AUDREY HORNE, DEAD CITY RUINS, MAGICK TOUCH / 28.01.2018 – Hamburg, Hafenklang

4.55

Mit „Blackout“ übertreffen AUDREY HORNE den etwas uninspiriert ausgefallenen Vorgänger „Pure Heavy“ um Längen. Noch ist es natürlich zu früh für eine nachhaltige Einordnung in die Discografie der Norweger, aber die Pole Position von „Youngblood“ ist zumindest in meiner persönlichen Hitlist gefährdet. Das Album strotzt vor Volltreffern und man spürt förmlich, dass diese Band jetzt noch stärker brennt als zuvor. Kein Wunder also, dass wir in einer vollbesetzten Karre gen Hamburch fahren und die netterweise von Helldriver HOA-Rick angebotenen Möhren verschmähen. Dieser Anlass verlangt nach Dosenbier!


Wie vorgestern sind wir früh gestartet, kommen aber mal knapp rechtzeitig an, um den Beginn von MAGICK TOUCH mitzubekommen. Es handelt sich um ein norwegisches Powertrio, dessen Albencover auf True Metal schließen lassen – was einen jedoch gezielt in die Irre führt. Auch der Titel der aktuellen LP „Blades, Chains, Whips & Fire“ erweckt Assoziationen zu GRAND MAGUS, ENFORCER etc. Doch tatsächlich zocken MAGICK TOUCH eher Rock’n’Roll mit Hardrock/Classic Rock-Schlagseite. Und das sehr gut! Die anfänglich noch typisch sonntägliche Stimmung steigt von Song zu Song. Auch wird es stetig voller und noch während der MAGICK-TOUCH-Show kann das Hafenklang „Ausverkauft“ melden. Die Bandmitglieder mögen es melodisch, heavy und haben sicher Plattensammlungen, aus denen man blind Knaller von THIN LIZZY über BOSTON bis KISS ziehen kann. Ja, es findet sich ab und zu ein leichter AOR-Einfluss in den Songs, was dafür sorgt, dass diese gleich ins Ohr flutschen. Ein guter Opener mit Zukunft; Rick verkündet auch gleich, dass er besagte Platte statt Spritgeld akzeptieren würde. Läuft natürlich.
 

Für eine handfeste Überraschung sorgen dann DEAD CITY RUINS! Auf dem 2015er Trip von AUDREY HORNE waren die Australier auch bereits Support und wir sind uns weitestgehend einig, sie als okay abgespeichert zu haben. (Ich schrieb damals: „Leider klingt der Sound noch irgendwie unvollständig.“) Aber gleich beim ersten Stück wird man Zeuge einer profunden Weiterentwicklung. Sänger Jake Wiffen hat eh sofort alle Sympathien auf seiner Seite, trägt er doch original so eine Fransenjacke wie der junge Ozzy Osbourne. Später entledigt er sich noch seines T-Shirts und es wird ein über den halben Oberkörper laufendes Tattoo sichtbar, dessen Motiv auf dem legendären Foto von Ozzy und Randy Rhoads basiert (-> „Randy Rhoads Tribute“). Noch wichtiger ist aber natürlich seine raumfüllende Stimme, mittels der sowohl bluesige Melancholie als auch Heavy-Metal-Energie transportiert werden. Immer wieder steigert sich der Kerl in markerschütternde Screams, die zu regelrechtem Szenenapplaus führen. Der Laden geht nach wenigen Songs mehr ab als bei manch einem „Headliner“. Da ich noch keine Platte der Band besitze (bis jetzt gibt’s zwei), kann ich nicht sagen, wie alt oder neu die Stücke sind, denke aber, dass man spätestens das kommende Album der Band mal anchecken sollte. DEAD CITY RUINS strahlen etwas Raues, Ursprüngliches aus, sind gleichzeitig als Liveband mittlerweile ein paar deutliche Schritte weitergekommen.
 

Letzter Tourtag. Ob AUDREY HORNE vielleicht etwas durchgefeiert sind und nur halbe Pulle fahren? Von wegen! Mit „This Is War“ zünden die fünf Tiere ein Rock’n’Roll-Feuerwerk, welches zur Zeit konkurrenzlos ist. Ohne Übertreibung: Mit diesem Songwriting können sich die Norweger doch mit den ganz Großen messen. „Audrevolution“ ist gleich einer der nächsten Singalong-Knaller der „Blackout“-LP, bevor „Out Of The City“ zeigt, dass natürlich auch „Pure Heavy“ seine Höhepunkte hatte. Die krassesten Reaktionen fahren aber die Klassiker „This Ends Here“, „Straight Into Your Grave“, „Redemption Blues“, „Blaze Of Ashes“ und „Pretty Little Sunshine“ ein. Wie wuchtig und leidenschaftlich werden die aber auch bitte gezockt! Ice Dale und Thomas Tofthagen lassen die Gitarren mit herrlichsten LIZZY-Leads glühen und reißen die Biester bei ungesund wirkenden Verrenkungen gen Hallendecke, immer wieder wird auch dem Synchron-Schlenkern gefrönt. Bassist Espen Lien steht dem im Grunde kaum nach, singt zudem (gefühlt) mehr Passagen mit als zuvor. Toschie trägt die Haare mittlerweile etwas kürzer, wischt sich aber immer noch alle fünf Minuten die jetzt imaginäre Tolle aus dem Gesicht. Haare mag er gelassen haben, die Stimme hat trotz Tourbelastung nichts an Ausdruck oder Volumen verloren. Was für ein Abriss! Habe ich eingangs geschrieben, dass „Pure Heavy“ etwas schwächer war? „Waiting For The Night“ und die Reaktionen darauf strafen mich Lügen – der Mob rastet aus. Am Ende springen Ice Dale und Tofthagen von der Bühne und brettern wild zwischen den Leuten weiter, hängen willkürlich ausgesuchten Besucher*innen die Klampfen um und bedanken sich später für "great audience and great guitar playing", haha – AUDREY HORNE sind nach wie vor ein spektakuläres und schweißtreibendes Rock’n’Roll-Erlebnis, bei dem ein ganz besonders energetischer Austausch zwischen Band und Publikum stattfindet. Werde ich mir wieder angucken.
Eingereicht von Philipp

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