WACKEN OPEN AIR XV / 05.08. - 07.08.04 - Wacken, Tag 2

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Tag 1 hier nochmal zum Nachlesen:
http://www.dremufuestias.de/postnuke/html/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=411

 

PHILIPP: Wie schon letztes Wochenende beim Force Attack knüppelte die Sonne uns zu unverschämt früher Zeit aus den Zelten. Als ich gerade halbwegs klar sehen konnte, stand die komplette SUFFERAGE-Familie vor mir. Yeah, SUFFERAGE in Wacken! Die Band hatte zu ihrer eigenen Überraschung irgend so einen Wettbewerb gewonnen und heute um 21.10 Uhr sollte nun also der mit Spannung erwartete Gig stattfinden. Da wünschte ich schon mal Glück, denn verdient haben es diese Haudegen allemal.

PHILIPP: Die erste Band auf der Party Stage, MNEMIC, befanden wir in unserem Camp unisono für nicht interessant genug, um uns vom Frühstück wegzubewegen – Nu Metal halt.

Doch bei PARAGON war ich am Start! Mal wieder ein feiner Old School Metal-Auftritt der Hamburger. Basser Jan Bünning hat eine interessante „Karriere“ hinter sich, war er doch früher bei EROSION (hat die erste Scheibe „Mortal Agony“ mit eingerotzt). Zwar nicht besonders originell aber straight schossen Songs wie „Steelbound“ oder „Law Of The Blade“ aus den Boxen und den bereits zahlreich vertretenen Headbangern schwappte das morgendliche Bier aus den Humpen. An den Ansagen könnten die Jungs noch feilen: „Are you ready?“ Grunzen aus der Menge. „Are you ready?“ Leicht lauteres Grunzen. “Are you REALLY ready?”…


Nun sollte es aber auf der Black Stage einen echten Knaller geben: CATHEDRAL! Ohne Rücksicht auf etwaige Mainstream-Geschmäcker gab es die totale Zeitlupen-Doom-Bratze. Dazu stelzte Lee Dorian wie immer entrückt auf der Bühne rum. Man kann sich kaum noch vorstellen, dass der mal bei NAPALM DEATH gesungen hat! CATHEDRAL spielten sowohl ihr extrem zähflüssiges Doom-Material, z.B. „Congregation Of Sorcerers“ als auch die etwas rockigeren Songs wie „Ride“, „Carnival Bizarre“ und natürlich den Oberhit „Hopkins (The Witchfinder General)“. Für eine totale Überraschung sorgte der PROBOT-Song „Ice Cold Man“, den Dave Grohl der Band wirklich perfekt auf den Leib geschneidert hat. Für nicht wenige Freunde der PROBOT-Platte zählt dieser Titel zu den absoluten Highlights. Eine clevere Wahl von CATHEDRAL, denn „Ice Cold Man“ dürfte bekannter sein als das Gros der bandeigenen Songs. Andererseits natürlich Wasser auf die Mühlen derjeniger, die behaupten, Dave Grohl hätte bessere Songs geschrieben als die Originale... Jedenfalls ein feiner Gig für Doom-Maniacs, andere suchten schnell das Weite.


MATT: Mittlerweile waren Marc und ich auch auf dem legendären Presse-Eincheck-Container angekommen. Viele Leute sagten, sie würden auf das Wacken verzichten, weil ihnen zuviel Abzocke dabei wäre. „Ach wat“ sagte ich „wir sind ja Presse, wat geiht uns das an...“ - Und was passiert – Als erstes dürfen wir nachlöhnen, weil wir einen Tag zu spät angereist sind, dann noch ein Parkticket und wenn an ein schickes Bänzel für seinen VIP-Ausweis haben will, muss man noch einen Obulus zahlen. Wobei – und jetzt verrate ich ein Geheimnis – der Typ am Container sagte, die Karten sind scheissegal, das einzige was zählt, ist das weiße Armband, welches wir nicht verlieren dürften- der Rest ist nur zum Posen... Hihi, lustig daraufhin darauf zu achten, wieviele Leute trotzdem mit dem VIP Ausweis um den Nacken herumliefen... Also flugs zum Presse/ Bandcampingplatz, um festzustellen, dass der proppevoll ist. Oha, ein einziges freies Fleckchen fanden wir nach stundenlanger Suche und kaum, dass wir ausgestiegen sind, gibt's ein großes Hallo und direkt daneben sitzen Philipp, Magnus und Stefan bei lustiger Grillrunde – unglaublich, bedenkt man dich, dass der Pressecampingplatz ungefähr so groß ist wie der gesamte Wilwarin Campingplatz....


