HEADBANGERS OPEN AIR XXI / 27.07.2018 – Brande-Hörnerkirchen, Tach 2

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Philipp: Morgens dann der Schock: Eben noch gut gelaunt und erfrischt vom Duschen, spricht mich eine Gruppe von Leuten an, ob ich „das mit Mark Shelton“ schon gehört habe. Nach näherer Erläuterung weigere ich mich kurz, das Gesagte zu glauben, er hat doch „gerade eben“ noch auf der Bühne gestanden. Doch die Hoffnung auf ein Missverständnis oder ein haltloses Gerücht zerschlägt sich schnell, als Mitglieder der Festivalcrew von der Bühne aus die tragische Nachricht verkünden. In der Folge wird sensibel mit dem Thema umgegangen. Eine Spendenbox wird am Tresen aufgestellt, in welcher sich schnell ein vierstelliger Betrag sammelt. Und von jeder Band gibt es einige Worte, um Mark Shelton zu ehren. Angekündigt wird auch eine Art Trauergedenken, das Ex-RUNNING-WILD-Mitglied Preacher halten werde. Das Ding verpasse ich später knapp, er soll aber sehr würdevoll und angemessen gesprochen haben.

Review von Siggi Sick und Philipp Wolter, Fotos von Jan ML folgen.


PSYCHOPRISM


Philipp: Die Stimmung ist zunächst etwas gedämpft, aber schnell wird eigentlich allen klar, dass es jetzt gilt, weiterzurocken. Denn wenn ein Mensch stirbt, der sein Leben dem Rock’n’Roll gewidmet hat, wäre es höchst widersinnig, gerade jetzt nicht dieser Musik zu huldigen.

PSYCHOPRISM erwarte nicht nur ich mit Spannung, sind sie doch im aktuellen DEAF FOREVER im US-Metal-Special „Neue Helden“ vertreten und von Lars Schuckar mit CRIMSON GLORY und frühen QUEENSRYCHE verglichen worden, ergänzt um „ausschweifende Gitarrenläufe und Neoclassic-Soli der Impellitteri/Malmsteen-Klasse“. Das trifft es gut. Der Fünfer aus New Jersey kann dem progressiven US Power Metal zugeordnet werden, Sänger Jess Rittgers klingt in der Tat wie eine Mischung aus Midnight (R.I.P.!) und dem jungen Geoff Tate. Dazu kommen ein gnadenlos schreddernder Klampfer (Bill Visser) und ein Keyboarder (Adam Peterson), welche die Songs interessanterweise nicht einfach zukleistern, sondern vielschichtiger ausgestalten. Trotz aller Zauberei haben es PSYCHOPRISM drauf, mitreißende Kompositionen mit Killermelodien zu kreieren und auch live umzusetzen. Der Bühnenbereich füllt sich amtlich und am Merchstand geht einiges. Auch ich kann nicht anders und ernte ein Exemplar der „Creation“-CD ab.

Siggi: Nach einem ausschweifenden Frühstück...cocktails schön bunt;kamen wir sofort auf dem Level der ersten Band am Freitag Psychoprism nagelten den Heavy Powerthrash volle Pulle rein... allen voran der Guitar Schredder from hell.. was der Kerl hier morgens um 12 Uhr abgefeuert hat ,War schon derb,vollfette 6 finger griffbrett virtuose ala Satriani,Vai,Michael Angelo Batio usw.. dazu eine gute Power Metal Band die gut abgegrangen ist.. Sänger gut Straight im Groove .. also ne amtliche Sache- fettes Like Button drücken


SYRUS

Philipp: SYRUS! Ein Name, der seit 1984 durch die Fanzines geistert, der es aber bis vor kurzem nur auf zwei Demos 1986 und 1987 gebracht hat. Dennoch hatte dieser Name durch die stilistische Nähe zu LETHAL, QUEENSRYCHE oder FATES WARNING immer einen guten Klang und wurde assoziiert mit einer Phase, in der Ray Alder bei ihnen gesungen hat. Dazu hatten Bands aus Texas irgendwie einen guten Ruf, woran WATCHTOWER, JUGGERNAUT, HELSTAR oder SOLITUDE AETURNUS nicht ganz unschuldig waren. Seit 2014 ist die Texas Metal Legende zurück, konnte letztes Jahr mit dem „Tales Of War“-Album hervorragende Kritiken einfahren. So, lange Einleitung, daher gleich zur Frage, wie SYRUS denn nun live auf dem HOA delivern: Sie räumen völlig ab und werden von nicht wenigen Besucher*innen später als eines der absoluten Highlights genannt. Die Band spielt in einem herrlichen Flow, erzeugt eine völlig eigenständige Atmosphäre. Wie erwartet handelt es sich um ausnahmslos hervorragende Musiker, die aber den technischen Aspekt nicht über Gebühr in den Vordergrund stellen. Mich begeistert der recht neue Sänger (er ist noch nicht auf „Tales Of War“ zu hören), der optisch etwas an Mick Jagger in jung mit Farrah-Fawcett-Frise erinnert, aber ziemlich sicher besser als beide singt. Der Gitarrensound klingt in meinen Ohren perfekt – genau SO sollten sich Heavy Metal-Gitarren anhören, nämlich so richtig schön sägend und heavy, ohne dabei zu fett oder gar klinisch zu wirken. Begeisterung!


