WACKEN XXIX / 02.08.2018 - Wacken, Tag 2

Donnerstag, 02. August

Philipp: Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass dieses Wacken mein 25. Mal W:O:A markiert? Doch, doch, ich war lediglich bei den ersten drei Editionen noch nicht dabei und zwischendurch hatten wir mit BONEHOUSE mal zeitgleich einen Festivalauftritt in Italien (1996 oder so). Auf dieses Jubiläum gönne ich mir doch glatt eine kalte Dusche und kann so erquickt in den Tag starten.

BEHEMOTH

Bericht von Strecker, Anke, Stefan, Philipp & Vincent, Fotos von Strecker, Stefan und Toni B. Gunner - https://mondkringel-photography.de/



SKYLINE


Vincent: Nach einer kurzen Nacht auf dem Sofa von Metal Kumpel Maddin startet der nächste Festivaltag mit Kaffee, Bier unterhaltsamen Nachbarn der Marke …. Hessen .Babbbbbbbler und Trunkenbolde…. Am Donnerstagmittag eröffneten die Hauptbühnen auf dem Infield und es standen Skyline auf der Bühne der Faster Stage. Die Herren spielten klassischen Rock, mit Coversongs…. Die Show ging etwas an uns vorbei, da die Sonne ordentlich breeeezelte und wir mit einer Kaltschale Becks Klönschnack hielten.


THE WALTONS

Philipp: Wir schaffen es, fast pünktlich zu den WALTONS an der Beergarden Stage zu stehen. Auch diese Bühne ist deutlich vergrößert worden und wäre auf einem kleinen Festival eher die Hauptbühne. Wir scheinen aber schon „Truck Me Harder“ verpasst zu haben und nun kommen hauptsächlich diverse neue Stücke und Coverversionen („Reach For The Sky“ von SOCIAL DISTORTION und „Whiskey In The Jar“), die leider alle etwas belanglos klingen, muss ich sagen. Ich habe die Band jedenfalls deutlich bissiger und zupackender in Erinnerung. Naja, vielleicht leiden die Jungs (und ihre Gastsängerin) einfach unter der Hitze und sind beim nächsten Mal geiler.

Strecker: Der Donnerstag ist für mich der schönste Tage auf dem Wacken Open Air. Beim Frühstück können schon die ersten Konzerteindrücke vom Mittwoch ausgetauscht werden und vor allem beginnen die Konzerte am Donnerstag noch nicht so früh. Es bleibt daher Zeit, etwas im Camp rumzuhängen, eine Grillung zu veranstalten und das Frühstücksbier zu verdauen. So ist es auch an diesem Donnerstag und ich starte gegen 13:30 Uhr Richtung Beer Garden Stage. In den vergangenen Jahren habe ich diese Bühne immer erfolgreich gemieden. In diesem Jahr spielen dort aber einige interessante und gute Bands, u.a. The Waltons aus Berlin und die will ich sehen. Wie auch in den Wastelands wurde die Beer Garden Stage ausgebaut und aufgestockt. Dies sorgt für einen guten Sound und trotz der Bierzelt-Garnituren überall habe ich schon das Gefühl, ein Konzert zu sehen und eben nicht in einem Bierzelt zu sein. The Waltons machen Spaß und spielen neben eigenen Songs auch wieder ein paar Coversongs. Ich habe trotzdem das Gefühl, dass die Band mit angezogener Handbremse agiert und nicht so locker ist wie sonst. Keine Ahnung, was da los ist. Alles in allem war es ein solides Konzert. Ich hätte aber etwas mehr erwartet und weiß auch, dass die Band auch mehr kann. Nächstes Mal wieder.


