Altona's best dancers: Interview mit TEENAGE HATE

0 Dislike0
Gerade eben noch zu einer der beliebtesten Newcomer des Jahres 2014 im Dremu-Jahrespoll gewählt, nun schon hier im Interview - TEENAGE HATE aus Hamburg/Altona! 
Warum deutschsprachige Punkmusik bekämpft gehört und was die Band mit den FLIPPERS zu schaffen hat, kannst du hier lesen ...


teenage hate
Foto von Maxe Probst



Stellt euch erst mal vor… wer macht was, wie kam das Ganze zustande, mit welchen aktuellen oder Vorgängerbands könnt ihr eure Selbstbeschreibung aufwerten?


Marvin: Moin. TEENAGE HATE besteht aus 4 Leuten – Danny am Schlagzeug, Max an der Gitarre, Seb am Gesang und ich spiele Bass. Wir haben alle schon mal in irgendeiner Form in Bands gespielt. Max hat sich bei LIBERTY MADNESS verausgabt, Seb hat bei MNMTS gesungen, Danny spielt nebenher noch bei VITAMIN X und ich hab‘ früher bei SOME ARE MORE EQUAL gespielt. Am Interessanten dürfte für die Leserschaft allerdings Dannys kurze Karriere bei den FLIPPERS (ja, es geht echt um die Schlager-Kapelle) sein, haha. Die brauchten irgendwie jemanden der den kaputt gekoksten Drummer ersetzt und haben sich einfach nen Roadie geschnappt, der drummen konnte – zufälligerweise war das Danny. 

Benannt habt ihr euch nach dem Debut-Album der REATARDS. Seht ihr die Band tatsächlich als relevanten Einfluss für euch (und falls ja, inwiefern genau)? 

Max: Jay Reatard war einfach n geiler Typ, der geile Musik gemacht hat. Die REATARDS sind also auf jeden Fall ein Einfluss (für mich zumindest), aber es gibt natürlich noch tausend andere. Man sollte das mit dem Namen einfach nicht so eng sehen. Manche Leute sagen auch Dinge wie: „Aber ihr seid ja gar keine Teenager mehr“. Das stimmt, aber das haben wir auch nie behauptet. Es ist halt auch nur ein Name.

„Altona's best dancers“ - wer ist bei euch LIFETIME-Fan und wer ist die Tanzmaus in der Band?

Marvin: Der meiste Unsinn kommt bei uns, wie bei den meisten anderen Bands wohl auch, im Auto auf dem Weg zu irgendwelchen Shows zustande. So auch diese absolut zutreffende Selbstbeschreibung. Seb hat das irgendwann mal in den Raum geworfen und wer schon mal gesehen hat, was er für Moves auf der Bühne drauf hat, weiß Bescheid. Und LIFETIME mag sogar ich…

Seb: Ich liebe LIFETIME. Und irgendwann habe ich bemerkt, dass mir spielen am meisten Spass bringt, wenn ich dabei rumhampel. Wir wohnen alle im Viertel, dass die Hits bringt - Altona. So erbgab es sich eben.

Max: Wenn es eine Sache gibt die ich an Punkshows hasse, dann sind es Bands, die die ganze Zeit auf ihre Finger starren um sich bloß nicht zu verspielen. Live geht es um Energie. Eine Band die wie angewurzelt auf der Bühne steht, kann sich auch nicht über einen angewurzelten Halbkreis vor der Bühne beschweren.

Wie beschreibt ihr euren Eltern, was für eine Art von Musik ihr macht?

Marvin: Meine Eltern haben in meinen Augen zwar gar keine Ahnung von Musik, aber da ich sie seit meinem 13. Lebensjahr mit Krachmusik zugedröhnt habe, wissen sie recht gut, was wir da so machen, denke ich. 

Seb: Mein Vater macht selbst Musik. Richtige Musik. Mit Noten. Ich glaube sie haben keinen Zugang zu unserem Kram, supporten es aber aufgrund der Tatsache, dass es uns damit gut geht!

Wie entstehen eure Songs? Findet alles komplett gemeinsam während der Proben statt oder kommen einzelne Personen mit bestimmten Ideen/Texten/Songs und ihr feilt sie gemeinsam aus? Wer macht was?

