GRAVE DIGGER, BURNING WITCHES / 22.01.2019 – Hamburg, Markthalle

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Bands, die ihr Ding ohne Kompromisse über Jahrzehnte durchziehen, ernten bei mir ja besonderen Respekt, vor allem wenn sie dabei im Grunde konstant Qualität abliefern. Das ist bei GRAVE DIGGER zweifelsohne der Fall und ich darf hier darauf verweisen, dass der Besitz und der regelmäßige Genuss ALLER Alben dieser Truppe absolut zu empfehlen ist. Die Band beißt sich durch, tourt regelmäßig und weicht stets nur graduell von ihrem charismatischen Stil ab. Manche ihrer Platten fallen vielleicht etwas generisch aus, anderen setzen dann doch auch immer mal überraschende Akzente, zum Beispiel auch das aktuelle Biest „The Living Dead“. Live machen die Wiedergänger jedenfalls immer Spaß, also ist der Trip in die Markthalle klare Heavy Metal Duty.

GRAVE DIGGER

Fotos von Olaf "Gassi" Gassan


BURNING WITCHESBURNING WITCHES


Ein schlauer Move war es, dem Tourpaket die Schweizerinnen BURNING WITCHES hinzuzufügen. Denn diese Nuclear-Blast-Hopefuls sind bereits recht angesagt und passen stilistisch hinreichend gut zu GRAVE DIGGER. Irgendeine Nu Metal-Kapelle wäre jedenfalls Quatsch gewesen... Selbstbewusst und engagiert brettern die fünf Frauen dann auch los. Ein Kumpel hatte die Messlatte im Vorfeld sehr hoch gelegt und säuselte mit etwas von „wie GIRLSCHOOL auf 45, aber viel schmutziger!“ in die Ohren. Okay, das ist dann doch deutlich übertrieben. Mein schmierigies Undergroundherz hätte jedenfalls durchaus mehr Schmutz und/oder Kauzigkeit vertragen. Der Stil der Schweizerinnen orientiert sich eher an etwas mainsteamigeren Sachen wie Midtempo-DIO oder alten WARLOCK. Andererseits: What’s not to love? Sängerin Seraina hat es jedenfalls wirklich drauf und baut neben kraftvoller und klarer HM-Sirenenhaftigkeit auch mal QUEEN-DIAMOND-Screams und einige Growl-Ansätze ein. Im Zusammenspiel lässt die Truppe rein gar nichts anbrennen, die Gitarristinnen Romana und Sonia schleudern nur so mit Riffs und Soli um sich, bangen dazu durchgehend. Ein Song trägt den Titel „Open Your Mind“ und wird als Kampfansage gegen Raissismus angekündigt – was gleich ein paar Bonus-Sympathiepunkte mit sich bringt. Mit der DIO-Covernummer „Holy Diver“ verabschieden BURNING WITCHES sich. Insgesamt: gut!

 

GRAVE DIGGERGRAVE DIGGER

 

GRAVE DIGGER haben richtig Bock! Das sagt bzw. schreibt man ja häufig, aber dem entspannt grinsenden Chris Boltendahl steht die Spielfreude förmlich ins Gesicht geschrieben. Das gilt ebenfalls für den wild grimassierenden Axel Ritt, dem zudem eine hervorragende Gitarrenarbeit attestiert werden muss – er ist sozusagen für GRAVE DIGGER das, was Zakk für Ozzy ist… Jens Becker entdeckt offenbar so manche*n Bekannte*n im Mob und nimmt das hohe Mitsinglevel lächelnd zur Kenntnis. Die Markthalle ist gut gefüllt, wie man so schön sagt, wie eingangs angedeutet hätte ich der Band aber gern auch eine knackvolle Hütte gewünscht. Die Setlist wildert in der Discografie der Band, übergeht nur leider komplett das „The Reaper“-Album von 1993, einer meiner Digger-Favescheiben. Dennoch gibt’s na logisch zahlreiche Knüller, zum Beispiel das ungewöhnlich melodische „Circle Of Witches“ („Heart Of Darkness“ 1995), das donnernde „Excalibur“ (1999), „Highland Farewell“ (2010) oder die  Gänsehautnummern "The Curse Of Jacques", „Lionheart“ (1998), „The Bruce“ und „Dark Of The Sun“ (1996). Wichtig finde ich allerdings auch den Hinweis, dass gerade die letzten drei Alben sehr stark ausgefallen sind und durch energiegeladene Stücke mit tollen Refrains glänzen, weshalb „War God“, „Tattooed Rider“, „Lawbreaker“ oder „Blade Of The Immortal“ mit Recht in der Setlist gelandet sind. Von Funkenfontänen begleitet kreischt olle Boltendahl sich herrlich durch die Songs und lässt es sich zwischen den Songs nicht nehmen, locker zu plaudern. Ein Typ in der ersten Reihe kotzt wohl in den Graben, worüber sich der Sänger mit dem Kommentar „wie ich in meinen besten Zeiten“ aber nicht lustig macht, sondern gleich darauf andere Besucher*innen bittet, dem guten Mann doch mal zu helfen. Ein schnörkelloser und mittels Zombie-Pappaufstellern, Reaper-Gastauftritten und diversen Pyros stimmungsvoll untermalter, aber nie effektüberladener Auftritt, der durch drei Zugaben gekrönt wird, den Kracher „Healed By Metal“ (bester Songtitel!), die Polka-Tanznummer „Zombie Dance“ und natürlich DIE Hymne schlechthin „Heavy Metal Breakdown“. Jo, hemmungsloses Heavy Metal-Vergnügen!


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Kommentare   

0 #2 Philipp 2019-11-10 00:56
Nu wieder mit Fotos.
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0 #1 Philipp 2019-01-24 18:05
Jetzt mit Fotos von Olaf Gassan!
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