DOKKEN


W:O:A


Philipp: Good old Don Dokken hat dasselbe Problem wie so mancher gealterte Sänger: Er kann nicht mehr so singen wie vor über dreißig Jahren. Aber im Gegensatz zu David Coverdale versucht er es auch gar nicht erst. Während Coverdale mit angestrengtem Gekreisch richtig schlimm klang, singt Don Dokken die Stücke etwas tiefer im Jim Morrison-Stil. Dazu überdecken seine Bandmitglieder die fehlende Power durch massive Backgroundvocals. Als positive Überraschung stellt sich Gitarrist Jon Levin heraus, der sein Instrument mal so richtig glühen lässt. Ich war skeptisch, ob sich George Lynch adäquat ersetzen lässt, aber dieser Typ schafft das! Sehr selbstbewusst agiert auch Schlagzeuger „Wild“ Mick Brown, der gleich die meisten Ansagen übernimmt (während Don Zeit zum Verschnaufen hat) und einen mörderischen Punch klopft. Somit habe ich mehr Spaß als erwartet und bange zu Nummern wie „Kiss Of Death“, „The Hunter“, „Into The Fire“, „Breaking The Chains“ (yeah!), „Dream Warriors“, „Alone Again“, „It’s Not Love“ und „In My Dreams”. Irgendwann fängt die Band noch an zu jammen und spielt unter anderem “The End” von THE DOORS an. Klar, in den Achtzigern waren DOKKEN stärker, aber diese Besetzung hat sich besser präsentiert als die beim letzten Wacken-Auftritt.

Stefan: Leider spielen Dokken heute nicht im Line up der 80er, wie sie es im letzten Jahr in Japan und USA getan haben. Das Fehlen von Gitarrist George Lynch ist allerdings heute weniger das Problem, da sein Ersatz Jon Levin seine Sache ausgezeichnet macht. Dem Namensgeber und Sänger Don Dokken merkt man sein Alter von 65 Jahren aber leider deutlich an. Die Höhen früherer Tage erreicht seine Stimme leider nicht mehr und die restlichen Bandmitglieder müssen durch ihre Backgroundchöre den einen oder anderen Part retten. Der Unterschied der körperlichen Frische zwischen ihm und dem anderen Originalmitglied, Mick Brown an den Drums, ist schon frappierend. Da die Setlist schön oldschoollastig ist und die Band insgesamt ordentlich Druck macht, überzeugt mich der Auftritt letztendlich doch. Schön mal wieder Songs wie z.B. "Dream Warriors" oder "It's not Love" live zu hören. Zur absoluten Begeisterung reicht es auf Grund der beschriebenen Fakten allerdings nicht.

Strecker: Mit einem frischen Bier, bot sich so an, schließlich war ich im Biergarten, geht es nun auf das Hauptgelände und dort vor die Faster Stage. Dokken spielen bereits und ich bin etwas enttäuscht, dort nicht Jeff Pilsen und George Lynch zu sehen. Bassist Chris McCarvill und Gitarrist Jon Levin machen ihre Sache zwar gut und passen in die Band. Für mich gehören aber Jeff Pilson und natürlich George Lynch zu Dokken. Namensgeber Don Dokken ist gut bei Stimme - ist vielleicht etwas übertrieben, aber er singt und klingt nicht so schief und kraftlos, wie ich es erwartet hatte. Die Mitmusiker unterstützen ihn aber auch bei vielen Gesangsparts und so wird gut kaschiert, dass Don eben keine 20 mehr ist und die Stimme im Laufe der Jahre etwas gelitten hat. Gespielt werden die erwarteten Songs wie z.B. „Into the fire“, „Breakin the chains“ und „In my dreams“. Das Konzert passt zu dem sonnigen Nachmittag und ist unterhaltsam. Nochmal muss ich mir Dokken aber nicht angucken.
  

VINCE NEIL

Stefan: Als alter MÖTLEY CRÜE-Fan gebe ich heute VINCE NEIL solo mal eine Chance. Leider zahlt dieser mein Vertrauen nicht zurück. Ein großer Sänger war er ja noch nie, heute ist seine Stimme allerdings besonders quiekig. Der Sound ist jetzt auch nicht unbedingt der Hammer, weshalb der eigentlich gute Start mit "Dr. Feelgood", "Shout at the devil" und "Looks that kill" eher verpufft. Als besonders nervig empfinde ich allerdings den Drummer, der offensichtlich Aufmerksamkeit braucht. Permanent werden Stöcke jongliert, in die Höhe geworfen und (meistens) wieder aufgefangen, aufgesprungen, hingesetzt oder irgendwelche Verrenkungen gemacht. Nervig! Wir entschließen uns nach ein paar Songs den Rest aus der Distanz zu sehen bzw. zu hören und uns der Nahrungsaufnahme zu widmen. Dabei bekomme ich noch mit, dass wirklich das komplette Set aus MÖTLEY CRÜE Songs besteht. Leider wird das wirklich gute Soloalbum "Exposed" gänzlich übergangen. Ist heute aber wohl auch egal...


