Last Days Here (2011)

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http://2.bp.blogspot.com/-lDbF_3wdtgE/ULanWxLurjI/AAAAAAAAPis/5fqyUEMq6bY/s320/Last+Days+Here+(2011).jpegLast Days Here (2011)

Zwei Jahre nachdem Black Sabbath zum ersten mal ihre Heimat unsicher machten, gründete sich um Sänger Bobby Liebling in Amerika eine der ersten von Sabbath beeinflussten Doom Bands. Schnell wurde klar, dass Pentagram wie Liebling sein Kind nannte, unheimlich großes Potential hatte. Trotzdem brachte die Truppe es bis in die Achtziger zu keiner Platte und erschuf nur einige Demos. Auch in den folgenden Jahren war die Band nicht gerade produktiv und erreichte nie die Größe die sie verdient hätte. Dies lag vor allem daran das Bobby immer schon Heroin, Crack und eigentlich alles andere in Massen zu sich nahm. Nicht selten mussten Konzerte wegen ihm ausfallen und auch so manchen Plattendeal hat sein meist merkwürdiges Verhalten versaut. Viele Bandmitglieder kamen und gingen, nur Bobby blieb immer. In den 2000’er Jahren versuchte Bobbys aktueller Manager Pellet, die Band zu reformieren, sie zu einer neuen Platte zu treiben und ihnen einen Plattenvertrag zu bescheren. Dafür muss Bobby aber erstmal von den Drogen ferngehalten werden.
Wer sich bisher nicht sehr stark mit Metal und seinen Subgenres befasst hat, wird vermutlich noch nie von Pentagram gehört haben. Die Band hat zwar mittlerweile einen verdienten Kultstatus inne, aber wenn man nicht nach ihrer Musik sucht, wird man sie wohl auch nicht finden. Wer also auch nur irgendwie auf Doom oder Psychedelic Metal und Bands wie Black Sabbath, Saint Vitus oder Trouble steht darf Pentagram nicht verpassen. Also Platten kaufen und Doku ansehen. Sofort.

Allerdings ist dieser Film der beiden Dokumentarfilmer Don Argott und Demian Fenton (Café) auch als Dokumentation für sich so gut geraten, dass man auch ohne die Vorliebe für diese musikalische Spielart intensiv unterhalten werden kann von diesem Filmchen. Intensiv ist dafür genau das richtige Wort, denn nicht nur die Musik von Liebling wabert druckvoll und eindringlich aus den Boxen, sondern auch sein Leben zu beobachten ist verdammt packend. Pellet versucht wirklich alles für Bobby zu tun und zwar als Freund und als Geschäftspartner. Viel ist da aber erstmal nichts zu machen. Der über 60 Jahre alte, verhinderte Rockstar haust zwischen Bergen von Müll bei seinen Eltern im Untergeschoß. Seine Zeit bekommt er mit Drogen und Schinkenpizza rum. Viel ist mit ihm also nicht los. Sein Manager versucht aber sein bestes und schafft es so sogar fast einen Vertrag bei Phil Anselms (Pantera / Down) Label zu besorgen. Ein weiterer Suchtrückfall macht dann doch wieder alles kaputt. Erst mit seiner neuen, viel jüngeren, Freundin schafft er es mit den Drogen kurzzeitig aufzuhören. Bald trennen die beiden sich aber wieder und Bobby verfällt in alte Muster, allerdings stehen nun aber ein paar Konzerte an, von denen die Zukunft der Band abhängen.

Dabei schaffen die Filmemacher es Bobbys schreckliche Lage und seinen unfassbar schlechten körperlichen Zustand zu verdeutlichen ohne auf die Tränendrüse zu drücken oder sonst wie manipulativ zu werden. Aus seinem Leben könnte man eine sehr viel reißerischere Doku machen, mit der man sicherlich mehr Kohle machen könnte. Stattdessen wird sehr nüchtern gezeigt was passiert. Ohne die Meinung der Zuschauer in irgendeine Richtung zu lenken. Aber gerade dadurch trifft Bobbys erbärmlicher Zustand den Zuschauer umso mehr. Wenn dann noch die nur allzumenschlichen Momente mit Bobby dazu kommen, von denen es viele zu sehen gibt, wird es umso trauriger. Teilweise sogar sehr schwer zu ertragen weil’s einfach so tragisch ist.

Handwerklich ist der Film recht ordentlich. Mir gefällt vor allem das gemächliche Tempo und die unaufgeregte Machart. Der Soundtrack ist natürlich auch ziemlich geil, obwohl man der Musik ruhig etwas mehr Platz hätte einräumen können. Neben Bobby wurden auch noch einige andere alte Bandmitglieder interviewed und auch einige Archivaufnahmen wurden rausgekramt. Es gibt also nichts wirklich auszusetzen. Eine heftige Doku mit vielen traurigen Momenten, die aber gleichzeitig auch einen Mann zeigt, der nur durch seine Liebe zur Musik alles überlebt hat, was er sich selbst über die Jahrzehnte angetan hat. Krasses Ding, sehr empfehlenswert.

8 von 10 Karaoke Shows

P.S.: Bei diesem Review handelt es sich um einen Repost von meinem Blog (Tofu Nerdpunk) wenn ihrs nicht total scheiße findet, könnt ihr ja mal vorbeischauen.

Kommentare   

+1 #1 Philipp 2012-12-01 11:02
Sehr gutes Review über die meiner Meinung nach beste Musikdoku, die es gibt.
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