NOM, Überraschung, TYPHOON MOTOR DUDES, MOMS DEMAND ACTION / 02.02.2018 – Kiel, Medusa

4.55

Wer sich wundert, wieso ein derartiges Großereignis unbemerkt an ihm/ihr vorbeigezogen ist, dem/der sei gesagt, dass es sich auch um eine megageheime Überraschungsparty gehandelt hat. Und zwar für Schrammi, den bestimmt einige von euch kennen. Anlässlich seines 40. Geburtstags hat Meike für ihn diese Party organisiert und die entsprechenden Bands sowie Gäste eingeladen, ohne ihn zu informieren. Eine Superaktion, für die ich sogar auf das parallel in der Meierei stattfindende Death Metal-Happening mit GRAVEHAMMER und CRYPTIC BROOD verzichtet habe. Hoffentlich berichtet über letzteres Konzi jemand Anderes!


Vor dem Eingang hängt eine große 39, hinter der Bühne eine 40. Es wird also reingeballert. Während Schrammi noch vom Team Ablenkung durch irgendwelche Kneipen gezerrt wird, glühen die Gäste vor und malen Bilder von sich bzw. von Schrammi oder kleben mitgebrachte Fotos in ein Buch ein. Alles sehr liebevoll organisiert also. So ganz geheim ist die Party dann doch nicht geblieben, da jmd geleakt hat, aber Meike hat das Medusa vor Schrammi dann wohl als eine der Stationen der Kneipentour verkauft (oder verkaufen lassen). Von MOMS DEMAND ACTION muss mensch indes eh immer begeistert sein, egal wie hoch der Grad der Überraschung nun ist. Heute ist JoyBoys Orgel besonders dominant, was aber ganz cool kommt, stellt diese Nuance im MDA-Sound doch eine besonders verschrobene Note dar. Obwohl: Die Schu-hu-huu-Chöre kommen eigentlich mindestens genauso allerliebst. „True Metal ist das Geilste“ flasht mich mal wieder derbe, der bleibt hoffentlich noch in der Setlist, wenn MOMS DEMAND ACTION bereits fünf Longplayer veröffentlicht haben.
 

Einige Getränke später zocken die TYPHOON MOTOR DUDES. Ich überlege einen Song lang, welches Detail im heutigen Erscheinungsbild der Band mich bloß so irritiert. Irgendwas ist anders! Dann fällt es mir aber auf: Irgendwie guckt Ole schief aus der Wäsche und macht eine ungewohnt konzentriert-verkniffene Miene. Ob er etwas Schlechtgewordenes gegessen hat? Zum Glück ist der Gute aber lediglich ein wenig betüdelt. Passiert. Und führt zu der Frage, ob eigentlich Gäste oder Gastgeber betrunkener sein sollten. Durch diesen Umstand und einen nicht ganz optimalen Sound wirken die DUDES heute nicht so mächtig wie auf dem Weihnachts-/Geburtstagskonzert vor zwei Monaten in der Bude, wo sie 26 Songs bei Utrasound gezockt hatten (auch hier hoffe ich immer noch ein Review). Ist aber trotzdem ein extrem unterhaltsamer Auftritt, nicht zuletzt weil man Ole so herrlich beim Leiden zusehen kann. Als Cover gibt es eine sehr geile Version von THERAPY?s „Screamager“, was für mich ein willkommener Zufall ist, höre ich die „Troublegum“ seit zwei Wochen doch gerade rauf und runter. Schon witzig, dass TMD die Band auch gerade wiederentdeckt haben, das Album ist ja auch schon von 1994.
 

Dass Schrammi selbst auch in einer Band tätig ist, wusste ich gar nicht. Ich frage JoyBoy, wie die denn heißen. Der nu: „Schrammi hat mir den Namen gesagt, aber ich hab ihn wieder vergessen, was er genau so vorhergesagt hat. Daher sollte ich mir TOKIO HOTEL merken. Der echte Name klang so ähnlich.“ TOKIO HOTEL also, läuft als Name doch. Fast krasser als die Musik ist aber eine Personalie: Ist es ein Vogel? Ein fucking Flugzeug? Nein, da steht echt Herbert von den DISTURBERS am Bass, das ist somit sein erster Auftritt seit dem DISTURBERS-Abschied 2008! Die Musik ist erstaunlich schnell und wütend, Schrammi kreischt gefühlt ununterbrochen. Worum es wohl in den Texten geht? Schrammi stellt klar, dass die Band jedenfalls aus Bausparpunks in der Midlifecrisis bestehe. Ich glaube, irgendwann spielen sie ein BLACK-FLAG-Cover, vielleicht hätte ich das in dem Moment aber auch einfach gerne von ihnen gehört. TOKIO HOTEL? Die will ich wieder sehen! 
 

NOM sind mittlerweile auch echt lange am Start. Viele Bands werden da mit der Zeit langweiliger oder langsamer oder schlicht öder. Doch die nicht. Endlich gibt es mit „Savage Ritual“ eine Vinyl-LP von NOM (Review folgt…) und generell holen die auf dem Ding (und live erst Recht) die grobe Kelle raus! Das peitscht gewaltig nach vorne und hat nicht mehr viel mit den etwas drögen Stoner-Anfängen zu tun. Andererseits ist es auch kein Haudrauf-Affenhardcore, sondern punktet mit einschmeichelnden Gesangsmelodien und crazy licks. Wolle deckt gesanglich eine beeindruckende Breite ab, sodass eigentlich nur die Frage auftaucht, warum mit Kocher ein zusätzlicher Sänger eingesetzt wird. Der Koloss stapft vor der Bühne herum und lässt eigentlich nur selten mal ein kurzes „Uh!“ oder „Ah!“ hören. Aber eigentlich ist das ja auch schon wieder Punk: Warum muss jemand ein bestimmtes Instrument spielen oder besonders viele musikalische Farbtupfer einbringen können, wenn es ein Kumpel ist, den man in der Band haben möchte?
 

Denkwürdige Party, zum 80. würd ich wieder dabei sein.
Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
+4 #1 Tom GoStereo 2018-02-06 21:47
Geilste Ankündigung von Moe: "Gleich spielen noch 'NoM Cheri'..."
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+2 #2 Philipp 2018-02-06 22:13
Haha! Was ja wiederum auch eine geil spontane Reaktion auf Oles Dreher im Dank an "MOMS ACTION DEMAND" war.
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