END ALL

Philipp: Eigentlich schade, dass ich es so selten schaffe, mir auch noch Bands im Rahmen des „Metal Battle“-Gedöns anzusehen. END ALL gehören dazu, sie sind aus Japan angereist. Der Bandname ist nicht zufällig gewählt, wie das Intro zeigt, denn das ist nämlich ein Auszug aus dem ANTHRAX-Smasher „Be All, End All“. Das Trio spielt knackig nach vorne donnernden Thrash Metal, kurioserweise dreht sich inhaltlich offenbar alles um Bier (ihre Facebookseite heißt konsequenterweise auch …endallbeer). Da haben TANKARD offenbar auch in Japan Spuren hinterlassen. Musikalisch sind frühe Thrashvibes zu spüren, ohne dass END ALL klar nach der einen speziellen Band klingen. Technisch fit, alles schön flott und es bleiben sogar diverse Gesangslinien hängen. Dazu sind alle drei die ganze Zeit am Grinsen und kommen megasympathisch rüber. Den Wettbewerb haben sie letztlich nicht gewonnen, der Gewinner heißt DIE FROM SORROW aus China.


DESERTED FEAR

Philipp: Eigentlich bin ich aber wegen DESTERTED FEAR ins Zelt gelatscht, die im Anschluss auch mächtig abliefern. Die vier Thüringer werden immer bekannter, ziehen immer mehr Leute und auch in Wacken ist es vor der Bühne richtig voll. Mit Recht, finde ich, denn DESERTED FEAR vermögen es, traditionellen Death Metal mit melodiöser Gitarrenarbeit auf ausgesprochen schmissige Weise darzubieten. Es macht Spaß, Drummer Simon Mengs bei seinem dynamischen Spiel zuzusehen und zuzuhören. Der Kerl scheint acht Arme zu besitzen und bangt dabei noch wie ein Verrückter. Flotte Tracks, Dampfwalzen und wenige fast doomige Elemente sorgen für Abwechslung. Das I-Tüpfelchen markieren die sympathischen Ansagen im breiten Thüringer Dialekt. Ich reihe mich in die Horden ein und schüttele ebenfalls meine Rübe.

Vincent: Um 16.30 Uhr erwarteten und die Death Metaller von Deserted Fear aus Thüringen auf der Zeltbühne der WET-Stage. Auf die Herren hatte ich mich sehr gefreut, hatten die Burschen doch in allen Reviews gute Kritiken bekommen. So kam dann auch, was kommen musste… Midtempo Death der Marke Grave und Bolt Thrower. Der Sänger hatte seinen Spaß, war nur von der kurzen Spielzeit von 45 Minuten angepisst, ansonsten eine geile Show.


DIRKSCHNEIDER

Philipp: Nun hätte man im Zelt noch lohnenswerte Sachen wie GRUESOME oder VALLENFYRE sehen können, aber DIRKSCHNEIDER geht für mich eindeutig vor, markiert dieser Auftritt doch eine der letzten Chancen, UDO mit seinem ACCEPT-Programm zu sehen. Was ich noch gar nicht wusste: Mittlerweile hat sich die Band von Gitarrist Bill Hudson getrennt und als Ersatz keinen Geringeren als Ex-ACCEPT-Drummer und Ex-U.D.O.-Gitarrist Stefan Kaufmann rangeholt! Zwar nur für die Festivalsaison, aber das verleiht der ACCEPT-Setlist natürlich noch mehr Authentizität. Ich bin gespannt, ob die Stücke ähnlich nerdig ausgewählt worden sind wie für den zweiten Teil der „Back to the roots“-Tour. Tatsächlich sieht es zunächst danach aus, den DIRKSCHNEIDER beginnen mit „The Beast Inside“ und „Aiming High“. Danach switcht man aber doch zu den Überklassikern, was bei einem Festivalpublikum natürlich auch Sinn ergibt. Gut gelaunt und wie immer feist bei Stimme schmettert Udo „Midnight Mover“, „Living For Tonite“, „Princess Of The Dawn“, „Restless And Wild“, „Son Of A Bitch“, “London Leatherboys”, “Up To The Limit”, “Breaker”, “Screaming For A Love-Bite”, “Love Child” (yeah!), “Russian Roulette”, “Metal Heart”, “Fast As A Shark”, “I’m A Rebel” und “Balls To The Wall”. Bei keiner anderen Vorstellung des diesjährigen W:O:A-Festivals singt das Publikum lauter mit. Diese Chöre sind aber auch einfach unwiderstehlich! Die Band scheint jede Sekunde zu genießen, Sohnemann Dirkschneider gibt ordentlich Hüftgas – ich habe nichts zu meckern und freue mich auf das kommende U.D.O.-Album „Steelfactory“, welches ersten Ohrenzeugen zufolge ja viel von den Vibes dieser „Farewell To ACCEPT“-Geschichte enthalten soll.

