SLEDGE, C.I.P., INTESTINAL INFECTION / 01.04.2018 – Kiel, Medusa

In den Tagen vor dieser Veranstaltung wurde ich ab und zu gefragt, ob ich nicht dieses Grindkonzert im Medusa veranstalte. Hier könnte eine gute Gelegenheit sein, das mal geradezurücken: Nein, Veranstalter war ein Kumpel aus Hamburg (Rolf von den THRASHING PUMPGUNS und EXIT SMASHED – zieht euch beide Bands unbedingt mal rein!), der mit den drei Bands auf Tour war und mich lediglich darum gebeten hatte, für dieses feine Krachspektakel etwas die Werbetrommel rühren. Dank geht zudem an Moe von SLYMER, der kurzfristig sein Drumset zur Verfügung gestellt hat. Hä? Wie kann dat denn sein, dass eine Band ohne Schlagzeug auf Tour geht? Nun, die Finnen von SLEDGE brauchen den Platz in ihrer Karre für… Schneeketten! Weiterer Dank auch an Dirk Sackers, der erst die Kasse gemacht hat und später am Abend durch sein charismatisches Bölken aus dem Hintergrund („great band – ohohohoho – great band!“) in der Lautstärke eines halben Fußballstadions für Power sorgte. Und an alle, die das Ding sonstwie unterstützt haben.


Grind Finale


Fotos von May-Britt

 

Vor Anpfiff ist es dann auch gut gefüllt, wozu sicher auch der faire Preis von 5,- Euro (3,- Euro für Arbeitslose) beigetragen hat. INTESTINAL INFECTION sind ein Trio aus Celle und nicht zu verwechseln mit einer ihrer Namensvettern (allein Metal Archives listet vier Bands mit diesem Namen und ordnet sie alle dem Grindcore/Brutal Death Metal zu). Da müssen sich die Jungs Zwischenrufe wie „Seid ihr die INTESTINAL INFECTION?“ wohl gefallen lassen. Die Freaks gibt es seit 1992, unzählige Split-VÖs garnieren ihren Weg, allerdings kein regulärer Longplayer. Typisch Grind halt. Leider haben sie keinen Bassisten dabei, was immer etwas schade ist und auch durch den kaputtesten Gitarrensound nicht kompensiert werden kann. Der Sänger trägt einen grauen Overall, sodass ihm eigentlich nur der Reifen unterm Arm fehlt, um den Eindruck zu komplettieren, dass er direkt aus der Werkstatt gestolpert kommt. Ungewöhnlich ist der Wechsel, den er von genreüblichen Growls und Röchlern zu einer Art Sprechgesang vornimmt (zusätzlich kreischt der Drummer). Die gesprochenen Passagen kommen nicht etwa mit Flow oder Rhythmen, wie sie im HipHop üblich sind, sondern werden eher wie zufällig hingeworfene Gedanken eines verwirrten Spaziergängers ohne weitere Betonung gesprochen. Find ich schon wieder geil. Knüppelt insgesamt gut rein, alles simpel und kurz gehalten, dazu Ansagen gegen Nazis, Ausbeutung und watnoch. Grind on, Kollege!


C.I.P. bieten einen recht ähnlichen Anblick: Auch hier handelt es sich um ein Trio ohne Bassisten. Der Gitarrist dieser Bremer Bauwagenpunks trägt als Halstattoo dieses Mädchen aus dem Exorzisten und wird Goldi genannt. C.I.P. legen mit recht hohem Energielevel los. Der Krawall, der da von der Bühne prasselt, ist auch ohne schmerzlich vermisstes Bassgedengel erheblich. Der Sänger wieselt vor der Bühne und zwischen den zuckenden Leibern umher. Kurzzeitig gibt’s einen Gitarren-/Amp-Abfukk, aber schon bald kann Goldi seine Klampfe weiter bearbeiten. Der Schlagzeuger gibt alles, ein Stick malträtiert die Snare ohne Unterlass im Nanosekundentakt. Der Kerl hat es sich auf dieser Tour ganz offensichtlich gutgehen lassen und bekommt nun die Quittung – nach jedem Song fragt man sich aufs Neue, ob er denn nun gleich vom Hocker fallen werde. Wie auch ihre Vorgänger sind C.I.P. sehr unterhaltsam! Den Anfang fand ich sogar spektakulär, gegen Ende stumpfen meine Sinne etwas ab gegen die permanente Attacke. Trotzdem super.


SLEDGE
 

Als mein Unterkiefer bereits bis auf den Fußboden runtergeklappt ist, kommt Rolf längs und meint: „Geil, oder? Die spielen bereits zusammen, seit sie acht sind!“ In der Tat: Leichtfüßiges und schlafwandlerisches Zusammenspiel macht den Fünfer (endlich: ein Bass!) aus Tampere aus. Flotter Thrash Metal mit punkigen Vibes rollt uns entgegen. Es ist ja bei finnischen (Metal-) Bands irgendwie üblich, klamaukige Kirmespassagen miteinzubauen. Das hält sich bei SLEDGE zum Glück in Grenzen. Die Kompositionen sind zwar sehr abwechslungsreich, weisen neben aggressiv geshouteten Vocals auch Klargesang-Pathos auf, gehen aber insgesamt doch erfreulich nach vorne. Der Drummer lässt die Bassdrum knattern, dass es eine Freude ist, gönnt sich nebenbei ein paar Werfspielchen mit den Sticks und zerballert gleich im dritten Stück ein Snarefell. Überzeugend auch die Gitarrenarbeit der beiden Saitenhasardeure, von denen übrigens einer dem jungen Danny Lilker verblüffend ähnlich sieht (Bonuspunkte für das Shirt mit dem Covermotiv des BLUE ÖYSTER CULT-Debuts). Auch die Optik stimmt: Der Bassist tanzt jede Note mit seinem Gesicht mit, während der Gitarrist links auf einem Effektpedal balanciert, während er soliert. THRRRRRRRRRRRRRRRRASH!


SLEDGE
 

Schönes Paket, ich wäre für eine Fortsetzung zu haben!
Eingereicht von Philipp

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