HEADBANGERS OPEN AIR XXI / 26.07.2018 – Brande-Hörnerkirchen, Tach 1

4.575

Philipp: Die diesjährige Auflage des HOA wird in mehrfacher Hinsicht in die Geschichte eingehen. Einerseits durch das sensationell hohe qualitative Level der Konzerte, vielleicht auch durch die fast drei Tage währende Hitze, aber vor allem durch den tragischen Tod Mark „The Shark“ Sheltons. Der Gründer, Gitarrist und Sänger von MANILLA ROAD wurde nur 60 Jahre alt. Beim Auftritt, der weiter unten natürlich ausführlich reviewt wird, war für Außenstehende nichts zu bemerken, aber noch in der Nacht erlitt Mark Shelton einen Herzinfarkt und verstarb im Elmshorner Krankenhaus. Bereits während des Festivals wurde eine Spendenbox aufgestellt, um der Familie bzw. Mark Sheltons Mutter bei den immensen Kosten für die Rückführung von Marks sterblichen Überresten sowie für seine Beerdigung zu helfen, eine Crowdfunding-Kampagne läuft jetzt auch weiterhin. Bis jetzt wurden 35.000 Dollar gespendet, welche diese Kosten offenbar immer noch nicht ganz decken. Allen Angehörigen sei unser tiefstes Mitgefühl ausgesprochen. Die weltweiten Reaktionen auf diesen Todesfall unterstreichen, dass wir mit Mark Shelton eine Legende verloren haben, die nie vergessen werden wird. MAY THE LORDS OF LIGHT BE WITH HIM!

https://www.gofundme.com/mark-shelton-rip

Review von Siggi Sick und Philipp Wolter, Fotos von Jan ML folgen.


Philipp: Am Donnerstag ist von alldem natürlich noch nichts zu erahnen und so rammen wir gut gelaunt unsere Heringe in den verdorrten Boden. Unser strategisch gut gewähltes Plätzchen neben einem riesigen Baum bringt uns den Namen SCHATTENCAMP ein. Die Nerven sind natürlich erst wirklich beruhigt, als wir unsere Bänder haben, eine kurze Geländebegehung zelebrieren (neu: Zauberstäbe zum Anmalen; ein Zelt mit Badezubern, in denen später wirklich immer mehrere Leute gemeinsam sitzen) und wir unsere Duschtermine klären können (leider auch hier ein Trauerfall: Die Duschen werden seit Jahren von einem Ehepaar betreut, mit dem man immer ‘nen guten Schnack beim Warten hatte – leider ist die Frau, Petra, vor einiger Zeit verstorben. Ihr Witwer Jürgen zieht weiter durch und wird hart von uns gedrückt). So schaffen wir es gerade noch rechtzeitig zur ersten Band.

Siggi: HOA 2018 der Acker ist heiss und wir müssen mehr Trinken..praktisch jeder läuft mit bierbecher rum.. superhitze und gute Bands viele Bekannte wieder dabei.. coole neue Metal Bands bringen den Sound in eine neue Runde... Heavy Metal will Never die yeah


SHADOWBANE


Philipp: Diese postapokalyptischen Power Metaller aus Hamburg sind für VULTURE eingesprungen. Ich habe die Jungs bereits letztes Jahr auf dem MELTDOWN gesehen, bin aber baff, wie sehr sich SHADOWBANE seitdem gesteigert haben. Nicht nur das Schattencamp ist von seinen Fast-Namensvettern angetan, vielmehr füllt sich das Gelände vor der Bühne schon überraschend früh und bald erklingen gar Publikumschöre, die den Bandnamen skandieren. Das liegt zum einen sicherlich an der kompromisslosen Art, mit der SHADOWBANE im High Speed durchziehen, zum anderen an den eingängigen Melodien ihrer Songs. Sänger Stefan kommt mit seinem bis zum Bauchnabel reichenden V-Ausschnitt zwar nicht ganz so postapokalyptisch rüber, singt aber super – und zur Unterstützung eben dieses visuellen Aspektes kommt ein Gasmaskenheini auf die Bühne und schwenkt eine Flagge mit dem Radioaktivitätssymbol. Insgesamt kann man von einem sehr starken Opener sprechen, der auch dementsprechend gefeiert wird.


