BLAZE BAYLEY / 07.03.2019 – Hamburg, Bambi Galore

Ich begegnete BLAZE BAYLEY (vor dem heutigen Tag) zu vier Gelegenheiten, die jeweils für eine verschiedene Phase seiner Karriere standen. Mit WOLFSBANE (in der Markthalle gesehen) galt der Mann als aufstrebender Sänger mit hoffungsvoller Zukunft. Der Einstieg bei IRON MAIDEN schien das zunächst zu bestätigen (ich war auf der „X-Factor“-Tour in Hamburg dabei, Support waren MY DYING BRIDE), aber spätestens nach der Reunion MAIDENs mit Bruce begann für den Briten eine schwierige Zeit mit Alkoholproblemen und Presseverrissen. 2002 sah ich ihn mit seiner Soloband BLAZE in Wacken und 2008 dann auf dem HEADBANGERS OPEN AIR. Kurz danach verstarb seine Frau (und Managerin) Debbie bekanntlich an einer Gehirnblutung. Ich glaube, dass sich niemand in diese emotionale Situation hineinversetzen kann, in welcher sich der Mann befunden haben muss. Aber irgendwie hat sich BLAZE BAYLEY über die Jahre wieder Stück für Stück ins Bewusstsein der Metal Community zurückgekämpft, schrieb mit der aktuellen Band eine Album-Triologie und spielt heute zum wiederholten Mal im Bambi. Die MAIDEN-Alben, die zwischenzeitlich als Tiefphase der Band galten, werden heute milder beurteilt, u.a. durch die Vinyl-Rereleases neuentdeckt und – bewertet und gerade das letzte BLAZE-BAYLEY-Album „The Redemption Of William Black (Infinite Entanglement Part III)“ erhält positive Resonanz. Lass ma hin!

 

BLAZE BAYLEY

Bilder von Oliver Lange

 

Erfreulich ist schon mal die Tatsache, dass der Laden sich früh füllt und somit laut Flo eine fette Steigerung zum letzten BLAZE-Gastspiel auszumachen ist. Es gibt keinen Support, dafür soll die Band amtlich lange zocken. Und das tut sie dann auch! Vom ersten Stück an geht die Meute gut mit und empfängt den Vierer überschwänglich. Um nicht falsch verstanden zu werden: Hier wird mitnichten ein gefallener Held für seine Vergangenheit gefeiert, der aber in der Gegenwart keine Relevanz hätte. Nein, diese Besetzung ist überzeugend, besonders Gitarrist Chris Appleton spielt stilvoll, abwechslungsreich und mit viel Spirit. Trotz der MAIDEN-Referenzen gibt’s hier keine Twin-Soli, dafür schraubt Chris unerbittlich nach vorne gehende Glüh-Riffs, die aber Luft für herrliche, zum Teil genial simple Melodien lassen.

 

BLAZE BAYLEYBLAZE BAYLEY

 

Blaze selbst besitzt eine ultrasympathische Präsenz und singt sehr leidenschaftlich. Natürlich ist sein Stimmumfang nicht mit dem eines Halford (oder so…) zu vergleichen, aber was er hat, setzt er erstaunlich variabel ein (und ich mag ja eh dieses etwas Knödelige in seiner Stimme). Da gibt es gerade unter den neueren Songs einerseits totale Moodlifter wie „Eagle Spirit“ oder „Eating Lies“, aber auch nachdenkliche, melancholische und düstere Momente. Blaze nimmt sich immer wieder die Zeit, um Ansagen über das Konzept der Album-Triologie zu machen, wobei deutlich wird, dass sich hinter der SciFi-Story eine zeitlose Tragödie um Liebe, Verrat, Enttäuschung und Hoffnung verbirgt. Schön finde ich, dass es lediglich drei MAIDEN-Stücke zu hören gibt, denn ein reines MAIDEN-Set wird die Band ja eh noch auf dem diesjährigen HOA präsentieren. Heute sind es das selten gespielte „Virus“ und die beiden Up-Tempo-Nummern „Man On The Edge“ sowie „Futureal“, welche äußerst souverän kommen. Natürlich sind auch diverse Nummern aus der BLAZE-Phase dabei, z.B. „Silicon Messiah“, „Ghost In The Machine“ oder „The Day I Fell To Earth“.

 

BLAZE BAYLEYBLAZE BAYLEY

 

Blaze wirkt begeistert vom Zuspruch und erzählt, wie er sich über die aktuelle Entwicklung der Band freue. Nach dem Tod seiner Frau sei er irgendwann mit einem Akustik-Set getourt und habe in einem Club in Manchester Chris Appleton und die Band ABSOLVA kennengelernt, mit welcher die Idee zum gemeinsamen Neustart entwickelt worden sei. Die Qualität der neu entstandenen Musik ist höher, als ich gedacht hatte, überzeugt live sofort (durchgehend grandiose Stimmung!) und verdient den heutigen Zuspruch unbedingt. Ich beginne mit dem dritten Teil, der als schön aufgemachtes Doppel-Vinyl zu haben und für ‘nen korrekten Kurs bei der Band abzuernten ist. Tipp! Obwohl über zwanzig Songs gespielt wurden, begibt sich der völlig durchgeschwitzte Blaze sofort nach der Show an den Merch und gönnt sich einen Schnack mit dem Mob. Davon darf sich so manche Combo, die für V.I.P.-Tickets extra Knete kassiert, leider auch bereits im Underground, gern inspirieren lassen.  

 

 

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