NAZARETH, LUKE GASSER / 17.12.2017 – Kiel, Räucherei

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Über diesen Zusatztermin für NAZARETH habe ich mich besonders gefreut, da ich so am Vortag zum Abschiedskonzert der STUMBLING PINS gehen konnte, NAZARETH aber dennoch nicht verpassen muss. Über das angeblich konzertmüde Kieler Publikum wird ja häufig geschimpft, an diesem Wochenende zeigt sich Kiel aber sehr aktiv, denn auch dieses Zusatzkonzert ist ausverkauft. Nicht schlecht, und das an einem Sonntag!

 

Dementsprechend positiv ist die Stimmung, als der Schweizer Künstler LUKE GASSER loslegt. Ich bin ein wenig spät dran und muss mich erst mal zur Toilette und zum Tresen drängeln (positive Randnotiz: Die linke Bühnenseite ist zugehängt, sodass links neben der Bühne keine Menschentraube den Durchgang verstopft, was mich in der Räucherei immer hart nervt). Auf Klo erfahre ich aber immerhin, dass Luke Gasser nicht nur als Gitarrist, Sänger und Rock’n’Roller wirkt, sondern auch als Regisseur, Autor, Bildhauer, Maler und Schauspieler. Danke für die Info, urinierender Kollege. Interessanter Typ also, der Gasser, und er sammelt bei mir durch Ansagen gegen Rüstung, Profitgier und korrupte Politiker*innen gleich Sympathiepunkte. Auch seine Bandkollegen haben offenbar schon in so einigen Bands gespielt, denn die in der Vorstellung genannten Referenzen verweisen auf diverse Rock-/Blues-Größen. Das ist natürlich dann auch die Richtung, in die es musikalisch geht: Straighter, gut gezockter bluesiger Rock’n’Roll mit rauchiger Stimme. Was mich irritiert, ist lediglich der Umstand, dass die Band gleich mehrere Coversongs in ihre Setlist integriert. Ich erkenne „Baby Please Don’t Go“, welches allerdings durch Jams eigenständig interpretiert wird, und „Wot“ von CAPTAIN SENSIBLE. Letzteres scheinen nur wenige Besucher*innen zu erkennen, seltsam, das war doch voll der Hit. Das Publikum lässt sich dennoch zum Mitsingen animieren. Und so kann unbedingt gesagt werden, dass die LUKE GASSER Band ein wertiger Support ist, der sowohl in den eigenen als auch in den gecoverten Songs durch Spielwitz und Enthusiasmus überzeugt.

 
Endlich NAZARETH! Leider habe ich die Legende bisher noch nie live sehen können und für die "Originalbesetzung" bin ich mittlerweile zu spät dran, ist Dan McCafferty doch 2013 aus gesundheitlichen Gründen ausgestiegen. Genau genommen ist nur noch Bassist Pete Agnew als Gründungsmitglied in der Band. Aber ich habe keine Bedenken, habe ich doch Neu-Sänger Carl Sentance mehrfach live gesehen, und zwar mit PERSIAN RISK (sehr guter NWoBHM) sowie mit dem DEEP-PUPLE-Orgler DON AIREY. Der Kerl ist ein phantastischer Sänger, der im Grunde alles singen kann, was Hardrock und Heavy Metal umschließt oder berührt! Das zeigt sich auch heute sofort. Natürlich ist McCaffertys Stimme extrem charismatisch, aber Sentance hat eben genau diese Mischung aus Melodie und Raubeinigkeit perfekt drauf (er hat auch nicht umsonst mal bei KROKUS gesungen). Die gesamte Band erscheint mir motiviert und bestens gelaunt, extrem gut eingespielt sind die Musiker sowieso (Gitarrist Jimmy Murrison und Drummer Lee Agnew sind bereits seit den Neunzigern dabei). Recht früh kommen die Smasher „Razamanaz“ und „This Flight Tonight“. Auch „Dream On“ wird im ersten Drittel weggeschnulzt, was zeigt, dass NAZARETH einiges vorhaben. Mir gefallen diverse Titel auf Anhieb, die ich noch nicht kenne, habe ich doch längst nicht alle Alben der Schotten. Da muss eindeutig mal auf Suche in Second-Hand-Läden gegangen werden! Gegen Ende werde ich fast etwas unruhig – wird etwa einer meiner Faves, der geniale Disco-Metal-Stampfer „Expect No Mercy“ nicht gespielt? Aber da kommt das Biest auch schon: Herrlicher Rhythmus, ein Lick für die Ewigkeit und der Refrain lässt alle Fäuste hochgehen. Auf derselben Stufe steht das direkt davor gezockte „Hair Of The Dog“ mit der wohl bekanntesten Textzeile von NAZARETH: „Now you’re messing with a son of a bitch“!

 
Joah, herrliche Sache. Wer die Band auf dieser Tour verpasst hat, dürfte im Sommer 2018 eine weitere Chance bekommen, u.a. in Wacken. Wir sehen uns, wenn wir uns sehen!
Eingereicht von Philipp

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