THRESHOLD, DAMNATION ANGELS, DAY SIX / 29.11.2017 – Hamburg, Markthalle

Hui, was ist hier los? Es existiert in der Dremu-Datenbank lediglich ein Live-Review eines THRESHOLD-Gigs (sowie ein Report vom Versuch, die 2004er Show der Proggies in der Markthalle zu sehen, welcher jedoch an einer A7-Vollsperrung gescheitert ist). Dabei habe ich alle THRESHOLD-Alben, elf sind es übrigens mittlerweile immerhin, und liebe diese auf geniale Art Gänsehaut-Melodien, Breitwand-Riffing und unter die Haut gehende Lyrics verbindende Band. Das gilt auch für „Legend Of The Shires“, mit welchem Glynn Morgan („Pchedelicatessen“) in die Band zurückgekehrt ist. Da wird es aber mal wieder Zeit für einen Konzertbesuch samt –bericht!


DAY SIX aus den Niederlanden eröffnen den Abend. Langsam füllt sich die Halle, während der Vierer seinen Progressive Rock zelebriert. Der Gitarrist und Sänger Robbie van Stiphout war in der Schule ganz sicher einer von den Hyperaktiven – so hektisch wie der über die Bühne fegt. (Der Keyboarder Desmond Robberegt hingegen war der Physik/Mathe-Nerd. Ich sehe sowas gleich.) Aber zocken können die Freaks, da gibt es nichts! Ich muss jetzt nicht gleich losrennen und mir ein Album kaufen, aber das ist immerhin ein Support, der passend gewählt ist. Die Band verarbeitet Einflüsse aus mehreren Dekaden progressiver Musik, lässt sich also trotz DEEP-PURPLE/RUSH-Einflüsse nicht einfach in die 70er Retro-Kiste stecken, sondern kloppt auch mal härtere Groove-Gitarren raus. Geht!
 

Das gilt auch für die DAMNATION ANGELS, auch wenn ich zunächst noch denke, dass ich jetzt lieber DESOLATION ANGELS sehen würde. Härte- und Wäms-Faktor werden nach oben geschraubt, mit Ignacio   Rodriguez haben die Engländer eine richtige Sirene am Start, die mit langen Screams zu unterhalten weiß. Die handwerkliche Qualität kann allerdings nicht darüber hinwegsehen lassen, dass diese Art Symphonic Power Metal ziemlich austauschbar klingt (early RHAPSODY oder KAMELOT lassen grüßen). Die epischen Keyboards geraten mir auf Dauer etwas zu klebrig, das Gesamtding einen Touch zu pompös. Aber unterhaltsam ist die Band und sie ackert sich eifrig durch ihr Set.
 

Und dann! Let’s prog! Erfreulicherweise ist die große Markthalle gut gefüllt (immerhin an einem Mittwochabend) und die Leute haben richtig Bock. Mit „Slipstream“ wird gleich nach dem Intro ein Fan-Fave geböllert, eine gute Wahl, denn allein dieser Refrain ist so verdammt großartig! Danach geht es zum neuen Album, welches nicht nur mit „The Man Who Saw Through Time“ diverse amtliche Abfahrten bietet. Der Sound ist super, das Bühnensetting angenehm schlicht (Drummer Johanne James, von dem noch die Rede sein wird, ist ganz links positioniert, auf der rechten Seite haut Richard West in die Tasten). Das Publikum nimmt es Glynn Morgan nicht übel, dass er kein so zwingender Entertainer wie Damian Wilson und Andrew „Mac“ McDermott (R.I.P.!) ist. Morgan gehört halt zur THRESHOLD-Geschichte – ich mag seine Stimme sehr gern hören, auch wenn er bei einigen höheren Passagen an seine Grenzen stößt. Mit „Innocent“ und „Sunseeker“ geht es auch endlich mal wieder weit in die Vergangenheit zurück, erneut perlen Hooks aus der Anlage, die Gänsehaut erzeugen. Gern hätte ich noch weitere Klassiker der Phase „Wounded Land“/“Psychedelicatessen“ genossen, aber THRESHOLD fokussieren sich eher auf die zweite Hälfte ihrer Karriere, die ja nun mit „Long Way Home“, „Hollow“, „Ashes“, „Pilot In The Sky Of Dreams“ oder „Mission Profile“ auch etliche Volltreffer vorzuweisen hat, nicht zu schweigen von den aktuellen Songs – besonders „The Shire (Part 2)“ berührt mit tiefgehender Melancholie, „Stars And Satellites“ könnte in einer Welt, die Musik nicht nur „unterwegs“ hört, gar zu einem Hit werden. Die musikalische Klasse von Karl Groom und den anderen Musikern muss wohl nicht extra geschildert werden, aber Johanne James ist in seiner einzigartigen Präsenz unbedingt hervorzuheben: Der Typ zockt nicht nur geil akzentuiert, sondern betreibt mit abgefahrenen Drumstick-Moves und entsprechender Gestik ein regelrechtes Story-Acting. Irgendwie gelingt es ihm, während des Spielens (!) die Texte zu illustrieren, indem er seine Sticks wie Requisiten nutzt. Muss man gesehen haben! Am Ende zocken THRESHOLD fast zwei Stunden und ich habe den recht klaren Eindruck, dass kein*e Besucher*in enttäuscht nach Hause geht.
Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
+1 #1 Philipp 2017-12-06 14:28
Danke an HOA-Rick, der mich auf folgende sinnvolle Ergänzung aufmerksam gemacht hat: Bei einigen Songs hat Glynn Morgan zusätzlich zum Gesang eine Rhythmusgitarre gespielt, was nochmal ordentlich Schub gegeben hat. Nun wisst ihr das auch!
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Login

Wer ist da?

Aktuell sind 193 Gäste und keine Mitglieder online

Keiner