SPEED QUEEN

Philipp: Whoa, SPEED QUEEN sind ja auf Platte schon geil, rotzen dir live aber eine noch dickere Brosche auf die Kutte! Der belgische Fünfer spielt entfesselt auf, wirbelt konstant über die Bühnenbretter, sodass man rein von der Action her schon an EVIL INVADERS denken muss. Mit „King Of The Road“, „Speed Queen“ oder „Fly High“ zwingt man die Bangerhorden förmlich zum Durchdrehen, schon die Titel verweisen übrigens darauf, dass Geschwindigkeit ganz oben auf der Interessenliste der Band steht. Das unterstreicht auch das ROSE TATTOO-Cover „Nice Boys Don’t Play Rock’n’Roll“, welches im Affenzahn den Garten rasiert, ohne den Esprit des Originals missen zu lassen. Aber die fünf Heavy-Metal-Posterboys haben sogar noch ein Ass im Ärmel und präsentieren mit UFOs „Doctor, Doctor“ eine weitere Fremdkomposition. Angesichts der Tatsache, dass SPEED QUEEN bisher erst eine EP draußen haben, gehen zwei Coversongs aus meiner Sicht absolut klar. Wenn die Band so weitermacht, kann sie noch einiges reißen, der HOA-Mob dreht jedenfalls vollständig frei, und das trotz der Hitze und der frühen Uhrzeit!


SEAX


Philipp: SEAX schlagen in dieselbe Kerbe wie SPEED QUEEN und haben ihr zweites Album nicht umsonst „Speed Metal Mania“ (2016) getauft. Ich liebe das Ding in allen Facetten angefangen vom Schwarz-Weiß-Cover mit den Metalpunk-Zombies druff über die räudige Produktion bis hin zu den Killersongs „Speed Forever“, „Leather And Spikes“, „Forged By Metal“, „Fall To The Hammer“ oder „Nuclear Overdose“. Diese Typen sind definitiv „high on metal“ und sehen mit ihren auf die Lederjacken gehauenen Nieten auch genau so aus. Besonders der Sänger Carmine Blades gibt bewegungstechnisch alles und springt gegen Ende des Sets von der Bühne, um die ersten Reihen aufzumischen. Erste Circle Pits wirbeln durch Brande-Hörnerkirchen, später werden diese bei TANKARD und DARKNESS noch intensiviert werden. Die US-Speedster sind selbst Die-Hard-Fans und im Grunde das gesamte weitere Festival über vor der Bühne anzutreffen, sie zelten auch zwischen den anderen Freaks. SEAX sind vergleichbar mit der Geschwindigkeit von EVIL INVADERS, dem Dengelfaktor von EXCITER und der Hitdichte von RAZOR. Wieder mal darf man erfreut feststellen, dass zu den Höhepunkten des Festivals unbedingt auch einige neue Bands zu zählen sind. Danach debattieren diverse Leute darüber, wer nun geiler war, SPEED QUEEN oder SEAX. Die Meinungen teilen sich 50:50 – ich enthalte mich einer Entscheidung und sage faulerweise schlicht: beide super!

Siggi: Leder Nieten high Screams..Metal pur.. die junge Band aus usa hatte richtig bock ihren 80 ties Style heavy metal abzuschmettern.. immer wieder passend die hohen Spitzen schreie vom Sänger...das mag ich.. live hat das Spass gemacht..schnell agressive Metal Party...ging mal gut ab .. und werde die Band mal im Netz ein wenig Stalken nach guten Video Clips... live reinziehen ... das lohnt sich...
 

RAVAGE

Philipp: Gitarrist Eli Firicano kann gleich auf der Bühne bleiben, zockt er doch sowohl bei SEAX als auch bei RAVAGE. Ich hab richtig Bock, denn das Album „The End Of Tomorrow“ habe ich 2009 derbe oft gehört und seitdem kann ich diverse Stücke der Band im Schlaf mitsummen. Auch live arbeitet die Band das heraus, was ich an ihrem Stil besonders mag: Man könnte sie als Thrash Metal bezeichnen, der aber seine Roots noch tief bei JUDAS PRIEST, SAXON und diversen NWoBHM-Sachen hat. Immer wieder fräst sich ein von Al Firicano geil gescreamter Chorus in deine Rübe. Allerdings begeht der gern auch Al Ravage genannte Frontmann auch gleich drei meiner persönlichen Sänger-No-Gos, nämlich erstens den ganzen Auftritt über Kaugummi zu kauen, zweitens eine Sonnenbrille zu tragen (ich muss den Ausdruck in den Augen sehen, gerade bei Sänger*innen) und drittens seine Haare zu einem Zopf gebunden zu haben, statt sie bangenderweise fliegen zu lassen. Naja, alles auch wumpe und Erbsenzählerei, denn während „Grapes Of Wrath“, „Spectral Rider“ oder „Freedom Fighter“ spüre ich, wie sich eine erbauliche Heavy Metal Heat in mir aufbaut, die sich endgültig im manisch gesungenen und sich stetig steigernden „The Shredder“ entlädt. „The Shredder! The Shredder! THE SHREDDER! Ugh!“

