MONOLORD, CONAN, BLAST BOMB, CITIES OF MARS / 17.10.2017 – Hamburg, Bambi Galore

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Ich kenne keine der vier Bands, die auf dem heutigen Billing stehen, aber es sind Ferien, Strecker fährt und ich höre den Begriff „Doom“. Einfach mal gönnen.

Was ich nicht gedacht hätte: Wir ergattern zwei der letzten Tickets, wenig später ist die Veranstaltung ausverkauft. Und das an einem Dienstag. Irgendwie zieht das Genre Doom/Sludge/Downtempo also immer noch.


Flyer


 

Drei der heutigen Bands sind Trios und spielen in gewisser Weise eine extreme Doom-Version. Einen stilistischen und besetzungstechnischen Ausreißer stellen BLAST BOMB dar, aber dazu später mehr. Es beginnen CITIES OF MARS aus Schweden. Bassist und Gitarrist gucken grimmig aus ihren bärtigen Fellfressen, bedanken sich aber nach jedem Stück aufs Höflichste. Sie teilen sich den Gesang sehr gekonnt, gleich beim ersten Stück wiederholen sich die einzelnen Zeilen in einer Art Reverb-Phrasierung, schockt. Die Basis ist schwerer Doom, der durch Sludge-Einflüsse und diverse Stonerriffs erweitert, aber in diesem Falle nicht verwässert wird. CITIES OF MARS können sich vor diesem Publikum, das vor allem wegen CONAN und/oder MONOLORD gekommen ist, gut durchsetzen. Ihre Stärken liegen in der Eingängigkeit und den schweren Riffs, sodass ich ab und zu an SLEEP oder CROWBAR denken muss. Die Platten reizen übrigens mit schön gestalteten Hüllen, thematisch scheint es sich durchgehend um Science Fiction zu drehen.

 
BLAST BOMB – der Name erinnert mich an die legendären UK Punks BOMB BLAST MEN. Tatsächlich handelt es sich aber um eine neue Hamburger Formation, die sich u.a. mit Leuten von SKULL HARVEST und HIGH GAIN DISTRICT gebildet hat. Am Mikro steht mit Johnny ein Freak aus Birmingham, der eine positive Bühnenausstrahlung besitzt. Mich erinnert der vom Auftreten und den Ansagen her (weniger von der Stimme) an Martin Walkyier. Mit ihrem Punk’n’Roll fallen BOMB BLAST wie gesagt etwas aus dem Rahmen, denn statt Down- gibbet eher Uptempo. Recht straight und räudig böllern die Songs aus der Bambi-Anlage, unterstützt durch Johnnys Rotzgesang. Das Publikum reagiert durchaus wohlwollend, was sehr für BLAST BOMB spricht. In einem anderen Rahmen wäre mehr gegangen, da bin ich sicher. Aber das Potenzial ist bereits bei diesem Auftritt der Band – erst dem zweiten seit ihrer Gründung – erkennbar.


Bei CONAN (UK) fällt mir dann erst mal die Kinnlade runter. Ich kannte von der Band noch keinen Ton und bin nicht auf diese Neandertal-Doom-Dröhnung gefasst! Es ist, als hätten sich diese drei Tiere einzelne Passagen von HELLHAMMER und den kanadischen SLAUGHTER genommen und daraus ganze Songs gemacht. Zum Teil kann nicht mal von Riffs gesprochen werden, sondern von einem einzigen pulsierenden Ton, zu welchem ein Höhlenmensch Steine aufeinanderkloppt. Das Bambi platzt fast aus allen Nähten und nach drei, vier Songs bangt wirklich jeder. Auch der Gesang erinnert mich an HELLHAMMER – ein krächzendes, verzweifeltes Kreischen, eher einem Nazgul als einem menschlichen Wesen ähnelnd. Ein Typ meint danach zu mir: „Ich dachte zwischendurch immer: Ob die das wohl auflösen? Aber es blieb beim reinen Geräusch. Geil!“ Da kann ich nur beipflichten – seit SUNN O))) habe ich nichts derart Radikales, Kompromissloses mehr gesehen. Im Vergleich zum reinen Gebrumme haben CONAN aber noch diesen unwiderstehlichen Mitbangtakt. CONAN? Schlicht barbarisch, he.

 
Dagegen klingen MONOLORD (geiler Name übrigens!) schon fast traditionell. Die Schweden zelebrieren den Sabbat, der Gesang ist fast schon melodiös zu nennen, wird aber mit massivem Hall unterlegt, das Schlagzeug donnert behäbig und die Gitarren braten sludgig.  Letztendlich schaffen es MONOLORD ähnlich heavy und intensiv wie CONAN zu klingen. Die Stimmung im aus Death Metal Freaks, Traditionsbangern, Stonerheads und Punks zusammengesetzten Mob bleibt im oberen Bereich. Wie die beiden anderen Bands setzen MONOLORD auf ein tieffrequentes Wummern und das stumpfe Endloszocken eines durchgehenden Riffs. Verrückterweise werden sie dabei aber nie langweilig, weil sie dann doch im Detail clever arrangieren und dem Gesang Luft für Melodien lassen, die den Hörer mittels ihrer Widerhaken einfangen. Tight, ultraheavy und schlicht headbanging fun!

Kommentare   

0 #1 Philipp 2019-10-24 16:46
CONAN vor zwei Jahren. Morgen wieder auffer Bude!
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