NAPALM DEATH, MORBITORY / 03.04.2018 – Hamburg, Knust

3.55

Es gibt wenige Bands, die ich derart häufig gesehen habe wie NAPALM DEATH und die es dabei schaffen, mich jedes Mal restlos zu begeistern! Die Band wirkt stets zu 100 % motiviert und reißt einfach alles weg. Obwohl sie im Grunde IMMER auf Tour zu sein scheint und diese nie endende Reise um die Welt höchstens mal unterbricht, um ein weiteres Album einzuhämmern, welches dann natürlich auch noch völlig genial ausfällt. Dieses Mal war ein Studioaufenthalt allerdings nicht nötig, denn die aktuelle Veröffentlichung „Coded Smears And More Uncommon Slurs“ ist ja eine Compilation obskurer Bonustracks. Eine gute Gelegenheit, mal ordentlich die Setlist durchzurütteln! Ob unsere Birminghamer Grind-Pioniere das wohl auch tun? Lass ma hin da und nachgucken!


Bilder von Jan ML folgen...
 

Das Knust ist bereits gut gefüllt, als wir nach einer erbaulichen Zugfahrt pünktlich dort eintreffen. Tatsächlich werden es heute deutlich mehr Besucher*innen als beim letzten Mal im Sommer 2017. Der Termin ist günstiger gelegen, denke ich mal. Neu im Knust: Die Garderobe ist jetzt oben, was ich als sehr viel angenehmer empfinde. Und was ich dabei zufällig entdecke: Oben gibt’s noch einen kleinen Tresen, bei dem man deutlich schneller bedient wird und der auch Mexikaner und Pfeffi im Angebot hat. Einfach die Treppe hoch schlumbumbern, ein Getränk abgreifen und wieder runter in den Pit. Ist ja paradiesisch!
 

MORBITORY aus Hamburg habe ich viel zu lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war Anfang 2016 auf diesem feinen HAMBURG KILLS-Fest. Natürlich spielen MORBITORY immer noch Old School Death Metal, und das ist gut so! Mir gefällt die Band heute wieder außerordentlich. Das Songwriting ist angenehm nachvollziehbar gehalten und lädt förmlich dazu ein, die Rübe zu schütteln. Im Grunde gibt es bei den Jungs vor allem zwei Tempi: Sehr schnell und sehr langsam. Die doomigen Parts gemahnen an BOLT-THROWER-Wucht und sind für mich ein gelungener Bestandteil des Songwritings. Was ich noch gar nicht bemerkt hatte: Der Basser sieht beim Bangen aus wie Terry Butler! Alte DEATH und MASSACRE sind eigentlich auch gleich eine weitere passende Referenz für den Stil MORBITORYs. Die Band kommt insgesamt sehr gut beim Mob an -  wer das Debut „Into The Morbitory“ noch nicht besitzt, dem sei es hiermit nochmal ausdrücklich empfohlen.
 

Die Umbaupause dauert nicht lange, die Napalm-Death-Musiker übernehmen den Line-Check übrigens selbst und zack! geht’s auch schon los. Immer noch ist unklar, ob und wann Mitch zurückkommt, und an der Gitarre ist weiterhin John Cooke, der seinen Kollegen würdig vertritt. Die Band ist wie gewohnt von Null auf Hundert voll da. Barney spackt über die Bühne, NAPALM DEATH brennen alles nieder und vor der Bühne rasten die ersten Loite aus. Aber wenn es überhaupt möglich ist, dann finde ich den Auftritt heute noch etwas geiler als sonst. Die Band wirkt sehr gelöst, sehr gut gelaunt. Barney geht fast auf jeden Zwischenrufer ein und beantwortet Songwünsche mit einem „Later, my friend!“, einem „Sorry, not today, we threw this from the setlist just three days ago. Gotta keep things interesting, you know?“ oder einem “Definitely later! This one comes always in the end!” Kollege Börbel überrascht den Schreihals sogar mit einem derart obskuren Songtitel, dass Barney erst kurz in seinem Hirnkasten kramen muss und dann mit einem erstaunten „Ah!“ signalisiert, dass er das Ding nicht sofort auf der Kette hatte. Was haben NAPALM DEATH aber nicht auch schon an Songs veröffentlicht! Heute gibt es einige Biester von der erwähnten Compilation, lange nicht gehörte Killer und natürlich ein paar Must-Play-Songs. Und so wüten „Smash A Single Digit“, „Standardization“, „Scum“, „Life?“, „Control“, „Suffer The Children“, das ANTI CIMEX-Cover “Victims Of A Bombraid”, “Breed To Breathe”, “How The Years Condemn” oder “Inside The Torn Apart” orkanartig über uns hinweg. Es gerät zur Herausforderung, die labberigen Bierbecher zu beschützen und nichts zu verkleckern, zumal von allen Seiten pogende Leiber heranfetzen und auch noch von oben Stagediver diese Mission erschweren. Super sind Barneys Ansagen gegen Faschismus und Konformität und auch hier wirkt nichts routiniert oder nur dahergesagt. Gleichzeitig ist auch immer Zeit für ein Augenzwinkern, zum Beispiel als nacheinander die Sekundeneruptionen „You Suffer“ und „Dead“ gespielt werden und Barney daraufhin appelliert: „Spot the difference!“ Für das größte Hallo sorgen natürlich das bereits erwähnte „Suffer The Children“ mit seinem Mahlstrom-Riff und die DEAD-KENNEDYS-Verbeugung „Nazi Punks Fuck Off!“ Respekt an alle Bandmitglieder! Es ist nicht selbstverständlich, was diese Band abzieht.
 

YOU SUFFER, BUT WHY?
Eingereicht von Philipp

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