ANCIENT EMPIRE


Philipp: ANCIENT EMPIRE stellen DIE Überraschung des Tages, vielleicht des gesamten Festivals dar! Von dieser Band hatte ich noch nichts gehört und bin wie die meisten Besucher*innen auf Anhieb geflasht. Leider warte ich bis zum dritten Song, als ich endlich zum Merchstand gehe, um hier zuzuschlagen. Zu spät! Die Band hat bereits in den ersten 10 Minuten sämtliche mitgebrachten Tonträger verkauft. Ich ärgere mich aber nicht, sondern freue mich für ANCIENT EMPIRE, die mit ihrem flotten und geradlinigen Heavy Metal auf offene Ohren stoßen. JUDAS PRIEST und ICED EARTH kommen mir in den Sinn. Die Songs sind zwar einfach aufgebaut, aber mit derart knackigen Riffs und treffsicheren Hooks versehen, dass die Freude groß ist. In der Gitarrenarbeit registriere ich einen early SCORPIONS-Einschlag, sehr geschmackvoll umgesetzt. Hinter der Band steckt übrigens HELLHOUND-Gitarrist/Sänger Joe Liszt, der mit ebenjener Truppe auf dem KEEP IT TRUE 2011 leicht thrashigen US/Power Metal gezockt hatte. Ich muss sagen, dass ich ANCIENT EMPIRE deutlich stärker finde.


TRANCE

Philipp: Dass TRANCE überhaupt spielen, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn hier hätte eigentlich MANILLA ROAD-Schlagzeuger Neudi am Kit sitzen sollen, was ihm aber nun nachvollziehbarerweise heute nicht möglich ist. Da Neudi generell nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann (obwohl es manchmal so scheint…), spielen TRANCE häufig mit Alternativdrummer Jens Gellner, der allerdings offenbar gerade andere Verpflichtungen hat. Aber TRANCE zeigen sich äußerst flexibel, arbeiten sie doch auch mit Gründungsmitglied Jürgen Baum. Und dieser war eh als FoH-Mann soundmäßig eingeplant. Dennoch ist dieser Einsatz bemerkenswert, denn Jürgen erfährt erst 10 Minuten vor Abfahrt von der Sache, springt hier also spontan und völlig ohne Probenvorbereitung ein. Davon hört man beim Gig original nichts! Unfassbar gut ist außerdem der junge Sänger Nick Holleman, der die Unterkiefer dutzendfach runterklappen lässt und während der Songs des Öfteren Szenenapplaus erhält. Was für ein Sänger! Erfreulich finde ich dabei, dass Holleman nie aufgesetzt, selbstverliebt oder „drüber“ wirkt, vielmehr strahlt er Leidenschaft aus und singt mit Herzblut. Da kicken Klassiker wie „Loser“, „Heavy Metal Queen“, „Break Out“, „Shock Power“ oder „Burn The Ice“ mal so richtig, werden vom durchdrehenden Gartenmob laut mitgesungen. Die 1979 gegründete Legende um Originalmitglieder Markus Berger (g) und Thomas Klein (b) übertrifft damit meine Erwartungen deutlich. Als alter Hörer hatte ich natürlich eh schon Bock auf diesen Auftritt, mit so einer Power-Performance hatte ich aber nicht gerechnet. Übrigens überzeugen auch die Songs des aktuellen Albums „The Loser Strikes Back“, sodass mit TRANCE unbedingt weiterhin zu rechnen ist. Geil!


