MELTDOWN FESTIVAL VI / 01.09.2017 – Schuby, Nordring

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„Wie spät issen das?“ - „Hirnschmelzzeit, Baby!“

Letztes Jahr hatte ich das – erstmals in Schuby stattfindende – MELTDOWN leider verpasst. Dieses Jahr bin ich wegen eigener Bandaktivitäten am Samstag verhindert, aber zum Glück gibt es 2017 zwei Tage MELTDOWN! Hier also immerhin der Bericht über den Freitag:


REZET

Bilder von Pia Heibach 


Das neue Gelände erweist sich als ähnlich toll und professionell aufgebaut wie das alte – nur dass die Gebäude der Freiheit natürlich schmerzhaft vermisst werden. In Schuby gibt es eine Zeltbühne und eine größere Open Air Stage. Der Hammer sind die Preise, Eintritt 5,- Euro (am Samstag natürlich mehr), Bier und Fressalien auch megagünstig, 1,50 Euro ein Humpen und so eine Falafel auch nicht viel mehr.

 
Da laufen SACRIFIZED doch gleich gut rein. Rumpeliger Black/Thrash aus Bad Segeberg, gespielt von Typen, die mit ihren Spitznamen Stulle, Rippe und Knüppel sicherlich keine Rockstarhahahas werden wollen. Stattdessen speien sie den ersten Zuschauer*innen eine schwarze Suppe aus VENOM, AURA NOIR und INSANE in die Fratzen. Natürlich fahren SACRIFIZED nicht derart eingängige Songs auf wie die genannten Referenzen, aber es scheppert, dengelt und knallt doch recht erbaulich. Freunde filigraner Spieltechnik befinden sich entweder nicht in der ersten Reihe oder haben auch mal Bock auf Lärm. Übrigens hießen SACRIFIZED früher DIALECTIC CONFUSE und haben unter diesem Namen bereits eine EP mit dem Titel „Cult Of The Damned“ veröffentlicht.

CASKET INC

 
Während CASKET INC. beginnen, treffe ich viele Bekannte und versabbele einen Teil des Auftritts. Aber irgendwann reiße ich mich los und genehmige mir die Band, hatte ich doch in ihrer Inspirationsliste auf fb gelesen, dass sie HELLFUELED mögen. Daumen erst mal gleich dafür hoch, dass jemand diese geile Band überhaupt (noch) kennt! Diese Schweden hatten in den Nuller Jahren auf vier Alben das beste OZZY/ZACK WYLDE-Worshipping überhaupt betrieben. CASKET INC. gehen tatsächlich auch in diese Richtung, es ist jedenfalls recht schnell klar, welche/n Gitarristen der Klampfer gern hört. Macht Laune, zumal die Band schön schiebt und groovt und der Sänger ein schmirgeliges Organ besitzt.

 
Huch, was geht bei CYBORG? Die beiden sich drehenden Zahnräder sind definitiv eine originelle Idee für  selbstgebastelte Bühnenrequisiten, aber ich persönlich stehe nicht auf Einheitslook. Klar, die kreisförmig auf Brusthöhe angebrachten LED-Lämpchen aller Bandmitglieder passen gut zum Mensch/Maschine—Image und Texten wie „Stahl und Fleisch“, kommen aber auch arg bemüht. Beim Sound bin ich eh raus, ist halt kalt, maschinell, stampfig. Dat is nix.  

 
Dann lieber SHADOWBANE, welche eine positive Überraschung darstellen. Der Name war mir zwar schon häufiger untergekommen, aber irgendwie muss die Band immer gerade woanders als ich gewesen sein. Die Hamburger pfeffern thrashigen Power Metal ins Rund, der mir sofort gefällt. Einer der Gitarristen kämpft tapfer mit (oder gegen) sein Equipment, was die Combo aber nicht bremsen kann. Sowas gibt gleich Pluspunkte, find ich gut, wenn man sich von technischen Fuck-Ups nicht die Chuzpe nehmen lässt und gut gelaunt bleibt. Sänger Stefan braucht ein paar Songs, um sich im Mix durchzusetzen, röhrt dann aber mit erbaulicher Power. Schön viel Speed, Riffs aus der ACCEPT-Schmiede und geile Melodien – zack, das sitzt!


Meltdown

 
Nun erst erwacht die zweite Bühne – REZET laden zum Releasegig für ihre neue EP ein. Für mich ist es tatsächlich das erste Mal, dass ich REZET in ihrer neuen Besetzung mit Lucas an der Gitarre (statt wie vorher Bass) und dem neuen Bandmitglied Bjarne Otto am Tieftöner sehe. Der Sound könnte zwar differenzierter sein, aber die Qualitäten von REZET werden dennoch offensichtlich. Die Band ist gerade mit den drei neuen Songs einen ganzen Tucken härter geworden, gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ihr Zusammenspiel noch etwas filigraner geworden ist. Um nicht missverstanden zu werden: Das wäre sicherlich auch mit Ex-Gitarrist Thorben passiert, aber er ist nun mal nicht mehr dabei. Anyway, „Minority Erazer“ ist ein erbarmungsloser Speed-Bolzen, der zu den besten REZET-Songs gezählt werden muss. Auch die anderen Songs der EP, „Thrash Their Hate“, „Friendly Fire“ und das DEAD KENNEDYS-Cover „Chemical Warfare“ knallen in den Liveversionen richtig rein. Kleiner Kritikpunkt: Das Sample, welches Goebbels-Zitat und Trump-Rede vermischt, ist sicherlich gut gemeint und soll den Rassismus des US-Präsidenten aufzeigen, erzielt in dieser Form leider ein klassisches Fauxpas, welches Vergleichen mit Nazi-Ideologien innewohnt, nämlich die Gefahr, im Gegenteil die NS-Verbrechen (ungewollt natürlich) zu verharmlosen. Aber verkopfen wir die Sache nicht zu sehr: REZET liefern hart ab, alle Bandhits sind in der Setlist, der Mob geht mit Crowdsurfing und wahlweise bierseligem Eiertanz steil: Thrash with class!  

 
Das MELTDOWN also wie immer mit viel Herzblut und Engagement organisiert – weiter so, don’t stop the madness!
Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
+1 #1 Philipp 2017-09-23 13:40
Jetzt mit Fotos von Pia Heibach. Thanx!
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