SLO BURN, BLOOD CEREMONY, STEAK / 14.06.2017 - London, The Garage

Der typische englische Doom oder Stoner Maniac ist dem deutschen nicht unähnlich. Eigentlich sehen sich beide sogar zum Verwechseln ähnlich. Lange Bärte, ebensolche Haare, selbst für Kutten mit Aufnähern ist sich der britische Fan nicht zu schade und großflächig tätowiert sind ja ohnehin inzwischen alle. So ruft mir erst ein vorbeifahrender roter Doppeldeckerbus wieder in Erinnerung, dass wir uns gerade in London Islington befinden. Zudem wird vor dem Schuppen nicht so viel gesoffen wie bei uns und wir unterhalten uns seltsamerweise über Football – den Millwall F.C. und den FC St. Pauli. Um 07:00PM ist Einlass und brav reihen wir uns in die Schlange neben dem Absperrgitter ein.

GarageLondontrip



The Garage öffnete 1993 seine Tore, hat eine Kapazität von 600 Besuchern und ist direkt an der U-Bahn Station Highbury & Islington gelegen. Vor dem Einlass erfolgt eine ausgesprochen gründliche (aber freundliche) Taschenkontrolle – mich stört es nicht, die werden schon wissen warum. Im Inneren überrascht der Laden mit einer blau angestrahlten Decke. Sich bewegende Muster werden an diese geworfen und erwecken den Eindruck, wir befänden uns in einer Grotte. Eine riesige Bar befindet sich gegenüber der mit einem Graben gesicherten Bühne.


Doomy


Alleine 5 Biersorten sind hier „on Tap“. Brooklyn Ale, Guiness und unter anderem Holsten vier. Dazu gibt es noch Unmengen von Dosen- und Flaschenbier. Normalerweise mache ich im Ausland um deutsches Bier einen großen Bogen. Da ich aber meine Liebe für das Bier aus Altona wiederentdeckt habe und die anderen Anwesenden lieber zu dem „hippen“ Gesöff aus den USA greifen, gibt es bei mir ein Holsten nach dem anderen. Außerdem hat es nur 4% - darüber bin ich im Nachhinein mehr als froh. GBP 3,90 für den randvoll gefüllten Pint Plastikbecher ist ok. Im Tesco Supermarkt nebenan kostet die Kanne mit nem halben Litter auch schon GBP 1,80.

STEAK


Steak aus London eröffnen den Abend pünktlich um 07:20PM. Groovender Stoner Rock mit stark verzerrter Gitarre trifft auf eine Stimme, die mich entfernt an Pearl Jam erinnert. Noch ist die Halle nicht sonderlich gefüllt, aber man/frau kennt sich scheinbar und so werden die Local Heroes nach jedem Stück mit reichlich Applaus bedacht. Mich haut es anfangs noch nicht wirklich um, aber als sie später „Liquid Gold“ von ihrem ersten Album „Slab City“ spielen, geht auch bei mir die Luzie ab. Textsicher stimmen die Anwesenden in den Gesang mit ein, Matten fliegen und ekstatisch bewegt sich das inzwischen erheblich zahlreichere Publikum. Volltreffer! Nach 40 Minuten verlassen Steak die Bühne – als Opener super, als Headliner würde ich mir da noch etwas mehr flüssiges Gold wünschen.


In der Umbaupause werde ich auf Pagan Altar angesprochen. Dies lag wohl daran, dass ich von eben dieser Band einen Kapu getragen habe. Jener, der das Gespräch suchte, hatte bisher jemals weder ein Shirt, noch einen Aufnäher, noch sonst irgendwas von PA bei einem Konzert gesehen. Er selbst sei durch seinen Bruder, der Bands auf Touren begleitet, in den Besitz eines Backdrops von Pagan Alter gekommen. Da dies aber nicht das einzige ist und er in einer winzigen Wohnung lebt und dies zusammengefaltet immer noch so groß wie ein Kindersarg ist, sucht er jemanden, der es in Ehren hält. Ich Ochse war schon ziemlich abgefüllt und erwiderte, ich hätte auch kein Platz, es würdevoll aufzuhängen. Aus heutiger Sicht ein mächtig großer Fehler, aber eine freie Wand habe ich wirklich nicht. Ich hoffe, jemand anders freut sich irgendwann noch mehr darüber, als ich es getan hätte. Mich wundert, was man wohl mit einem Judas Priest Rückenaufnäher in London angeboten bekommt? Robs original Lederunterwäsche? Die mit den Nieten?


BLOOD CEREMONY


Blood Ceremony beginnen nach nur 20 Minuten Umbaupause ihr Set. Die Soundqualität ist den ganzen Abend über 1A. Im direkten Vergleich übertrifft sie sogar noch jene von Blood Ceremony in Hannover. Die Stimmung im Publikum ist ebenfalls einen ganz kleinen Tick besser, aber dafür ist die Halle auch erheblich größer und wir sind hier in einer Weltstadt. Das Zusammenspiel der Band ist absolut perfekt und die Stimme von Alia O´Brien klingt live um so viel garstiger und bösartiger als auf CD. Leider ist der Abend enger getaktet als die Piccadilly Line und so spielen sie heute nur ein verkürztes Set. „Lord Summerisle“ ist als Beispiel eines der Lieder, die heute keine Beachtung finden. Es ist nicht verwunderlich, dass die Fans vehement „more“ fordern, aber diese Bitte kann nicht erfüllt werden.

Run


The Garage ist inzwischen gut gefüllt, aber ausverkauft ist es heute Abend nicht. Ich schätze, 50 bis 100 mehr hätten schon hinein gepasst, aber so bleibt immerhin genug Platz, um Bier zu holen und an den alten Platz zurück zu kehren. Geraucht werden darf natürlich nicht, dafür riecht es in dem ganzen Bums tierisch nach Döner – da wir aber in London sind, kann es jedoch auch Curry gewesen sein.


RO


Slo Burn sind nach der Auflösung von Kyuss die erste Band des Sängers John Garcia gewesen und haben nicht mehr als eine EP mit 4 Liedern veröffentlicht. Nichtsdestotrotz haben sie in Stoner- oder Dessert Rock Kreisen einen legendären Ruf. Wie sie aber (heute in Originalbesetzung) mit dem Material 90 Minuten (lt. Time Table) füllen wollen, erschließt sich mir bis dahin noch nicht. Die Bühnenbeleuchtung verfärbt sich rot, Slo Burn betreten die Bühne und bald wissen wir mehr. John Garcia, mit Sonnenbrille und Kurzhaarfrisur, jault ohne Umschweife los und ich erkenne „Muezli“ von der EP. Guter Einstand! Dann folgen aber auch etliche Lieder, die mir völlig unbekannt sind. Seien es unveröffentlichte Songs Slo Burns, oder welche seiner unzähligen anderen Bands – nur Kyuss werden ignoriert. Das Ganze ist ok, kommt ehrlich rüber und seine markante Stimme wertet die Lieder selbstverständlich auf. Aber bei mir springt der Funke erst bei der Zugabe richtig über und die ist (nach 85 Minuten) natürlich „Pilot the Dune“. Da gibt es dann aber auch kein Halten mehr und die Garage verwandelt sich in einen riesigen Mosh Pit.

Nachtrag: Nots wurden an diesem Abend nicht getoppt.
Eingereicht von Philipp

Kommentare   

 
0 #1 Philipp 2017-06-20 10:16
Ich liebe solche Berichte. Gern mehr davon!
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