DESTINY


Philipp: DESTINY haben es danach nicht einfach, das muss man klar sagen. Nach vier richtig guten Bands gönnen sich viele Leute ein Päuschen. Die Schweden können durch ihre Gründung 1982 zwar durchaus als kleine Legende bezeichnet werden, hatten aber viele Besetzungs- und Stilwechsel. Ich besitze lediglich das 1988er Album „Atomic Winter“, welches ich mir damals aufgrund des genialen Covers von IRON MAIDEN-Zeichner Derek Riggs gekauft habe und mag es vor allem wegen des knurrigen Gesangs Zenny Hanssons, der aber leider seit den späten Neunzigern nicht mehr an Bord ist. Der neue Sänger Jonas Heidgert ist seit 2012 dabei und klingt völlig anders, womit ich mich erst mal arrangieren muss. Die Band ist immer noch gut, klingt aber etwas unauffälliger. Heidgert hat ohne Frage eine gute Röhre, ragt aber nicht so klar aus dem Meer der Metalsirenen hervor wie sein erwähnter Vorgänger (der nur einer von fünf ist). Dennoch besitzen viele von DESTINYs Songs Qualitäten, die an Bands wie METAL CHURCH, SAVATAGE oder CANDLEMASS erinnern. Und ein Brecher wie „Bermuda“ bleibt ein Brecher. Insofern bin ich froh, DESTINY endlich gesehen zu haben.


SORCERER


Philipp: Viele hatten sich wie gesagt eine Pause gegönnt, aber zu SORCERER füllt sich das Gelände jetzt fast bis zum Maximum. Die Band hat mit „The Crowning Of The Fire King“ eines der besten Doomalben 2017 rausgehauen (viele sagen: DAS beste) und die Erwartungen sind dementsprechend hoch. Sie werden voll erfüllt! Die Gitarren braten schwer und weben ein Netz aus schon magisch zu nennenden Doom-Riffs, unterstützt von einem zum Bangen versklavenden Takt. Über allem thront der DIO-artige Gesang von Anders Engberg, der bei Songs wie „Sirens“, „Ship Of Doom“ oder „The Crowning Of The Fire King“ Gänsehaut im Quadratmeterformat erzeugt. Wer bei den Zeilen „Save us from the threats of danger / He holds the scepter to the sky / Burning flames seen by diviners / The crowning of the fire king” nicht die unsichtbaren Orangen in seinen Pranken gen Himmel erhebt, dem/der sei mein Mitleid versichert. Aber SORCERER existieren seit 1988 und können mit „The Sorcerer“, „The Dark Tower Of The Sorcerer“ oder „Lake Of The Lost Souls“ auch mit älterem Material überzeugen. In der Band zockt übrigens Johnny Hagel den Bass, den viele noch von seiner Zeit bei TIAMAT kennen sollten (das war 1992 bis 1996). Heftiges Highlight!

Siggi: Power Metal Band die gut abgeliefert hat..teils Balladen im Metal Sumpf mit Double Guitar Abstürze ,die Band ganz in Schwarz brachte ein kraftvolles Set amtlichen Heavy Rock das es in sich hatte..


TKO


Siggi: Die 80 ziger US Metal Band TKO auf dem HOA.. Super Stimme auch..kultige Band aus der damals nicht endenden Flut von geilem California Metal ,wer den US Metal,Glam,Sleaze Usw gehört hat feiert das heute auch noch ab.. coole Band..super Guitar schredding..geile songs und die backline auf 110 Prozent..ja TKO haben monstersound Gefahren,hab mich gleich wie in einem Club in L.A 1986 gefühlt..,Auf die 80 ties Bitch,yeah

Philipp: Yes, baby! Ich bin tatsächlich sehr überrascht, wie gut der Gitarrist spielt. Mir war aber auch entgangen, dass hier mittlerweile (seit 2017) Kendall Bechtel die Gitarre bedient – und ja, das ist der geniale Klampfer von FIFTH ANGEL! (Side-Note: Kendall Bechtel singt tatsächlich genauso gut, wie er Gitarre spielt und wird auf dem kommenden dritten Album von FIFTH ANGEL mit Lead Vocals und Gitarre vertreten sein. Ich habe einen Song gehört: klingt grandios.) Brad Sinsel hat hier personell also super aufgestockt, zumal auch die anderen Bandmitglieder Evan Sheeley (Bass, Q5, NIGHTSHADE, heute ohne Iro-Helm…) und Jeffrey McCormack (Drums, Q5, HEIR APPARENT…) souverän abliefern. Auch wenn Alben wie „In Your Face“ und „Below The Belt“ eher aus der dritten Reihe stammen, enthalten sie doch gute Songs, die unterhaltsam dargeboten werden. „I Wanna Fight“ könnte sogar als kleiner Underground-Hit durchgehen, zu dem dann auch viele Fäuste hochgehen. Gar noch besser gefallen mir persönlich das ironische „So This Is Rock’n’Roll“, „All I Want To Do“ und „I Can Do Without You“. Das “Born To Be Wild”-Cover hätten die Jungs sich allerdings sparen können. Egal, coole Nummer und noch ‘ne alte Legende, hinter deren Namen man ‘nen Haken machen kann.


