ACCEPT, NIGHT DEMON / 12.01.2018 – Hamburg, Mehr! Theater

Schon bitter, wenn du bereits vor Betreten des Ladens die Gewissheit hast: Das Mehr Theater ist kein Wohlfühlladen. Eine imposante Schlange zieht sich über den Parkplatz vor dem Gebäude. Draußen gibt’s zwar auch einen Bierstand, aber bei Minustemperaturen und eisigem Wind ist das Ding dann nicht wirklich verlockend. Als man irgendwann aus weiter Ferne Einzelheiten erkennen kann,  sieht man, dass eine einzige Tür geöffnet ist, vor der ein Ordner akribisch Visitationen vornimmt. Eine Tür. Bei einer Veranstaltung mit ein paar tausend Besucher*innen. Natürlich – in Zeiten von Terroranschlägen muss darauf geachtet – blablabla. Aber besitzt diese Halle, die für Großveranstaltungen konzipiert wurde, nicht mehrere Eingänge?


ACCEPT


Fotos von Frank C. Dünnhaupt - http://wpphoto2017.duennhaupt.com/


 
Nun, anyway, irgendwann sind wir drinnen, haben gepullert, treffen nette Menschen und haben den ersten Humpen am Hals. NIGHT DEMON dürfen jetzt gern anfangen. Das tun sie dann auch, und wie! Dass Jarvis und seine Jungs mit dabei sind, macht diesen Abend erst zum legendären Ereignis. Denn gibt es eine bessere junge Heavy Metal Band? I say thee nay! Erfreulicherweise haben ACCEPT ihrem Support satte 45 Minuten Zeit gegönnt, sodass NIGHT DEMON hinreichend Rüben abzuschrauben vermögen.


NIGHT DEMONNIGHT DEMON


Los geht es mit dem ohne Pausen hingedonnerten Triple „Welcome To The Night“, „Full Speed Ahead“ und „Maiden Hell“ und falls es in der Halle Menschen geben sollte, die dies wirklich emotional gar kein Stück erreicht, so sind mir diese fremder als ein Alien aus einer anderen Galaxie. Hinderlich könnte höchstens der leider matschige Sound sein, der zum Glück auch nicht so unterirdisch ausfällt wie bei SEPULTURA im Vorprogramm von KREATOR letztes Jahr. Der Soundmensch bekommt die Lautstärke der Gitarre recht schnell besser hin (anfangs deutlich zu leise), aber der Drumsound überzeugt nicht, da die Snare ganz seltsam im Raum schwebt. So kommt die Tightness von Dusty Squires möglichweise in Erstkontakt-Ohren nicht zur Gänze an. Wenigstens ist Jarvis‘ Stimme klar und kraftvoll zu hören, sehr schön kommen auch die doppelstimmig zusammen mit Armand John Anthony gesungenen Refrains.


NIGHT DEMONNIGHT DEMON


„Hallowed Ground“, „Curse Of The Damned“ und „Heavy Metal Heat“ lassen immer mehr Fistraiser auf den Plan treten. Viele Besucher*innen dürften NIGHT DEMON endgültig im Sack haben, als Jarvis dem Golden Years-Line-Up von MOTÖRHEAD gedenkt und NIGHT DEMON in eine superbe Version von „Overkill“ einsteigen, die recht spontan in die Setlist genommen worden sein muss, ging die Nachricht vom Tod Fast Eddie Clarkes (R.I.P.!) doch just am Vortag um den verfickten Globus. Das Biest geht nach dem ersten Refrain in „Dawn Rider“ über, sehr schön gemacht. Ich bange jedenfalls durch, freue über weitere Faves wie „Black Widow“, „Screams In The Night“ und den Blutkelch-Kredenzer „The Chalice“. Ein weiterer Schritt in der Karriere von NIGHT DEMON ist getan – mögen noch viele weitere folgen!

