SPACEFEST 4: SPACE CHASER, DISTILLATOR, ENDSEEKER, TURBOKILL / 19.10.2018 – Hamburg, Hafenklang

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“Spacefest, was dat denn? Und was sollen diese ekligen Monster auf dem Plakat? Und diese Schriftzüge? DATRUPTOR? NDSKRCHH? SPASWASCH? Kann ich nich lesen. Willich auch nich."


Ja, geil, Exklusion hat funktioniert, Spießer bleiben weg, dafür füllt sich das Hafenklang mit Thrashern, Headbangern, Punks, verschüttetem Bier und Kuttenmief. Denn das SPACEFEST geht in die vierte Runde, die Berliner SPACE CHASER haben auf die gute, alte D.I.Y.-Tour ihre eigene Party in verschiedene Städte gehievt und sich dabei richtig heiße Bands mit ins Boot geholt. Du kannst noch nicht mal „WATCH THE SKIES!“ brüllen, da sitzen Jan ML, Michelle und Wolters Philipp bereits im Zug. Nicht allein übrigens, neben anderen Konzerten lockt auch ein Eishockeyspiel und die dorthin strebende achtköpfige, uns wohlbekannte Reisegruppe gesellt sich in unseren Wagon. Über so’n modernes Telefon mit Blauzahnboxen werden wir permanent beschallt. Es läuft exakt EIN Titel. In Schleife. Ich sage nur: OI FORCE, „Disco Stricher“, mehr müsst ihr nicht wissen, um uns zu glauben, dass der Wagon ansonsten leer bleibt…


Spacefest


Fotos von Jan ML folgen...

Wie gut ist das denn? Stephan Dietrich ist zurück! Also der Ex-Sänger von ALPHA TIGER, die einst so hoffnungsvoll starteten und dessen Stimme locker mit denen von Michael Kiske und Geoff Tate mithalten kann. Mit TURBOKILL hat er die große Chance, eine glänzende zweite Karriere hinzulegen! Denn die Musiker sind fit und haben bereits jetzt tolle Kompositionen am Start. Der Schuppen füllt sich rasend schnell und nach wenigen Stücken fliegen überall die Haare. Lupenreiner Heavy Metal, der mal zum Power Metal, mal zum Hardrock pendelt, dabei immer mit Hooklines zum Durchdrehen versehen ist. Stephan Dietrich schlüpft in der Mitte des Sets in eine Art Uncle-Sam-Garderobe samt Hut und Mantel und zielt plötzlich mit einer seltsam geformten Knarre über unsere Köpfe. Bang! Da flattern unzählige 100-Euro-Scheine in die Menge. Logischerweise nur Toy Cash, aber Michelle fächert schnell einen Packen der Hunderter auf und macht ein Selfie, was über WhatsApp schnell Kommentare „Waaa? Ihr wollt euch heute wohl richtig einen gönnen!“ evoziert. TURBOKILL machen das Ding mit einem gierigen HELLOWEEN-Cover von „I Want Out“ rund, perfekt gesungen, wie ich wohl nicht mehr erwähnen müsste.

Zeit für ENDSEEKER und eine Lektion in Sachen Death Metal mit dem HM2 Boss-Pedal-Sound! Wie immer klingen die Hamburger authentisch as fuck und schroten den Laden mit Genuss zu Klump. Lenny hat seine Grimassen mittlerweile derart perfektioniert, dass man schon von einer Sideshow sprechen darf. Da ist das Zombie-knabbert-sich-gerade-durch-sonstwas-Gesicht, der bedrohlich-begehrliche Blick auf den Gitarristen oder der erschrocken-ertappte Zurückschreck-Moment. John Clesse ruft noch während der Show an und eröffnet dem Guten einen Posten im „Ministry of Silly Walks“. Überhaupt nicht silly fräsen sich dabei Banger wie „Flesh Hammer Prophecy“ oder „Worshipping The Bloodthirsty“ ins Gehirn. Ich beschließe: Die will ich noch ganz oft sehen.

Das gilt auch für DISTILLATOR, das verrate ich jetzt schon. Ist ja auch bereits das vierte Mal, dass mich das niederländische Patronengurt-Trio begeistert. Schneller Old School Thrash in DESTRUCTION-Manier mit keifendem Kreischgesang und galoppierenden Drums. Wer das nicht geil findet, kann mich mal. Als Beweis trage ich heute gleich zwei Alben der Band mit nach Hause – den neuen Longplayer „Summoning The Malicious“ und die Split mit SPACE CHASER. Auf beiden und auch auf der Bühne zeigen sich DISTILLATOR entschlossen, beißwütig und wieselflink. Dazu gibt’s auch noch aussagekräftige Texte wie in „Blinded By Chauvinism“, „Algorithmic Citizenship“ oder „Statue Of Liberty“.

Was dann bei SPACE CHASER abgeht, erinnert durchaus an die ersten Touren von ANTHRAX, AGENT STEEL oder LAAZ ROCKIT. Ein wilder wetzender Mob vor der Bühne, fliegende Stagediver und überall Haare. Und was die Berliner vielen anderen Speed/Thrash-Combos voraus haben, ist ihr Sänger Siggi, der stimmlich ebenso aggressiv abgehen kann wie den jungen Dickinson raushängen zu lassen. Dazu gesellen sich eingängige Songs und eine spielpotente Band. Die Band hat richtig Bock und vermittelt das auch sehr gut, sodass hier – ich bin sicher – wirklich jede’r vor und auf der Bühne Spaß ohne Ende hat. Heute gibt’s sogar mal wieder das SLAYER-Cover von der „Decapitron“-EP, ansonsten viel Stoff von allen VÖ mit den geilen MAIDEN-Leads, hämmernden Drums, Mitgröhl-Refrains und Sirenen-Screams. Auch Michelle gibt alles, wagt mitten im Set einen respektablen Stagedive - und schläft später am Schluss auf der Treppe zum Backstage ein. Total thrashing madness!

Yeah, und wer ist auf der Rückfahrt wieder mit im Zug und natürlich auch wieder in unserem Wagon? Die OI-FORCE-Bande, richtig. Die „Disco Stricher“ werden konsequent bis Kiel gedudelt, sodass ich sicher bin, noch nie einen Song so häufig in einer derart kurzen Zeitspanne gehört zu haben.

WATCH THE SKIES!

Eingereicht von Philipp

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