TANKARD


Philipp: Hatte ich gesagt, dass sich bei SORCERER das Gelände bis zum Maximum gefüllt hat? Es zeigt sich mal wieder: Es geht immer noch voller (Doppeldeutigkeit beabsichtigt). TANKARD hieven die Meute nochmal auf ein ganz anderes Stimmungslevel. Die Temperaturen sind ganz leicht gesunken und so können die Leute deutlich agiler abgehen. Es erhebt sich eine formidable Dreckswolke, die vom Geraffel vor der Bühne aufgewirbelt wird. Gerre ist gut drauf, erzählt schön viel Quatsch, weist zum Beispiel darauf hin, dass wir eigentlich heute diesen Blutmond hätten bestaunen können, statt Bier zu trinken und Heavy Metal Bands zuzugucken. Passend dazu zockt die Band dann das geile „Minds On The Moon“ vom unterschätzten 1995er Album „The Tankard“. Überhaupt stützt sich die Setlist nicht mehr ausschließlich auf die absoluten Klassiker, sondern wildert in der reichen Discografie der Frankfurter. „Rapid Fire (A Tyrant’s Elegy)“, „Rules For Fools“, „R.I.B. (Rest In Beer)”, “Rectifier” oder “A Girl Called Cerveza” halten den Pit ständig in Bewegung, was ich sehr erfrischend finde. Natürlich geht zum Finale zu „Chemical Invasion“, „Freibier“ und „(Empty) Tankard“ noch krasser der Ratz ab (Gerre: „Der Song hat schon gar keinen Titel mehr, den nennen die meisten nur noch Rum-da-dum-da, dum-da, dum-da, dum-da, dum-da, dum-da…“). Immer wieder ein großer Spaß!


LOUDNESS


Siggi: Also wenn ihr den Begriff Tightness nicht versteht,oder in einer Band spielt und noch den Rhythmus sucht..Stop-- Loudness Konzert Sehen..Diese Band ist Live besser als auf Platte,unfassbare Perfection in riffing, ragging ,rumbling .. die band harmonierte in bass drums Gesang in einer anderen Liga..-Messerscharfe guitarattacken von Akira Tagasaki obendrauf ,er gehört zu den besten in der Zunft,er schreddert euch ein neues Loch in den A...,Also wer den Metal wirklich Live mit spielfreude spüren will,kommt an Loudmess nicht vorbei.. Metal als Kunst ... das lohnt sich

Philipp: Unbedingt, Kollege! Kurios ist natürlich, dass LOUDNESS bereits letztes Jahr auf dem HEADBANGERS OPEN AIR gespielt haben, was es meines Wissens bisher noch nicht gab. Aber da man bis vor einigen Jahren 30 Jahre lang auf LOUDNESS warten musste (ich jedenfalls), kann mir diese Band nicht über werden. Zumal die Japaner auf höchstem Level abliefern! Bei vielen Bands, deren Gründung auf die 70er zurückgeht, muss man ja mittlerweile doch einige Defizite hinnehmen, gerade beim Gesang. LOUDNESS hingegen sind hervorragend in Form und überzeugen in allen Belangen. Ich merke es manchmal erst mitten im Song, dass ich seit Minuten wie ein Flummi auf- und abhüpfe. Ja, LOUDNESS erreichen mich immer wieder, Songs wie „In The Mirror“, „The Law Of Devil’s Land“, „Sleepless Night“, „Crazy Doctor“, “Milky Way” (heul), “Esper” (totale Rasur!) oder “Heavy Chains” gehören zu meiner musikalischen Sozialisation, die sind schon in meine Gene eingedrungen, glaub ich. Am Ende weichen LOUDNESS kurz vom Programm der Klassikersetlist aus „Disillusion“ und „The Law…“ ab, spielen zwei, drei aktuelle Stücke (gut, aber nicht so magisch wie die oben erwähnten Songs), um dann mit „S.D.I.“ noch mal alle zum Ausrasten zu bewegen. Es sind erstaunlich viele Besucher*innen auf dem Gelände geblieben bzw. zurückgekommen (hätte ja auch sein können, dass viele nach TANKARD nur noch Zeltparty feiern), schön, schön.

Legendärer Tag! Ich hatte von den neun Bands SIEBEN vorher noch nicht gesehen. Der Samstag wird eher Bekanntes bringen, was aber nicht heißt, dass es weniger geil werden würde! Stay tuned – TBC…
Eingereicht von Philipp

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