NIGHT DEMON

 
Setlist:

Welcome To The Night
Full Speed Ahead
Maiden Hell
Hallowed Ground
Curse Of The Damned
Heavy Metal Heat
Overkill
Dawn Rider
Black Widow
Ritual
Screams In The Night
The Chalice
Night Demon


ACCEPT haben es geschafft, die große Hütte recht voll zu bekommen. Sie sind also mit ihrer jetzigen Bandphase fast so erfolgreich wie zu ihren Glanzzeiten. Die vier Alben mit Mark Tornillo sind allerdings auch stark, wobei mich Genosse Herb anlässlich meines Reviews zur Hamburger Show auf der „Blind Rage“-Tour zu Recht darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Texte nicht mehr so aussägekräftig und originell seien wie früher zu „Deaffy“-Zeiten. Das stimmt leider echt, auch die Coverartworks haben nicht mehr diese schräg-ironische Note wie früher. Ich sag nur „Balls To The Wall“-Cover und Texte wie „London Leatherboys“. Aber dennoch: Musikalisch sind ACCEPT unfasslich gut! Plötzlich ist der Sound dermaßen perfekt und dennoch so eindeutig organisch live, dass einem klar wird, dass die Band wahrscheinlich den halben Tag mit Soundcheck zugebracht hat. Messerscharf ledern sich Wolf Hoffmann und Uwe Lulis die Riffs aus den Handgelenken, gerade ersterer legt eine unverschämte Spielfreude an den Tag.


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Die neuen Bandmitglieder wirken mittlerweile nicht mehr wie Statisten, Christopher Williams geht gar als erster auf die Bühne und leitet mittels eines überdimensionierten Monstersticks den Opener „Die By the Sword“ ein, Lulis steht des Öfteren mit Hoffmann im Spotlight und bekommt diverse Soliparts. Im Fokus stehen aber natürlich Wolf Hoffmann, Peter Baltes und Mark Tornillo, der übrigens heute ganz hervorragend singt. Die Setlist ist exakt zwischen alten Klassikern und neuen Songs ausbalanciert – zehn ganz alte Stücke, eine „Überraschung“ aus den Neunzigern („Objection Overruled“, witzigerweise auch gerade aktuell in der DIRKSCHNEIDER-Setlist) und zehn „Tornillo“-Dinger, die zum großen Teil auf Augenhöhe mit den 80er-Krachern sind und tatsächlich für ordentlich Stimmung sorgen, z.B. der erwähnte Opener, „Pandemic“, „Teutonic Terror“, „Stalingrad“, „Analog Man“ (positive textliche Ausnahme, siehe oben) oder das schwer groovende „Koolaid“ (selten ließen AC/DC deutlicher grüßen).


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Die Chöre kommen gewaltig, wie bei NIGHT DEMON gibt es kaum Ansagen sondern Song auf Song auf Song. Die machen das schon genau richtig – kein großes Klimbim, kaum Solo-Einlagen (natürlich ein Hoffmann-Solo), sogar die großen Mitsingparts werden knapp gehalten (DIRKSCHNEIDER reizen das bei „Balls…“ und „Princess…“  deutlich länger aus). Hach ja, es gibt nichts zu meckern, das Konzert weist keine Längen auf und macht durchweg Laune. Und dennoch hat mich der olle Udo neulich mit der Nerd-Setlist noch mehr geflasht. Hoffen wir, dass uns beide Bands noch lange erhalten bleiben, eine weitere Reunion mit Udo halte ich für ausgeschlossen.
 

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Setlist:

Die By The Sword
Stalingrad
Restless And Wild
London Leatherboys
Breaker
The Rise Of Chaos
Koolaid
No Regrets
Analog Man
Final Journey
Shadow Soldiers
Gitarrensolo
Neon Nights
Princess Of The Dawn
Midnight Mover
Up To The Limit
Objection Overruled
Pandemic
Fast A Shark
Metal Heart
Teutonic Terror
Balls To The Wall  


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Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
+2 #1 Danu 2018-01-17 14:30
Sehr treffend beschrieben. Die Menschenschlang e war der Hammer! Richtig ätzend. Und Night Demon hatten besch... Licht. Einer der Fotografen hat beim zweiten Song abgebrochen. Bilder gibt's nur in blau, rot oder grün. Von vorne überhaupt kein Licht und mit Glück ein Blitzerchen vom Strobo, wo man etwas erkennen kann. Das Los einer Supportband. Jarvis & Co. haben sich nicht beirren lassen und das standesgemäß durchgezogen. Einfach nur geil. Hat irre Spaß gemacht! Accept natürlich auch.
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+1 #2 Philipp 2018-02-07 23:11
Jetzt mit Fotos von Frank C. Dünnhaupt. Danke, Frank!
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