine tolle Stimme und singt somit heute auch superbe Backgroundvocals (und streut einige Keyboardpassagen ein). Zusammen mit Vinnie Moore ein geniales Gitarren-Dio! Überhaupt: Vinne Moore! Der Kerl zockt schlicht überirdisch, setzt trotz bester Schenker-Hommage immer wieder eigene Akzente, dreht mal voll durch und reißt die Klampfe übern Kopp, zockt hinterm Rücken – um dann wieder ganz ruhige Momente zu kreieren. Nach dem Opener „Mother Mary“ gibt es gleich den „Mechanix“-Kracher „We Belong To The Night“ auf die Ohren, worauf UFO mit einem recht neuen Song überraschen, nämlich „Run Boy Run“ (2015), der mir verdammt gut gefällt. Der Hammer auch „Venus“ von der 95er LP „Walk On Water“. Der Mob kommt nun schwer in Wallung, der Sound ist brillant, alle Fäuste sind oben und die durstigen Kehlen mitschmetterwillig.

 

UFOUFO

 

Phil Moog streut in den Ansagen trockene Sprüche ein („last time we were in Hamburg, that was hmmm – black and white…“). Mit „Lights Out“, „Only You Can Rock Me“, „Love To Love“ (aaaaaah!), “Too Hot To Handle” und “Rock Bottom” gibt’s ordentlich was zu tun. Die Spielfreude der Band dürfte auch blinden Besucher*innen ins Ohr springen, so deutlich perlt der Bock aus den Boxen. Immer wieder herrliche Riffs (der Gitarrensound ist göttlich!), Gänsehautmelodien und ein traumhaftes Zusammenspiel. An Überraschungen wären noch „Burn Your House Down“ (2012), „Baby Blue“ (2004) und „Cherry“ (1978) zu nennen. Nach 50 (!) Jahren darf man wohl so abtreten. Ich wäre andererseits nicht böse, wenn UFO diese Tour noch laaange ausdehnten, aber wenn man sich Interviews oder/und ihre Statements auf ihren Seiten durchliest, dann klingt das nicht nach einem Abschied auf SCORPIONS-Art. „Doctor, Doctor“ und „Shoot, Shoot“ bringen die Hütte noch mal zum Kochen, bevor alle, aber wirklich alle mit einem breiten Grinsen die Halle verlassen.

 

UFOUFO 

 

Ich werd sie mir mindestens noch einmal angucken, denn zum Glück zocken UFO auch in Wacken. Wer auch dort ist, sollte dringend hingehen, selbst wenn SLAYER parallel spielen.

 

UFO

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv