BOSSE-DE-NAGE, STREET SECTS / 09.04.2019 – Kiel, Schaubude

INSIDE INFERNAL CRUST BRIGADE, PART V

Heute kooperiert die INC mit der Schaubude, um ein weiteres Roadburn-in-Kiel-Paket verwirklichen zu können.

Anyway, wir feiern etwas zu früh die Zahl der im VVK abgesetzten Tickets, denn viel mehr Abendkassengäste kommen dann auch nicht. Die halbe BLITZ-Belegschaft ist aber anwesend, als Kenner sind sie mit BOSSE-DE-NAGE vertraut und bezeichnen ihre letzten Alben als herausragend. Da bin ich aber gespannt, was Herb nun wieder gebucht hat…

 

STREET SECTS (Austin, Texas) bestehen aus zwei Menschen – einer brüllt & schreit, der andere ruft Samples und komische Geräusche ab. Mit einem Blitzlichtgewitter, für das man eigentlich eine Trigger-Warnung hätte aushängen müssen, um etwaig anwesende Epileptiker*innen zu schützen, rüffelt das erste Industrial-Klanggebilde los. Ich darf sagen, dass diese Musik mal gar nicht meinem Geschmack entspricht. Wenn große Teile nicht live gespielt werden, bin ich halt raus, dagegen kann ich nichts machen. Ist gar nicht ideologisch gemeint, diese Art Darbietung ruft nur eben bei mir keinerlei Gefühl hervor. Amüsant ist aber der Augenblick, als der Sänger zwischen zwei Stroboblitzen die Dunkelheit nutzt, um ungesehen nach vorne zu hechten und urplötzlich wie aus dem Nichts vor einem Besucher aufzutauchen und synchron mit dem Lichtblitz in sein Gesicht zu brüllen. Guter Horrorfilmschockeffekt, der Kollege zuckt auch wirklich kurz zurück.

 

BOSSE-DE-NAGE (San Francisco) setzen zum Glück auf eine vollständig andere Herangehensweise. Diese nach einem fiktiven Romancharakter benannte Band spielt eine hochinteressante Mischung aus Hardcore, Post Black Metal und Shoegaze. Der Drummer hält das Ganze mit einem Blastfeuerwerk zusammen, streut jazzige Breaks ein und ist das Eintrittsgeld schon allein wert. Dazu spielt der Gitarrist diese fragilen hochfrequenzigen Post-Sounds, die im Gesamtkontext von Bassgewämse und Shout-/Brüllgesang sicher gar nicht einfach in den Mix zu bekommen sind. Aber Bocky schafft es, dass man die Gitarre heraushört – ich ernte später das aktuelle Album „Further Still“ ab und der Klang ist auf diesem der Livesituation sehr ähnlich. Diese Gitarre will halt keine Motorsäge sein, sondern eher ein Zahnarztbohrer. Beim Gesang denke ich erst, dass er monoton sei, aber er passt tatsächlich perfekt zur Musik und fügt ihr sogar noch eine angeekelte, leidende Note zu. Man wird förmlich neugierig, worüber hier wohl gesungen wird und der Blick aufs Beiblatt lohnt in der Tat: Mehrere der Texte erinnern mich an Kafka, beschreiben sie doch ein entfremdetes Leben, angefüllt mit offenbar sinnlos bürokratisierter Arbeit. Oder auch das seltsam empathielose Verhalten der Mitmenschen, die angesichts der grausamsten Entwicklungen nur mit den Schultern zucken. Wen es interessiert, der möge sich mal „The Trench“, „My Shroud“, „Sword Swallower“ oder „Down Here“ anhören und dabei die Texte studieren. Musikalische Assoziationen kommen mir vage zu DEAFHEAVEN und DEFEATER, aber BOSSE-DE-NAGE klingen letztlich zu eigenständig, als dass man sie wirklich vergleichen kann. Gut!

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