PHILIPP: Wir nutzten einige der seltenen Chancen für eine Pause und warfen den Grill an. Na, wat ’nen Hallo, als just zu dieser Zeit Dremu-Webmaster Matt sowie der manische Marc eintrudelten. Zu den Klängen von WEINHOLD bauten die beiden flugs ihre Zelte auf. Die gute Jutta Weinhold hat immer noch eine sehr energische Stimme, dat konnte man ebenso von Weitem hören wie die Tatsache, dass WEINHOLD sehr theatralisch rüberkamen. Ein Kumpel von Magnus äußerte sich dann auch wenig später enttäuscht: „Mann, ARCH ENEMY sind ja scheiße geworden mit der Sängerin“...


Aber die kamen natürlich erst später und NIEMAND aus unserer nun erweiterten Gruppe wollte da fehlen. Es war jetzt richtig voll, wir kämpften uns regelrecht durch die Reihen, immer höflich, immer Gentlemen natürlich. Belohnt wurden wir von einer bestens aufgelegten Band, die sound- und spieltechnisch einfach 1 A rüberkam. Angela Gossow kreischgrunzte, was die geheilten Stimmbänder hergaben und brachte coole Ansagen: „Wir freuen uns, dass hier so gute Stimmung herrscht. Weiter so, und ein bisschen Gewalt darf auch ruhig sein!“ Die Absage vom letzten Mal hatte man da schnell verziehen, zumal es mit „We Will Rise“, „Dead Eyes See No Future“, „Ravenous“, „Burning Angel“ oder „Instinct“ ausschließlich Knaller zu hören gab. Also fast nur Songs von den letzten beiden Platten (Die Ausnahme war ein Song von der „Burning Bridges“, aber fragt mich nicht, welcher dat war). Vor allem die Ohrwurm-Refrains und die Gitarreneskapaden der beiden Amotts sorgten bei den Fanscharen für Begeisterung – Melodic Death Metal at ist best!


MATT: Dem ist nichts hinzuzufügen.


PHILIPP: Nun entschieden wir uns selbstlos für eine redaktionelle Aufsplittung, um der werten Leserschaft maximalen Lesestoff zu bieten. Während Matt zu GUTBUCKET pilgerte, pirschte ich mich zu BRAINSTORM an die True Metal Stage... und erlebte einen der absoluten HÖHEPUNKTE dieses Freitags! Vielleicht DIE Überraschungsabräumer des Festivals. Völlig unklischeehaft in der Schnittmenge zwischen METAL CHURCH und VICIOUS RUMORS agierend fetzten BRAINSTORM einen mitreißenden Song nach dem anderen runter. Frontmann Andy B. Franck gab dabei ALLES, wetzte über die riesige Hauptbühne, sprang permanent in den Fotograben und lieferte vor allem eine der besten Gesangsleistungen des diesjährigen W:O:A. War es letztes Jahr der MASTERPLAN-Sänger Jorn Lande gewesen, der den Pokal mit der Aufschrift „bester deutscher Newcomer-Metalshouter“ einstreichen konnte, gelang es nun heute dem BRAINSTORM-Fronter besagte Trophäe quasi im Laufschritt abzuernten. Leidenschaft und Power pur! Das Riff-Feuerwerk tat ein Übriges, um die Fans ausrasten zu lassen, einfach geil. Songtitel blieben mir kaum in Erinnerung, erst am nächsten Tag kam mir der Geistesblitz, mal ’nen Stift samt Schmierzettel mitzunehmen, aber „Hollow Hideaway“ war auf jeden Fall dabei. Zum Abschluss wurden BRAINSTORM noch mal zurück auf die Bühne gebrüllt (aber wirklich gebrüllt) und es gab noch einen Coversong, „Amarillo“ (dieser Radio-Heuler). Ganz witzig, aber die eigenen Songs sind stärker.