Siggi: Gutes geschredere von guitarist..harte solies und gute Band die richtig reinklopften ..auch eine relativ junge Band aus den 90 ties , die sich dem 80 ..90 Power Metal in eine neue Heftige thrash Metal Generation begibt..geil Thumbs ub ..check it


BLAZON STONE

Philipp: Erster richtiger Auftritt überhaupt für unsere schwedischen RUNNING WILD-Worshipper! (Es gab wohl lediglich eine Art Aufwärmshow in ihrer Heimatstadt Sandviken.) Ich muss meine gesamte Hood doch gehörig zu einem zeitigen Aufbruch antreiben, gilt es doch, kein Sekündchen zu verpassen. Schließlich sind alle bisherigen Releases „Return To Port Royal“, „No Sign Of Glory“, „War Of The Roses“, “Ready For Boarding” und “Down In The Dark” ein gigantischer Spaß mit diversen Songwriting-Volltreffern, die sich auf Augenhöhe mit RUNNING WILD zu besten Zeiten bewegen. Über fehlende Eigenständigkeit zu meckern, finde ich hier müßig, das ist nicht die Intention dieser Band. Gespannt bin ich aber, ob sie souverän rüberkommen und die Qualität der Platten auch live umsetzen. Das bestätigt sich ziemlich schnell. Mainman Cederick Forsberg, der ja auf den Tonträgern fast alle Instrumente einspielt und in x Projekten aktiv ist/war (ROCKA ROLLAS, CLOVEN ALTAR, RUNELORD, STEELWING…), hat eine schlagkräftige Live-Besetzung zusammengestellt. Es stellt sich heraus, dass Sänger Erik Forsberg nicht mehr zu BLAZON STONE gehört (siehe auch den Kommentar von Cedereick Forsberg unter diesem Artikel). Das ist erst mal schade, finde ich diesen doch noch ein wenig stärker als den Vorgänger Georgi Peychev, weil Erik eine eigenständigere Stimmfarbe mitbringt. Aber der aktuelle Live-Sänger Philip Forsell (von der Band ANTHAM) klingt ihm sehr ähnlich und macht seine Sache sehr gut. Bei einigen Songs scheint der Gute ab und zu noch auf Textblätter gucken zu müssen, ansonsten liefert er aber astrein ab und ich spüre, wie mir immer wieder ‘ne Gänsehaut über den Body krabbelt. Sowohl die flotten Fistraiser als auch die epischen Longtracks gelingen BLAZON STONE sehr gut. Es ist nicht so, dass hier Riffs „geklaut“ werden, sondern im Rahmen des RUNNING WILD-Universums neue Songs kreiert werden, die mal Einflüsse wie die typischen non-stop rollenden Gitarrenlicks betonen, mal hymnenhafte Refrains mit Langzeitgarantie in den Garten wuchten, alles mit viel Energie. Fire The canonns!

Siggi: Schweden geballer ..ja genau Fette Double Guitar Solo auf's Maul Performance das dir das Bier in den halz austrocknet vor lauter Freude über das herrliche soundwand.. Ja das war mal richtig schnelle METAL music ... auch HIER ein check shit out von mir

