STUMBLING PINS, Zoi!s / 27.09.2017 – Kiel, Schaubude

Schweinerei! Vor nicht mal einem Jahr verfasste ich das begeisterte Review zum Releasekonzert der „Common Angst“-LP und freute mich, dass Kiel endlich mal wieder eine Konsensband hat (gemünzt war dieser Begriff natürlich auf Punk-Kiel, ist klar). Und nun ist schon wieder Schluss und es heißt ein vorletztes Mal Abschied nehmen. Heute gibt’s den letzten Auftritt von „Gaardens Streetpunx Nr. 1“ (Herb 2014, echt jetzt) in der Schaubude, im Dezember dann das allerletzte Ding überhaupt (Meierei). Es ist bitter, es ist schade, aber was soll man machen? Zwingen können wir sie ja schließlich nicht, obwohl das mal ‘ne geile Schlagzeile wäre: „Punkerchaoten zwingen Band, weiter Musik zu machen! Kiel-Gaarden: Brände auf dem ganzen Ostufer, Vermummte drohen mit noch mehr Gewalt, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden!“ 


Joah, erst mal gibt es ZOI!S, die erst noch mehrere Meter half circle culture vor sich haben. Den freien Raum vor der Bühne nutzt der Sänger für diverse gestenreiche Spaziergänge. Ein mir namentlich bekannter Besucher pöbelt später bei Murat, dass dies ganz übler Pop gewesen sei. Eingängig sind Zoi!s zwar durchaus, aber ich würde sie eher als Post-Punk bezeichnen. Erstaunlich finde ich, dass die Band sich seit dem Konzert im Oktober 2016 enorm weiterentwickelt hat. Alle vier sind fitter geworden, das Zusammenspiel wirkt schlafwandlerisch sicher. Mir persönlich könnten Zoi!s musikalisch angriffslustiger sein, zumindest um mir zu Hause Mucke der Band anzuhören, aber live zwingen sie mich immerhin zum Mitwippen. Ich merke nicht mal, dass ich den ganzen Gig über meine Kutte linksherum trage, hätte mir übrigens auch mal jemand sagen können, pfff. Inhaltlich wird einiges vermittelt, zur aktuellen Lage fragt sich (und uns) der Sänger sinngemäß, ob es reiche, AfD-Wähler*innen lediglich in sozialen Netzwerken zu entfrienden, ob nicht vielmehr direkte Aktion gegen den Hassmob gefordert sei. Noch besser gefällt der Satz davor: „Wir müssen über das letzte Wochenende reden: Eine Partei, die sich offen gegen Flüchtlinge ausgesprochen und mehrfach rassistisch geäußert hat, ist in einem Bundesland zur stärksten Kraft gewählt worden! Aber sprechen wir nicht mehr von Bayern und der CSU…“


Nun wird es natürlich voll, gerade wenn man bedenkt, dass es sich um einen Mittwochabend handelt. Am Bühnenrand entdecken meine entzündeten Augen eine Palette Turmbräu. Haben die vier derart viel Durst? Nope, dat ist na klar Freibier, auf welches die Leute aber höflich warten, bis Tim und Willer es auch als solches deklarieren. „Langt zu! Kann man sich schon mal gönnen so unter der Woche. Keine Termine und leicht einen sitzen.“ Vorne geht fast von Anfang an der Pogo ab, nichts da mit Wehmut, Tränen oder so. Die werden sich dann für die Meierei aufgespart, am 16. März, wie uns Willer weismachen will, der das aber nur mit Ommas Geburtstag verwechselt hat oder so (korrekt ist: 16. Dezember). Was herrliche Melodien, was herrliche Drumsgitarrenbass, was herrlich alles! Die Leute sind echt mal textsicher und flippen total aus. Es wird mitgesungen, gepogt, geschubst, mit dem Freibier rumgespritzt (ey!). Da kommen die PINS kaum aus dem Grinsen heraus, und man vergisst schon fast, dass dies einer der letzten Auftritte sein soll. „The Beauty Of Imperfection“ kommt wieder mit Gastgesang von Flicke, ansonsten markieren „Off The Beaten Track“ (derbe melancholisch), „Ode To Joy“ und auch ein Songs, von denen ich die Titel nicht kenne/vergessen habe, weitere Highlights. „Jetzt kommen die letzten beiden Stücke, die wir können!“, kündigt Willer an und ich hoffe fast, dass danach noch Songs folgen, die sie nicht können. Aber nein, es ist dann wirklich und wahrhaftig vorbei. Wären die PINS heute scheiße gewesen, fiele der Abschied leichter. Waren sie aber nich.
Eingereicht von Philipp

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