Anke Bläck: Die Hitze lässt nicht wirklich nach am heutigen Tag und dass nun immer mehr Menschen vor die Faster Stage strömen, macht es nicht besser! Aber was soll´s – es ist nur allzu verständlich, denn nun kommt Herr Udo DIRKSCHNEIDER mit seiner Band – ein wahrer Stimmungsgarant! Trotz der Temperaturen wird mit 17 Songs und den bekannt anheizenden Ansagen („Seid ihr gut drauf??“ – „Seid ihr gut drauf???“ – „Wollt ihr noch mehr??“ – „Ihr wollt noch meeehr???“ - „Ihr seid waaahnsinnig!!!!“) eine amtliche Show geboten. Und auch wenn ich Udo jetzt schon des Öfteren gesehen habe, scheint sein Spaß an den Auftritten nicht abzunehmen. Mit geschlossenen Augen durchströmen ihn die Beats der Instrumente, gibt er zuckend und im Takt tretend die angestaute Energie an die Menge weiter, die vor der Bühne als dankbarer Abnehmer agiert. Songs wie Aiming High, Princess of the dawn, Restless and wild, London Leatherboys, Up to the limit, Breaker, Love child (um nur einige zu nennen) werden von Udo gewohnt druckvoll dargeboten und von den Leuten textsicher mitgegrölt, dazu der Boden bestampft, die Köpfe geschwungen und crowd gesurft. Zum Abschluss wird mit Balls to the walls DER Accept-Klassiker, quasi ihr „Highway to hell“, gespielt und damit nochmal ein gekonnter Schlussstrich gezogen! Künftig möchte Udo ja ausschließlich U.D.O.-Songs singen. Schade eigentlich, denn irgendwie gehören diese Songs und diese Stimme zusammen…

Strecker: Dass es auch anders geht als DOKKEN und man nach gefühlten 100 Jahren als Metalsänger trotzdem noch gut bei Stimme sein kann, zeigt Udo Dirkschneider, der mein nächster Anlaufpunkt ist. Mit einem Set, das ausschließlich aus Accept-Klassikern besteht, kann Dirkschneider nichts falsch machen und so werden Udo nebst Band vom ersten Song an gefeiert. Leider feiert meine Schuhsohle nicht mit und verabschiedet sich. Ich muss daher das Konzert frühzeitig verlassen (Weichei – ich weiß) und für einen Schuhwechsel zurück ins Camp. Scheiß Technik. Crowdfunding Aktion Schuhe für Strecker wird demnächst gestartet.


CONVERGE


CONVERGECONVERGE


Philipp: Boah, ich habe meine persönliche Running Order für den heutigen Tag unbewusst mit viel Bewegung verknüpft. So muss ich gar nicht erst zum Metal Yoga, auch gut. Nach DIRKSCHNEIDER es wieder straight zurück zum Zelt, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben CONVERGE sehe. Obwohl ich vier Alben der Band besitze uns sie seit langem mag, habe ich sie bisher immer verpasst. Der Auftritt wird so geil wie erhofft! Ich gucke mir so gut wie nie YouTube-Videos an (Verlust von Lebenszeit, in der man Vinyl hören kann), weiß also eigentlich nicht, wie CONVERGE auf der Bühne abgehen, aber beim Hören der Platten entwickelt man ja doch eine gewisse Vorstellung. Und CONVERGE habe ich mir GENAU SO vorgestellt! Sänger Jacob Bannon hechtet pausenlos durch die Gegend und man muss nicht erst auf die Leinwand gucken, um den Schweiß zu sehen, den er dabei bald verspritzt. Krass kommt auch dieser ratternde Stil des Schlagzeugers Ben Koller. Könnte man beim kurzen Reinhören zunächst den Eindruck einer reinen Krachattacke bekommen, entdeckt man bei längerer Spielzeit immer mehr Feinheiten im Bass- und Gitarrenspiel. Kurt Ballou und Nate Newton weben ganz schön viele Schweinereien in ihre Läufe, verpackt natürlich in ein noisiges Soundgewand. Mit „Concubine“ und „Dark Horse“ versetzen CONVERGE viele der Anwesenden in Rage, wobei auch die neuen Stücke von der mir noch unbekannten „The Dusk In Us“-Scheibe unbarmherzig reinknüppeln. Sehr intensiv!

