MANILLA ROAD, SACRIFICAL BLOOD, RATTLESNAKE / 25.10.2017 - Brooklyn, New York, Saint Vitus Bar

Direkt vor dem Eingang treffe ich auf Bryan "Hellroadie" Patrick, den zweiten Sänger von Manilla Road, und er erzählt mir eine super Neuigkeit für alle Fans des kauzigen Metals und auch für alle Wackinger. Hier als erstes zu lesen - aber erst einmal spielen Rattlesnake.

Nein, vorher treffe ich noch Neudi (46), da Hellroadie diesen anschleppt und mir vorstellt (also dieses Mal kamen die wirklich zu mir...). Er berichtet mir, die Tour laufe sehr gut, auch wenn sie hier und da auch mal nur vor 20-30 Zuschauern spielen. So ist das aber in den USA, da die Entfernungen so groß sind, spielst unterwegs halt in jedem Bums, um da wenigstens übernachten zu können. Ansonsten sind alle zufrieden und...aber dazu später mehr. Weiterhin tauschen wir uns darüber aus, wie teuer hier alles ist, wie anders und wie beliebt scheinbar deutsche Bands auf dieser Seite des Teiches doch sind. Man sieht Helloween Rückenaufnäher, Running Wild Patches, nen Dirkschneider Shirt...und der Schuppen ist noch fast leer.

MANILLA ROAD



Jetzt spielen erstmal Rattlesnake. Naja...inzwischen sind schon fast fertig. Die Band kommt nicht aus Texas - wie man vielleicht denken könnte - sondern aus New York.

Gitarrist, Basser und Schlagzeuger, welcher auch den Gesang übernimmt. Irgendwie Metal mit hoher Hardrock-Schlagseite und Südstaaten-Vibe wie die Band mit "Sweet Home Alabama". Kann man im Supermarkt auch über die Lautsprecher spielen - stört keinen, aber zuhause muss ich das nicht in die Anlage werfen.

Sacrifical Blood gehen da schon anders zu Werke. Nicht mit dem Hammer, sondern mit der Motorsäge wird hier der Glauben unters Volk bzw. die Musik an die Ohren gebracht.

Da kracht derbster Death Metal aus den Boxen. Wer die Band als Support für Manilla Road geholt hat, mischt scheinbar alle Genres gerne mal durcheinander, mag es vielfältig oder ihm ist alles egal.

Ich verdrücke mich nach einem Lied erstmal nach draußen und rauche zur Beruhigung ne Kippe. Dem heimischen Publikum gefällt es aber, Death Metal scheint in den USA noch zu ziehen. Die meisten Bands aus diesem Genre klingen für mich sehr ähnlich, so dass ich kaum Unterschiede heraushören kann. Eine Besonderheit ist hier aber, dass ausnahmsweise mal der Schlagzeuger grunzt. Eine kurze Recherche ergibt, die Band gibt's auch schon länger und Album Titel wie "Unholy Fucking Hatred" beschreiben ihren Stil perfekt.

Dann lieber zum Mercher von Manilla Road. Es gibt Handtücher für USD 5,00! In blutrot! Mit Totenkopf Print!! Da nehmen wir doch gleich eins mit, schwitze ohnehin wie ein Tiger. Patches gibt es keine neuen, dafür Unmengen von CDs und LPs - die Band ist aber ja auch schon länger dabei - auf dieser Tour wird das 40te Jahr gefeiert.

Als Manilla Road ihre Instrumente aufbauen, hat sich die Saint Vitus Bar bereits gut gefüllt. Ich denke, der Zuschauerschnitt ist ähnlich wie bei The Obsessed einen Abend zuvor. Der Hellroadie hilft selbst beim Abbau der Support Band mit und Neudi werden tatsächlich 2,5 Litter Budweiser für den Auftritt vor das Schlagzeug gestellt. Die schafft er aber nicht ganz.

Später wird Mark "The Shark" Shelton das Publikum fragen, wer Manilla Road das erste Mal sieht und viele Hände werden in die Höhe gehen.

Daher machen sie von Anfang an alles richtig: Es werden die alten Kracher gespielt und zwar alle. Egal ob "Witches Brew",  "Masque of the Red Death" oder "The Ram". Mit "Open the Gates" eröffnen sie passenderweise das Konzert, mit "Heavy Metal to the World" beenden sie es.


MANILLA ROAD


Dazwischen gibt es "Hammer of the Witches", "Crystal Logic",  "Flaming Metal System", "Necropolis" und auch alle anderen Hymnen, deren Namen ich gerade vergessen habe - ein Feuerwerk des guten Geschmacks. Als neues Lied wird "To Kill a King" gespielt und hier übernimmt The Shark wieder den Gesang.

Dieser spielt seine Gitarre auf dem Rücken, zwischen den Beinen, im Handstand und einmal sogar ca. 45 Sekunden im Zustand absoluter Schwerelosigkeit. Das bekommt man auch nicht täglich geboten. Dazu moscht der Typ neben mir in so einer Geschwindigkeit, dass ich Angst habe, seine Nasenflügel könnten sich lösen, derweil die China-Maus auf meiner anderen Seite in pausenlose Wein- und Schreikrämpfe verfällt. Die Stimmung passt, das Publikum ist bunt gemischt. Dicke Kuttenträger im fortgeschrittenen Alter, coole Doooom-Rocker oder gerade mal 21-jährige Girlies. So alt müssen sie wohl gewesen sein, da es Alkohol für alle gab. Erstaunt hat mich, dass mich nach nur einem Abend der Barkeeper gleich wiedererkannt und mir sofort die richtige Marke vor den Rüssel gestellt hat - das kann sonst nur Julius und der brauchte vier Jahre dafür.

Richtig geil: The Shark trägt wieder sein Lederstirnband mit den Totenkopf Nieten. So stelle ich mir Conans Vater vor, der als Barbaren Stammeshäuptling gleichsam weise wie kriegerisch gewesen sein muss und dessen Sohn Conan auf dem Schlachtfeld geboren wurde.

Für mich ist es ab dem ersten Lied wieder mal völlig unverständlich, wie viele Kracher diese Band doch hat und trotzdem eher unbekannt ist. Vielleicht ist Iron Maiden musikalisch noch ne andere Klasse, aber so weit sind sie auch nicht entfernt. Manilla Road ist ehrlicher Scheiß ohne den ganzen Kommerz oder Bausätze für das bandeigene Flugzeug. Ok, dafür Handtücher....

Eine Zugabe gibt es auch hier nicht wirklich, aber so ist das wohl - sie wird auch irgendwie nie mit Nachdruck verlangt.

Diesmal entscheide ich mich, den Rückweg zu Fuß anzutreten, um den inneren Schweinehund zu überwinden und nicht wieder im Bus einzupennen. Warum ich am nächsten Morgen mit Schnittwunden und ohne Bargeld aufgewacht bin, ist eine andere Geschichte. Welcome to the Jungle! (Diese andere Geschichte darfst du gern auch noch erzählen... Anm. Red)

Nun aber der angekündigte Kracher: Manilla Road spielen 2018 auf'm Wacken!! Leider ohne mich.
Eingereicht von Philipp

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