 
MANILLA ROAD      

Philipp: Heute Mittag hatte ich mit einem jungen Headbanger gesprochen, der den MANILLA-ROAD-Schädel fett auf dem Oberarm tätowiert trägt. Durchaus exemplarisch für eine neue Generation von Fans, welche die US-Legende in den letzten zehn, fünfzehn Jahren für sich gewinnen konnte. Bei aller Tragik muss man sehen, dass MANILLA ROAD auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken können, waren sie doch außerordentlich produktiv und beständig auf Tour. Allein seit den Nuller Jahren haben sie neun Longplayer veröffentlicht, waren Headliner und Co-Headliner auf wichtigen Undergroundfestivals wie KEEP IT TRUE, HEADBANGERS OPEN AIR, MUSKELROCK oder UP THE HAMMERS (hier bei DreMu findet ihr mindestens sechs Live-Reviews von Clubshows in Hamburg, Itzehoe, Brooklyn und Festivalauftritten). Mein Highlight unter den von mir miterlebten Konzerten war der dreistündige Auftritt in Itzehoe 2013, und heute gerät die Nacht ähnlich magisch. MANILLA ROAD beginnen mit mächtigen, epischen Songs, steigern sich im Lauf des Konzerts immer mehr und ziehen das zahlreich erschienene Publikum in ihren Bann. Die Stimmung ist fantastisch, besonders gegen Ende singen gefühlt alle Anwesenden aus voller Kehle mit. Wie immer singt Bryan Patrick das Gros der Stücke, aber auch Mark Shelton streut wiederholt Gesangseinlagen ein (früher hat Mark alle Stücke gesungen, sich aber seit 2002 dazu entschieden, den Gesang zu großen Teilen einem anderen Sänger zu überlassen, da er sonst aufgrund der Doppelbelastung von Gitarre und Gesang seine Stimme zu verlieren drohe). Beide ergänzen sich wie gewohnt exzellent, Bryan Patrick singt auch die alten Songs aus den Achtzigern sehr ähnlich wie Shelton. Neudi liefert ein tolles, sehr kraftvolles Drumming, der noch relativ frische Bassist Phil Ross (seit 2016) passt in jeglicher Hinsicht gut zur Band. Die finalen Songs reißen mich regelrecht in einen Fistbanging-Mania- und Mitsing-Rausch, denn darunter befinden sich roh und gefühlvoll gespielte Versionen von „Crystal Logic“, „Flaming Metal Systems“ und „Necropolis“. Ohne irgendetwas zu ahnen, haben viele das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben und äußern das auch.

REST EASY, MARK SHELTON!


MORGANA LEFAY


Philipp: Die Neunziger Konzerte von MORGANA LEFAY waren wilde, schweißgetränkte Abfahrten von einer Band, die wie kaum eine andere pure Spielfreude verkörpert hat. Ich bin daher sehr erfreut über diese Reunion, die ja auch schon seit 2012 läuft. Die Schweden vermögen dann tatsächlich, an ihre damaligen Qualitäten anzuknüpfen. Der Auftritt verläuft nicht ganz so wild und over the top wie die legendären Shows in der Hamburger Markthalle, aber anbrennen lassen Peter Grehn, Tony Eriksson, Charles Rytkönen und Co. ganz gewiss nichts. Die Verbindung vom knallharten, fast thrashigen Riffing und der hochmelodischen Stimme Rytkönens (mich erinnert er etwas an Jon Oliva) kommt immer noch äußerst reizvoll. Obendrein rufen MORGANA LEFAY nachdrücklich in Erinnerung, wie viele Hits sie bereits geschrieben haben. „Hollow“, „Rooms Of Sleep“, „The Source Of Pain“, „To Isengard“ und „In The Court Of The Crimson King“ stampfen mit zwingender Heaviness den Garten platt. Es ist eine der wenigen Bands, bei der ich fast durchgängiges Midtempo nicht irgendwann langweilig finde. Dazu sind die Gesangslinien einfach zu geil, die Songs zu clever arrangiert. Obwohl vielen Leuten die Hitze schwer zu schaffen macht (irgendwie wird es auch jetzt am Abend nicht so wirklich kühl), raffen sich alle noch einmal auf, als Charles Rytkönen fragt, welche letzte Zugabe wir noch hören wollten. Das ist eindeutig: „Maleficium!“ Den Refrain hat hiier jede*r drauf: „Magic knowledge / Ancient secret rituals / Black forbidden / Maleficium – Male Male! Maleficium!“

Ein Festivalauftakt ohne schwache Band. Nach einer ausgiebigen Tagesanalyse geht’s in die „Rooms Of Sleep“. TBC!
Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
+3 #1 Philipp 2018-08-01 09:22
"Bei Seax und RAvage war sogar der geiche Schlagzeuger aktiv. Wahrscheinlic der härteste Typ des FEstivals bei den Temperaturen."
(Hinweis von Lasse Bodenstein. Danke! :) )
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+3 #2 Cederick Forsberg 2018-08-10 14:44
Hello... Thanks for the nice Blazon Stone review, but there's some serious mistakes about the singer.

#1 The live singer is PHILIP FORSELL (from the band Antham) and a temporary hired vocalist since I don't have a full time singer at the moment.

#2 Erik Forsberg who was singing on "War Of The Roses" and "Down In The Dark" is NOT my brother, I didn't even know him before he was hired to record vocals for the albums.

Please fix this, because this is very misleading for readers.

Thanks otherwise! :lol:
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+2 #3 Philipp 2018-08-12 14:22
Thanx for these informations, Cederick. I fixed this.

You're welcome.
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