Strecker: Mit neuem Schuhwerk geht es zur Headbangers Stage, die von Converge anständig zerlegt wird. Viel los ist zwar nicht im Zelt (Behemoth spielen zeitgleich), trotzdem entwickelt sich ein anständiger Moshpit und Band wie große Teile des Publikums verausgaben sich völlig. Funktioniert bei Songs wie „Reptilian“, „Dark Horse“ und „Concubine“ natürlich auch hervorragend. Haben Converge eigentlich schon mal in der Schaubude gespielt? (Ich bin ziemlich sicher, dass sie noch nie in der Bude waren. Anm. Red.)

CONVERGECONVERGE


CLOWNS


Philipp: Wie auch bei STIFF LITTLE FINGERS und CONVERGE ist es bei CLOWNS sicherlich ungewöhnlich, den Erstlivekontakt in Wacken zu machen, gerade als regelmäßiger Konzertgänger. Die Australier gewinnen jedoch heute viele neue Fans, da bin ich sicher. Denn die Band legt derartig heftig und spielfreudig los, dass nach wenigen Stücken wirklich alle Anwesenden komplett durchdrehen! Die Basis ist Hardcore/Punk mit einer gehörigen Portion räudigen Rock’n’Rolls. Der Sänger Stevie Williams klettert über die Absperrung und surft wiederholt über den Mob, selbstverständlich singt/schreit er dabei weiter. Die Stimme der Bassistin Hanny J klingt mindestens genau so versoffen und erzeugt sofortigen Bierdurst. Boah, sind die Gitarren geil! Boah, sind die Melodien cool! Boah, klingt diese Band frisch! Insgesamt eine super Balance aus Eingängigkeit, Rotzigkeit und totalem Abgehfaktor. Für mich die Entdeckung des Festivals, wobei ich natürlich von diversen Leuten schon erzählt bekommen hatte, wie gut CLOWNS live seien, ich bin ja nicht zufällig zur Beergarden Stage gelatscht.


BEHEMOTH

Vincent: Um 19:15 Uhr enterten die Polen von Behemoth die Bühne der Harder Stage. Black Metal bei Sonnenschein, mit Feuerfontänen und Blut. Ich gab ordentlich Gas, sodass sich ein Gast neben mir um meine Gesundheit sorgt, der Kandidat wäre in jedem Altenheim gut untergebracht gewesen, aber nicht bei dieser perfekten Show von Behemoth. Sänger Nergal war bei Stimme und präsentierte Songs vom neuen Album, wobei die alten Songs bei mir besser ankamen.


HATEBREED

HATEBREEDHATEBREED


Strecker: Nach dem Abriss von Converge habe ich irgendwie keinen Bock, mir Danzig anzugucken und gehe stattdessen zu Hatebreed, die auf der Louder Stage spielen. Im Vergleich zu Converge gehen Hatebreed etwas rudimentärer zu werke. Das Ergebnis im Publikum ist trotzdem dasselbe und nach kurzer Zeit entstehen Circle Pits und etliche Staubwolken. Bei Songs wie „I will be heard“ und natürlich „Destroy everything“ ist dies auch kein Wunder. Hatebreed sind sichtlich zufrieden mit ihrem Auftritt und hätten gerne noch etwas länger gespielt und das Publikum hätte auch gern noch etwas mehr von Hatebreed gehört. Der Stage Manager aber nicht, der macht der Band sehr gestenreich und unmissverständlich klar, dass das Konzert zu Ende ist und so verlassen Hatebreed unter dem Jubel der Fans die Bühne.


DANZIG


DANZIG


Philipp: Eigentlich hätten mich WATAIN und DYING FETUS jetzt mehr interessiert, aber ich will mir schon mal einen guten Platz auf dem Hauptgelände sichern. DANZIG schon mal von der Seite gucken und sich dabei immer näher an den Spielort JUDAS PRIESTs schieben. Man kann sagen, dass Glenn Danzig heute von Rob Halford deklassiert wird. Aber der Vergleich ist vielleicht auch unfair – ersterer ist schließlich nur der Schinkengott, letzterer der Metal God. Vor ein paar Jahren (2013) markierte der DANZIG-Auftritt samt MISFITS-Special ein Überraschungshighlight. An diese Qualität vermag die Band heute nicht anzuknüpfen, obwohl die Besetzung stark ist (Tommy Victor an der Gitarre, Johnny Kelly am Schlagzeug, Steve Zing am Bass). Der Meister wirkt in den Ansagen sehr heiser und ringt um Atem, man muss ihm aber zugutehalten, dass er während der Songs alles rausholt, was geht. So gelängen passable Versionen von „Twist Of Cain“, „Not Of This World“ oder „Am I Demon“, wenn Glenn nicht ständig (!) das Mikro an die Monitore hielte, sodass es zu furchtbaren Feedbacks kommt. Das nervt leider enorm. Etwas seltsam auch, dass „Mother“ nicht als letzte Zugabe kommt. Denn die danach gespielten „She Rides“ und „Snakes Of Christ“ hört sich kaum noch jemand an, die meisten wenden sich ab und haben nun Bock auf: PRIEST! PRIEST! PRIEST!

Anke Bläck: Zwar sind die meisten Besucher mental wahrscheinlich schon bei PRIEST, die gleich im Anschluss nebenan auf der Harder Stage spielen werden, doch nimmt man DANZIG als Anheizer gern mit, zumal hier Tommy Victor (PRONG) an der Gitarre dem Sound einen ordentlichen Push gibt! Gespielt werden insgesamt 15 Songs, davon doch einige von den ersten beiden Alben Danzig und Danzig II: Lucifuge (Twist of Cain, Not of This World, Am I Demon, Her Black Wings, Tired of Being Alive, Mother, Zugabe: She Rides, Snakes of Christ), aber zu Beginn auch „jüngere“ Stücke wie Eyes ripping fire und Devil on Hwy 9. Glenns Stimme klingt leider nicht mehr so schön arrogant und melodiös-leiernd wie einst und auch das typische Geschrei wirkt zum Teil Mitleid erregend. Die Ansagen sind heiser und auch etwas leise. Dennoch singt das Publikum bei den bekannten Stücken, vor allem natürlich bei Moooother, kräftig mit, was auch Glenn antreibt und beflügelt. Einen merkwürdigen Dämpfer gibt es zum Ende der Show: Als das Publikum gefragt wird, was es in der Zugabe denn noch gern höre möchte (Mother wurde bereits gespielt) und statt einer einhelligen Meinung nur vereinzelte Vorschläge von sich gibt, scheint Glenn etwas beleidigt zu sein und äußert so was wie „I don´t care – I play what I want“. Okaaay, dann lass dich nicht aufhalten…. Mittlerweile rückt der Großteil der Menge sowieso auf lauten Sohlen eine Stage weiter nach rechts. Das ist vielleicht nicht sehr respektvoll, aber auf einem Festival muss man Prioritäten setzen…