Marvin: Max ist die treibende Kraft, wenn es um Songs geht. Meist hat er ne grobe Vorstellung im Kopf, die wir dann im Proberaum ausprobieren. Dann gibt jeder seinen Senf dazu und fertig. Seb kümmert sich um die Texte.

Max: Joa, keine Ahnung. Wir machen einfach irgendwas, bis es halbwegs nach Krach klingt.

Seb: Alles ensteht sehr subjektiv. Wie auch beim Sound oder dem gesamten Habitus find ich auch bei den Texten Authentizität das oberste Gut. Wenn mir ein Mitdreißger was von Indiedisco und „coming of age“ trällert kauf ich ihm das nicht ab. Ebenso wenig, wenn die Bauspar Punks mir einen von Revolte oder „hardcore kids“ mir einen vom bleiernen Weltschmerz (auf Instagram) erzählen wollen. Langweilig. Und ich schreibe grundsätzlich auf Englisch. Denn das ist die Sprache der Befreier. Deutschsprachige Punkmusik hat m. E. keine Daseinsberechtigung und sollte bekämpft werden, wo man auf sie trifft. Grade Hamburg macht deutsch weiterhin mit beängstigendem Enthusiasmus zur lingua franca im DIY Bereich. Das ist deshalb so furchtbar, weil man dann jedes Wort der dünnen Mischung, die die Meisten von sich geben, eiskalt versteht. Und man sollte die Dinge nicht so ernst nehmen. Aus Ernst entstand noch nie was Gutes.

Kürzlich habt ihr über das lange Pfingstwochenende 3 Konzerte mit den Kopenhagenern NIGHT FEVER gespielt – wie kam das zustande?

Max: NIGHTFEVER  waren auf der Suche nach ner Show, auf dem Weg von Kopenhagen nach Mannheim. Hamburg hatte sich da ganz gut angeboten. Also hab ich das dann einfach in die Hand genommen, ne Show gemacht und uns dazu gebucht. Mannheim war auch bei uns schön länger geplant und bei der Berlin Show hatte ich Hilfe von einem süßen Mannheimer Label- und Distrobetreiber.

Das schlimmste und das beste Erlebnis dabei?

Marvin: Das absolut Beste an den Shows war, wie die Leute bei NIGHT FEVER durchgedreht sind und dass wir jeden Tag nachdem wir gespielt haben mit durchdrehen konnten. Die Band ist einfach der Wahnsinn. Am Beschissensten fand ich, dass es nicht noch ein paar Tage mehr waren. Und Berlin. Diese Stadt ist ein einziger Kommunikationsdesign-Studiengang.

Seb: NF in Mannheim. Ein Hexenkessel, gebrochene Knochen und ÜBERALL breit grinsende Gesichter. Der Pizzaladen in Neukölln - der war schlimm.

Wovor graust es wem in der Band am Meisten angesichts einer längeren, gemeinsamen Tour?

Marvin: Die Tatsache, dass der Fahrer die Musik bestimmt birgt auf jeden Fall einiges an Konfliktpotential. Ich werde auf jeden Fall immer meine Kopfhörer griffbereit halten. Im Gegensatz zu Seb und Max liebe ich nämlich Deutsch-Punk und hasse Rap.  

Seb: Vor Osnabrück!

Euer Demo-Tape ist bereits ausverkauft… Wann gibt es die nächste Veröffentlichung?

Marvin: Wir haben den unausgesprochenen Plan noch diesen Sommer ins Studio zu gehen. Bis alles fertig ist, wird es aber sicher Herbst/Winter. Es ist auch noch nicht ganz klar was für ein Format am Ende rauskommt, aber es wird auf jeden Fall bald ne richtige Veröffentlichung auf einem analogen Datenträger geben. 

Was ist in Zukunft noch so geplant? Was steht bereits fest, wovon träumt ihr noch?

Marvin: Ne längere Tour wäre schön, ne Platte machen und so viel spielen wie möglich. Ich denke das kommt auch alles noch zu seiner Zeit. An der Platte sind wir wie gesagt schon dran.

Sonstiges? Wünsche, Grüße, Hassbotschaften?

Marvin: Nö, nicht so richtig. Danke für’s Fragen fragen.

TEENAGE HATE anhören kannst du dir unter: http://teenagehatepunk.blogspot.de

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv