WILWARIN 2017, 02./03.06.2017 - Ellerdorf, am Arsch der Heide, Bericht II

1. Tag

Nach ein paar Jahren Pause gönne ich mir mal wieder das Wilwarin, das erste Mal seit Ewigkeiten nur als Gast und nicht als Helfer, das Alter und die einsetzende Vernunft? Keine Ahnung, Frühbucherticket eingepackt, Bus geliehen (vielen Dank nochmal), los geht’s.


Das Wetter lässt nicht zu wünschen übrig und in der Mittagshitze drängen sich alle in den wenigen Schattenplätzen. Los geht’s auf der Reggae-Stage um 14:00 Uhr. Erstmal ohne uns.


Teile der Bezugsgruppe wollen allerdings die erste Live-Band des Tages um 15:15 Uhr sehen, GORDON SHUMWAY eröffnen den bunten Reigen. Aus Gründen reiße ich auch diesen Termin und nehme mir schon jetzt einen Besuch an der Jungen Bühne zur Kieler Woche vor (Freitag 23.6. 22:45 Uhr [war da, 2-Mann-Rumpel-Punk, hmm, weiß nicht so recht]).


Zu EDGAR R. Bin ich dann endlich da, aber packen will mich der Screamo der Schleswiger(?) nicht wirklich. Und die Bühnen-Wanderei geht los. Da alle im Zeitplan sind, noch ohne zeitlichen Überscheidungen bei den Bands. An den anderen Plattenaufleger-Bühnen laufe ich zwar regelmäßig vorbei, höre aber nichts wirklich Ansprechendes.


LYGO kommen mit einigen Vorschusslorbeeren bzw. muss die Band einen schweren „Hype-Rucksack“ schultern. Schafft es allerdings mühelos die Anwesenden in ihren Bann zu ziehen. Auch irgendwie Screamo, aber von der guten Sorte, gerade wenn einem die Rachut-Bands zusagen. Wäre ich bloß schon vorher zum Schaubuden-Konzert gegangen...


Das erste Highlight auf das sich alle einigen können folgt dann in Gestalt von WONK UNIT. Die Ansagen des Sängers im breitesten Not-the-Queens-English sind in etwa genauso lang wie die folgenden Lieder. Gerne zitiert er auch mal den gesamten Text schon im Vorwege. Schlicht und einfach: PUNK! Und wenn der Posaunist von Snuff sich noch dazu gesellt: echt guter Punk!


Auf dem Rückweg zum Camp noch kurz die MUTANT REAVERS auf der Skate-Bühne angecheckt und für nicht mein Fall befunden.


Dann erstmal schnell die Veggie-Griller im Camp verhaftet um gestärkt zu TSCHAIKA 21/6 wieder aufzulaufen, leider nur die letzten Songs gesehen, aber das war schon ganz feines Gefrickel an Gitarre und den Drums. Waren ja auch schon im Bunker in Gaarden, die Band ist jedenfalls rundum zu empfehlen.


Über RUMBA DE BODAS bereite ich mal den Mantel des Schweigens, zur Überbrückung bis zu WAVING THE GUNS reicht's. Die sind dann im politischen HipHop unterwegs und machen nicht nur mir sehr viel Spaß. Erstaunlich viele textsichere junge Menschen treiben sich im Second Ground herum. Nächstes Mal in der Meierei bin ich dabei. [Äh, habe ich im Dezember nicht geschafft]


KAPITÄN KORSAKOV war dann wieder nicht so meins. Bei PEELANDER Z habe ich dann das Schlimmste befürchtet: Eine total alberne Band die niemand Ernst nehmen kann und deswegen total nervt. Es kommt natürlich ganz anders: Eine total alberne Band die niemand Ernst nehmen kann, die auch gerade deswegen die Second Stage rockt und alle im Publikum mit dem breitesten Grinsen in die Nacht entlässt. Aber ich greife vor. Vier durchgeknallte JapanerInnen in echt albernen Kostümen stürmen die Bühne, machen alle Ansagen in feinstem Japanese-Pidgin-English und sind sich auch nicht zu Schade mit großen Schildern Texte zum Mitsingen oder andere MitMachAktionen auf die Menge loszulassen. Schon beeindruckend wenn Dutzende vorne die Tigerkralle machen oder das Peelander Z-Logo nachformen. Die Zeit vergeht jedenfalls im Fluge. Zum Schluss werden noch alle Instrumente an Menschen aus dem Publikum vergeben, während die Band im Publikum verschwindet. Crazee Mathafackas, diese Japaner. Da muss wohl was im Wasser sein. Unterhaltsamste Band des Wochenendes jedenfalls.


FATONI dann eher wieder was für die Kids. Also stolpere ich müde im immer noch schön warmen Dunkel gen Camp. Da sind noch alle wach (bis auf die meisten Kinder) und wollen auch noch los in Richtung SCHEISSE MINNELLI. Scheiß was auf müde, da geh ich doch mit. Zumal ich einer Freundin versprochen habe, dass das Verhalten im Pit auf dem Wilwarin immer frauenfreundlich und von Rücksicht auf alle geprägt ist. Uiiuiui Tiffy, da hatte ich aber zu tun, um das Versprechen wahr zu machen. Aber mit dem Stützpfeiler in der Mitte auf einer Seite und fleißigem Blocken auf der anderen ging das schon. Die Band war wie immer super und seeeeehr voll!


2.Tag

Punkrockyoga um 11:00 Uhr, ist das wirklich noch Punkrock um die Uhrzeit? Also ich hab's nicht geschafft.


13:30 Uhr DAS GERHARD HANSEN QUINTETT auf der Skate-Stage mit konsequenter Umsetzung von großen Schlagern in kleine Punksongs. Das haben die Hosen und die Leeren Versprechungen früher auch schon mal gemacht, aber so Scheiße wie Gerhard und seine Jungs sahen sie dabei nicht aus, dazu noch der sehr norddeutsche Humor, also alles richtig gemacht. Platz 1 bei Dieter-Thomas Heck, 5x dabei, bitte nicht wiederwählen.


Bis 19:00 Uhr mit the mighty DEPRAVATION, war dann Leerlauf angesagt. Selbstbezeichnung: Blackened metallic Hardcore. Genau das gab's dann auch für alt und für neu. Diese Band war von Anfang an schon absolute Extraklasse und ist mit jedem Gig, der in der Meierei zu bewundern war, noch besser geworden. Jetzt also der (vorläufige) Höhepunkt. Gna-den-los geil!


Waren das MOON HOOCH mit den zwei Saxofonen? Voll die Terrormucke!


Auf A PROJECTION (bekannt vom Ox-Sampler) schon im Vorwege am meisten gefreut und die skandinavischen Joy Division-Epigonen haben auch einen satten Auftritt hingelegt. Feinster Düster-Wave mit einem eckig tanzenden Sänger, der nicht nur die Stimmlage, sondern auch die Bewegungen von Herrn Curtis ganz prima drauf hatte. Könnte ich den ganzen Tag hören.


DEVILLE danach nur biedere Rockmusik, ganz im Gegensatz zu DISTRUZIONE!
Die spielten nämlich vor kleiner Mannschaft feinsten Schweden-Death der ganz alten Entombed-Schule, Texte komplett auf Italienisch. Brachial. Auch für mein Knie, das nach zwei Metern laufen im Circle Pit einen Tritt abbekam. Der Circle Pit war mein erster des Festivals und auch gleich wieder der letzte. Mein KNIIIEEE!!! Die anderen haben sich totgelacht, sowas nennt man Freunde...


Mit VITAMIN X kamen dann die Clever & Smart des Hardcore auf die Bühne. Was die alles für einen Scheiß ins Publikum geworfen haben...! Konfetti, Flitterkanonen und Diverses an Aufblasbarem, alles umrahmt von kurzen schnellen HC-Attacken, Spaßband!!


Es sollen ja noch KOBITO und SMOKE BLOW gespielt haben, aber der alte Mann wollte lieber sitzen und mit den Nachbarn plauschen. War schön dieses Jahr, kann ich mir nächstes Jahr wieder vorstellen... [Tja, auch das wird nicht wahr gemacht]
Eingereicht von Ingo.K

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