MATT: Auf der W.E.T.-Stage starteten derweil unsere Lokalhelden von GUTBUCKET. Für mich war es das erstemal seit langem, dass ich die Band überhaupt sah und das erstemal mit dem neuen Sänger, der als Nachfolger der Stimmwunders Buschi kein leichtes Erbe anzutreten hatte. Doch er meisterte die Aufgabe souverän. Etwas kopfiger als Buschi bringt die neue Stimme noch etwas mehr Dreck ind en Sound von GUTBUCKET. Überhaupt der Sound – supergenial und um Längen besser als ARCH ENEMY auf der Hauptbühne. Die Band wurde vom SMOKE BLOW Basser Björn abgemischt, der seine Sadche wirklich gut machte. Irre, was für eine Wall of Sound mit nur einer Gitarre fabriziert werden kann. Die leider nicht zu zahlreich anwesenden Headbanger konnten offenbar mit dem etwas fremden Rock'n'Roll Sound einiges anfangen und die Band konnte mit Ihrer weien Bandbreite wirklich begeistern. Nun verstehe ich auch, warum GUTBUCKET in letzter Zeit in verschiedenen Gazetten regelrecht abgefeiert wurden. Auch eine technische Panne konnte die Band nicht aus dem Konzept bringen und so wurde es ein durchaus gelungener Gig, der sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Falls ihr euch überzeugen wollt – GUTBUCKET spielen im Herbst mit SAXON in der Halle 400 – also hin da.


PHILIPP: Verschwitzt begab ich mich zur Party Stage, nur um gleich wieder voll einen vor den Latz zu bekommen: SATAN baten zur Reunion-Show! Nicht wenige halten das Debut „Court In The Act“ in Ehren – zu Recht, isses doch ein zeitloser Klassiker. Auch die späteren Alben sind klasse, egal, ob unter den Namen PARIAH oder SATAN, aber heute ging es ja um die Reunion mit Brian Ross und es war zu erwarten, dass man ordentlich was vom ’83er Debut spielen würde. Auch klar eigentlich, dass alle Mitglieder noch voll im Saft stehen, dat haben sie uns mit Bands wie BLITZKRIEG und SKYCLAD bewiesen. Und so nahm ein Weltklasse-Auftritt seinen Lauf, die zweistimmigen Gitarren brillierten exakt so wie auf „Court In The Act“ und Brian Ross ließ ebenfalls nichts anbrennen, scheute auch die hohen Screams nicht. „Trial By Fire“, „Break Free“, „Hunt You Down“ – ach, das GESAMTE Album wurde gezockt, sogar das Instrumental „The Ritual“ ließen SATAN nicht aus. Vollständig gelungen – schade, dass der Auftritt sicher einmalig bleiben wird. Oder doch nicht?


MATT: Uns verschlug es währenddessen zu MAYHEM, die uns vielgelobt wurden. Uh oh, ein angetünchter Typ peste über die Bühne und das MAYHEMsche Soundgewitter stellte sich als nicht kompatibel zu grooveverwöhnten Thrasherohren heraus – ach nee, man versucht es ja immer wieder, aber nee, dieses Black Metaleske ist einfach nix für Papa seinen Jüngsten... Und so vereinigte sich die Redaktion wieder bei HOBBS ANGEL OF DEATH.