DANZIG


JUDAS PRIEST


JUDAS PRIEST

JUDAS PRIEST


Philipp:
Ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr es mich als alten PRIEST-Addict freut, die Band in ihrem x-ten Frühling zu sehen. Und das sowohl qualitativ als auch kommerziell. Natürlich: Es ist schade, dass wir nicht mehr das Gitarrenduo Tipton/Downing erleben können und besonders im Falle von Glenn Tipton auch traurig (Parkinson issen Abfukker). Aber Ritchie Faulkner tut der Band gut und ich bin sicher, dass sein Anteil an der Qualität von „Firepower“ hoch ist. Dasselbe gilt sicherlich für Andy Sneap, der sich interessanterweise auf der Bühne recht zurückhaltend verhält. Er überlässt Faulkner die Show, der das Ding auch die kompletten 90 Minuten lang rockt. Danach gibt’s keine Gitarrengottpose mehr, die ausgelassen wurde. Rob Halford ist in guter Form, sodass einer exzellenten Heavy-Metal-Abfahrt nichts im Wege steht. Bei hervorragendem Sound gönnen JUDAS PRIEST sich und uns eine geniale Setlist mit vielen Überraschungen. Ich habe es echt geschafft, allen Spoilern aus dem Weg zu gehen und gerate völlig aus dem Häuschen, als die Band auf „Firepower“ das Old School-Triple „Grinder“, „Sinner“ und „The Ripper“ folgen lässt. Fast jeder Song wird durch geschmackvolle Filme und Bilder auf der Leinwand im Rücken der Bühne begleitet. Echte Überraschungen stellen „Bloodstone“ und vor allem „Saints In Hell“ dar, die sehr gut gespielt werden und für Wahnsinnsatmosphäre sorgen. Ich hab es nicht nachgeprüft, aber ich lese/höre wiederholt, dass „Saints Of Hell“ noch NIE im Liveset der Band gewesen sei. Auch „Tyrant“, „Freewheel Burning“ und „Night Comes Down“ sind nicht gerade Standards, insofern muss man JUDAS PRIEST großes Lob aussprechen, nicht auf Nummer Sicher zu gehen. Die Setlist hätte aber auch komplett anders aussehen können und wäre immer noch grandios gewesen. Die unfasslich reiche Discografie ist eben das, was PRIEST von jedem noch so guten Newcomer unterscheidet. Am Schluss hagelt es natürlich Hits – „You’ve Got Another Thing Comin‘“, „Hell Bent For Leather“ (Rob auffer Harley), „Painkiller“, “Metal Gods”, “Breaking The Law” und “Living After Midnight”. Zu den letzteren drei Songs gesellt sich Glenn Tipton auf die Bühne, was natürlich ein emotionales Highlight setzt und für Jubel beim schwitzenden Publikum sorgt. Ein Triumphzug, eine Heavy-Metal-Vollbedienung, wie sie nach dem Abschied von BLACK SABBATH wirklich nur noch IRON MAIDEN bieten können. PRIEST! PRIEST! PRIEST!

Anke Bläck: Seit einem Jahr freue ich mich auf diesen Auftritt! Aufgrund des Alters von Rob bin ich zwar auch ein klinzekleinwenig verhalten, doch wie sich schnell rausstellt völlig zu Unrecht! Gleich von Beginn an schmettert er in seinem herrlich aufgemotzten Metal-Outfit (gold-glänzende Jacke mit Fransen und vielen Nieten) die Songs lässig und souverän von der Harder Stage. Auch der Sound lässt keine Wünsche offen und von mir aus könnten sie bis morgens um 6 Uhr durchspielen – Material gäbe es ja genug! Ihre Wahl für diesen legendären Abend fällt auf 18 Songs, die sich auf Alben der letzten fünf Jahrzehnte (unglaublich!) befinden. Los geht es mit dem namensgebenden Titel des aktuellen Albums Firepower, welcher von den Massen aber ebenso gefeiert wird, wie später die „Klassiker“ Grinder, Sinner, The ripper, Turbo lover, Tyrant oder auch die Zugaben Metal gods, Breaking the law und Living after midnight. Echt überrascht bin ich davon, dass Rob auch schnelle, hohe Stücke wie Freewheel Burning und Painkiller bringt, vor allem wenn man bedenkt, wie sich andere ähnlich betagte Herren im Alter stimmlich entwickelt haben. Dieser Kelch scheint glücklicherweise an ihm vorüber zu ziehen. Oder lasse ich mich einfach von dem Outfit und dem ganzen Spektakel drum herum blenden??? Ich denke nicht! Es ist alles in allem einfach eine richtig gelungene Show mit grandiosen Musikern, zigtausenden Fans, die Bock haben, einer toll zusammengestellten Setlist, passenden Filmchen im Hintergrund und durch den Auftritt von Glenn Tipton am Ende sogar noch mit einem emotionalen Sahnehäubchen versehen. Dieses 90 min-Nachtmahl ging einfach viel zu schnell vorbei und ich habe immer noch Hunger!!!     PRIEST! PRIEST! PRIEST!

