WUCAN, THE BLACKBERRIES, EAT GHOSTS / 26.10.2017 – Kiel, Schaubude

Auf ihrem neuen Album “Reap The Storm“ drehen WUCAN erst richtig auf. Das Ding schäumt über vor Kreativität und atmet klanglich den Spirit ursprünglichen Heavy Metals, als die Produktionen noch nicht so aufgeblasen klangen. Dazu kommen psychedelische 60ies Attacken, Kraut-, Hippie-, Blues- und wasweißich-Rock-Einflüsse. Ich habe die Scheibe jedenfalls noch kaum verdaut, liebe sie aber jetzt schon und da rollen die Dresdner*innen auch schon wieder in die Bude.


Zunächst zocken EAT GHOSTS, von denen wir wegen Sabbelei und unerwartet frühen Beginns die ersten Nummern verpassen. Der Vierer kommt sehr vom Jazz beeinflusst und setzt nur spärlich Gesang ein. Ist auch gar nicht zwingend nötig, denn die Scheiße swingt schon rein instrumental derart lässig, dass man auch so in eine tiefenentspannte Stimmung flutscht. Könnte auch an der T-Shirt-Farbe liegen, die alle Bandmitglieder favorisieren: Grün beruhigt. Das gestaltet sich angenehm progressiv, ohne übermäßig verfrickelt zu sein. Die Breaks kommen überraschend wie ein Hundefurz im Auto, der Saxofon-Guy verleiht den Songs eine weitere würzige Note.

 
THE BLACKBERRIES waren bereits beim letzten Mal als WUCAN-Support mit dabei. Heute gefallen sie mir besser, was an den neuen Songs oder einer besonderen Konstellation der Gestirne liegen mag. Ich höre manchmal THE DOORS (Gesang) und einmal auch die BEATLES heraus. Dem Bassisten sieht man bei seinen eigentümlich zuckenden Bewegungen gerne zu, die er in einer Haltung ausübt, die unfassbar unbequem sein muss. Ähnlich wie WUCAN und EAT GHOSTS beziehen THE BLACKBERRIES verschiedenste Einflüsse aus Jahrzehnten Musikgeschichte – und klingen doch völlig anders. Der Jam-Charakter widerspricht nicht einer gewissen Eingängigkeit der Songs, welche entspannt aus der Anlage tröpfeln.

 
Die Bude hat sich gut gefüllt, als dann WUCAN loslegen. Mir fällt mal wieder auf, wie knallhart Gitarrist Tim George, Bassist Patrik Dröge und Drummer Philip Knöfel zusammenzocken – wenn der Song(part) es denn verlangt! Da entsteht immer wieder dieser 70er PRIEST-Groove, den ich so liebe. Im Mittelpunkt strahlt aber natürlich Francis Tobolsky, die zwar im Grunde kaum Bewegungsspielraum auf der vollgepfropften Bühne hat, diesen aber so effektiv nutzt, dass es wirkt, als springe sie wie ein Flummi durch die Gegend. Temperamentvoll stemmt sie Gesang, Flöte, Theremin und Gitarre – manchmal alles in einem Song. Auf ihren Hinweis, dass die Band sich gegen ein wenig Bonus-Jägermeister nicht wehren würde, schreitet ein Besucher gen Bühne und überreicht ein Fläschchen dieses Fusels, sogar liebevoll eingepackt. Auf Francis‘ entsprechende Nachfrage erfahren wir übrigens, dass er Fred heiße. So gastfreundlich ist Kiel. Die WUCAN-Songs von der neuen Platte wirbeln so richtig durch die Gehörgänge, dass es in der Zirbeldrüse juckt. „Wie die Welt sich dreht“ stampft und rockt stürmisch, forsch und leidenschaftlich alles nieder. Welche Titel jetzt alle exakt von „Reap The Storm“ dabei sind, geht im Rausch des Moments unter, an älteren Songs begeistern unter anderem orgiastische Versionen vom „Wandersmann“ und vom „Dopetrotter“. Am Ende fragt die Band uns, ob wir auf Heavy Metal stehen, was mehrheitlich bejaht wird, worauf der Schlagzeuger die ersten Beats von DIAMOND HEADs „Am I Evil“ spielt und uns fragt, vom wem denn dieser Song sei. Ein guter Test, aber hier ruft keiner den falschen Bandnamen, das Ding wird richtig zugeordnet und so werden wir mit einer äußerst gelungenen Coverversion des gesamten Stückes belohnt. Sehr, sehr geil!
Eingereicht von Philipp

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