CRO-MAGS, LAST HOPE / 08.11.2017 – Hamburg, Hafenklang

4.335

Ein Drehbuchautor könnte es sich nicht schöner ausdenken. Da zerstreiten sich zwei ehemalige Bandkollegen derart miteinander, dass es Gerüchten zufolge in einer Messerstecherei gipfelt. Natürlich beanspruchen beide den Bandnamen der gemeinsamen Ex-Band und dissen das jeweils andere Projekt als Coverband. Jetzt gehen CRO-MAGS und CRO-MAGS auch noch kurz nacheinander auf Tour und spielen zum Teil lediglich um ein paar Wochen versetzt in denselben Läden, in Hamburg halt im Hafenklang (John Joseph: 08. November, Harley Flanagan: 04. Dezember). Wir geben uns dann schon mal den guten JJ, immerhin der Originalsänger des legendären Demos und der ebenso legendären ersten LP, den ich persönlich zum letzten Mal 1987 live gesehen habe, während mir die Version des „singenden Bassisten“ (JJ) mittlerweile doch mehrfach unter die Lupe geriet. CRO-MAGS oder NO-MAGS?


CRO-MAGS-Ticket




Einen Retro-Grinser erzeugen Name, Bandfoto und Albumcover von LAST HOPE ja schon: Viel mehr kann man nicht nach 90er Hardcore aussehen. Eine Spielart, die mal sehr populär war und mittlerweile in Deutschland nahezu ausgestorben ist. Aber schon nach ein, zwei Songs weicht der belustigt-neugierige Blick mancher Besucher*innen einer erstaunten bis begeisterten Miene. LAST HOPE klingen verdammt mächtig und rufen in Erinnerung, was schon fast vergessen war: Es gab auch gute Vertreter dieses Stils! LAST HOPE besitzen schon mal die nötige Credibility, haben sie sich doch bereits 1995 gegründet und seitdem unermüdlich durch die Clubs geackert. Die Bulgaren gehören somit zu den Originalen und nicht zu den unzähligen Copycats, welche das Genre durch generische Mittelmäßigkeit diskreditiert haben. Pumpendes Midtempo, wütender, aber gerade noch melodischer Gesang und punkige Gangshouts machen die Eckpfeiler ihres Sounds aus, und die Songs sind gut genug, um sich durch- und festsetzen zu können. Die Band knallt gut rein, der Sänger wetzt hin und her, vermeidet aber auch sinnlose Animationsspielchen, liefert dafür ein paar interessante Ansagen mit Hintergrundinformationen zu den Texten und zur Band. Eine positive Überraschung!

 
Endgültig fürs Konzi angefixt hatte mich ja das verdammt gelungene neue BLOODCLOT-Album „Up In Arms“, auf dem John Joseph so gut wie noch nie klingt. Auch für diese Besetzung der CRO-MAGS hat John Joseph nichts dem Zufall überlassen: Die Drums quält Originalschlagzeuger Mackie Jason (auch: BAD BRAINS zu „Quickness“-/“Rise“-Zeiten, LEEWAY, SHELTER etc.), an der Gitarre sehen wir LEEWAY-Legende A.J. Novello und am Bass Craig Ahead (u.a. SICK OF IT ALL, 25 TA LIFE). Dieses Namedropping mag jetzt etwas umständlich auf den Lesefluss wirken, dürfte aber erklären, wieso das CRO-MAGS-Material zwingend aus den Boxen prasselt, liegt es doch allen Beteiligten quasi in den Genen. John Josephs Stimme klingt während der ersten Songs noch etwas rauh vom Touren, doch der Kerl hat sich schnell eingesungen und auch der Gesamtsound ist schön kompakt und transparent-druckvoll. Der jetzt knüppelvolle Laden geht vom ersten bis zum letzten Song vollständig steil – man sieht eigentlich nur ein einziges konstantes Pogo-Knäuel, in welches sich immer wieder Stagediver werfen (diese übrigens nicht mittels lameass Crowdsurfing, sondern in beeindruckend leichtsinnigen Old School Hechtsprüngen). Gespielt wird (fast?) das gesamte „Age Of Quarrel“-Album plus „Crush The Demoniac“ plus zwei BAD BRAINS-Cover („Right Brigade“ und „Attitude“). Boah, ist das geiler Shit! Ich hatte mir das Debut zur Vorbereitung in den Tagen davor mal wieder ein paar Mal reingekloppt und war schon zu Hause begeistert, wie gut die Songs gealtert sind, aber live in derart guter Umsetzung killt der Kram glatt noch mehr. Songs wie „World Peace“, „Show You No Mercy“ oder „Signs Of The Times“ überrollen einen förmlich, „Malfunction“ ist die Ultra-Brutal-Slo-Mo-Walze und dann gibt es immer wieder Stücke, die Mr. Joseph mit den Worten „this is a singalong!“ ankündigt, zum Beispiel „Don’t Tread On Me“, „We Gotta Know“ oder das wirklich von ALLEN mitgebölkte „Hard Times“. Cro-Mag! Skinhead! Breakout!

Ich bin ziemlich begeistert, denn besser kann man die „Age Of Quarrel“-Songs schlicht nicht bringen. Oder doch? Sollten wir uns zum Vergleich nächsten Monat auch noch mal Harleys Version geben? Hmm…
Eingereicht von Philipp

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