Stefan: Nach der grandiosen neuen Scheibe "Firepower" ist die Vorfreude auf JUDAS PRIEST immens. Und in diesem Fall werden alle Erwartungen erfüllt! Im ersten Moment ist es zwar etwas befremdlich, weder K.K. Downing noch Glenn Tipton an der Gitarre zu sehen, allerdings machen Richie Faulkner und Andy Sneap ihre Sache wirklich gut. Faulkner ist ja schon seit einigen Jahren gut in die Band integriert und kaum noch wegzudenken. Er bewegt sich fast immer am vorderen Bühnenrand, wohingegen Andy Sneap sich eher zurückhält. Spielerisch ist der Mann aber natürlich in der Lage, den erkrankten Glenn Tipton vollwertig zu ersetzen. Über allen thront natürlich der Metal God! Rob Halford, mittlerweile auch 66, singt nach einem Tief vor ca. 10 Jahren seit einiger Zeit wieder wirklich gut. Der Sound ist Bombe und die Setlist ist grandios. Insgesamt 18 Songs aus fast der kompletten Schaffensperiode der Band. Diesmal werden neben den obligatorischen Standards wie bspw. "Metal Gods", "Breaking the law" oder "Painkiller" selten bis nie gespielte Perlen wie "Sinner", "Bloodstone", "Night comes down", "Tyrant" oder "Saints in hell" gespielt. Unfassbar welche Schätze diese Band immer wieder ausgraben kann! Emotionaler Höhepunkt ist das Mitwirken von Glenn Tipton beim Zugabeblock. Ganz großes Kino. So gut ich auch Bands jüngeren Datums finde, wenn nach SABBATH irgendwann auch noch MAIDEN und PRIEST abtreten sollten, entsteht eine ganz große Lücke. Bis dahin sollte man, wenn möglich, jede Möglichkeit wahrnehmen und genießen. Und jetzt alle: PRIEST PRIEST PRIEST

Vincent: Judas Priest waren am heutigen Tage Headliner, auf der Harder Stage. Um 22:30 Uhr stand der Metal Gott Rob Halford persönlich auf der Bühne und erwartet seinen Zuhörer mit Liedern vom aktuellen Album „Firepower“. Es war voll und wir hatten Mühe einen guten Sichtplatz zu finden. Herr Halford zockte Songs aus seiner Musikgeschichte wie „Grinder“, „Painkiller“, „Breaking The Law“ und auch ganz alte Sachen.. Nach ca. zwei Stunden war die Show des Judas Priest vorbei und ich muss sagen …… Der Herr Halford mit seinen 72 Jahren kann immer noch rocken, Stimmlage stimmte, nur den Blickkontakt zum Publikum konnte er nicht halten. (Hä? Also, mir hat er sogar zugezwinkert. Anmerkung Red.) Nach dieser Show wurde in der Dorfstraße in Wacken noch lange gegrillt, sodass wir die Show des Norwegers Gaahls Wyrd verpassten.


DYING FETUS


DYING FETUSDYING FETUS


Strecker: Ich mache mich wieder auf den Weg zurück zu der W:E:T Stage, um mir dort Dying Fetus anzugucken. Obwohl Judas Priest gerade auf der Hauptbühne spielen, ist das Zelt gut gefüllt und man merkt Dying Fetus an, dass sie davon überrascht und erfreut sind. Los geht es mit „Wrong one to fuck with“ gefolgt von „Panic amongst the herd“. Ich bin immer wieder fasziniert davon zu sehen, wie locker und entspannt Dying Fetus die komplexen Songs spielen. Mit „Praise the lord (opium of the masses)“ ist nach nur sechs Songs schon wieder Schluss. Schade, ich gerne noch ein paar mehr Songs gehört. Ich bin ohnehin der Meinung, dass den Bands, die im Zelt spielen, etwas mehr Spielzeit zugestanden werden sollte. Spielzeiten zwischen 30 und 45 Minuten sind ganz schön kurz. Dann lieber zwei Bands weniger pro Tag und dafür längere Spielzeiten.


SARKE


SARKESARKE


Strecker: Weiter ging es mit Sarke, der Band um „Nocturno Culto“. Entweder hatten Sarke zu viel Sonne abbekommen oder zu viel alkoholische Getränke. Zumindest wirkt die Band träge und lustlos und versucht gar nicht erst beim Publikum einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mich überzeugt es nicht und ich gehe Richtung Hauptgelände, um mir noch den Rest von Judas Priest anzugucken. Wie das ganze Konzert war berichten meine Kollegen. 



SARKE


Camp

Kommentare   

+2 #1 Philipp 2018-09-03 08:23
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