PHILIPP: Nur ca. 25 Minuten blieben mir, um schnell zum Zelt zu rennen, hastig ein Bier runterzuspülen, eine Stulle zu verschlingen und wieder die Beine in die Hand zu nehmen, denn zu HOBBS’ ANGEL OF DEATH wollte ich auf keinen Fall zu spät kommen. Wann wird man diese Band schon noch mal sehen? Die australischen Thrasher haben offenbar noch einen Platz in den Herzen vieler Banger, besonders das selbstbetitelte Debut von 1988 ist unvergessen mit seinen an frühe SLAYER erinnernden Songs. Etwas untergegangen ist wohl der ’95er Nachfolger „Inheritance“, obwohl auch dieser mit pfeilschnellem Thrash und räudigem Gesang überzeugt. Und genau so präsentierten Peter Hobbs und seine Band sich in Wacken. Die Szenerie erinnerte mich an den Auftritt von RAZOR an derselben Stelle vor einigen Jahren, wo die Band ebenfalls sichtlich erstaunt war, wie bekannt sie bei den Fans ist. Die Freaks schrieen fast jeden Song mit, auch meine Kehle wurde zum Bersten beansprucht. In der Luft eine Mischung aus Staub, Schweiß und Bier! In den Haaren auch, aber lass die Rübe man weiterkreiseln, ey! „House Of Death“, „Jack The Ripper“, „Crucifixion“, “Depopulation”, „Satans Crusade“ – für Midtempo-Verschnaufpausen keine Zeit, immer auf die Glocke, hier noch ein Quietsch-Soli eingebaut, da ein Double Bass-Break. Totaler Höhepunkt war natürlich dat siebenminütige „Marie Antoinette“, eine mit allen Wassern gewaschene Thrash Hymne, die man durchaus als Referenzbeispiel für diesen Musikstil bezeichnen könnte. Spät in der Nacht trafen wir übrigens noch den inzwischen gut beduselten Peter Hobbs, der sich sehr darüber freute, dass ich wegen ihm total heiser war und uns außerdem vertellte, dass er sich in Jutta Weinhold verguckt habe...


Von GRAVE DIGGER hörten wir noch den „Heavy Metal Breakdown“ und nahmen am Rande wahr, dass diese Band in Wacken wesentlich krasser abgefeiert wurde als aufm With Full Force neulich. Logisch, hier passense auch besser hin.

Zeit für eine Entscheidung: MISERY INDEX, die Band um mehrere Ex-DYING FETUS-Recken oder FEINSTEIN inkl. THE RODS-Reunion? Da man mit Sicherheit davon ausgehen konnte, dass man MISERY INDEX eher noch mal zu Gesicht bekommt als THE RODS, entschieden wir uns also für Heavy Rock statt Geknüppel. Im Nachhinein leider wohl die schlechtere Wahl! Erstaunlicherweise startete David „Rock“ Feinstein (übrigens ein Cousin von Dio) nicht mit seiner neuen Band, sondern mit der Reunion der legendären RODS. Doch der Gig ließ diverse Fragezeichen offen: Gehören zu einer Reunion, gerade bei einem Trio, nicht ALLE Mitglieder (der charismatische Carl Canedy fehlte, am Schlagzeug saß Rhino, der vielen noch von seiner Zeit bei MANOWAR bekannt war)? Warum spielte man nur drei Songs, zumal auf der Wacken-Homepage groß von den Fans für die RODS-Favorites gevotet werden durfte? Warum habe ich von diesen Songs nur „Power Lover“ erkannt, obwohl ich alle fünf THE RODS-Scheiben habe? Wo waren „Wild Dogs“, „Hurricane“ oder „Let Them Eat Metal“?? Alles seltsam, auch wenn die Band gut gelaunt und spielfreudig rüberkam. Die Stimmung war auch gar nicht schlecht, nur wartete man halt auf viele weitere Kracher. Plötzlich verkündete Herr Feinstein jedoch: „Let`s bring o­n FEINSTEIN!“ Meiner Meinung nach hätte man den Gig nicht als RODS-Reunion bewerben dürfen, man hätte ihn gar nicht erwähnen sollen, dann hätten sich die Fans noch eher über drei überraschende RODS-Songs gefreut.

Nach kurzem Umbau kam also David Feinstein mit seiner aktuellen Band auf die Bühne. Na ja, nicht schlecht, ganz gefälliger, bluesiger Metalrock mit einigen netten Melodien, aber nicht so gut wie THE RODS. Die aktuelle Platte „Third Wish“ würd ich mir vielleicht mal second hand ziehen. Der Sänger – laut Programmheft John West von ROYAL HUNT, aber in dem Ding sind wirklich unzählige Fehler – war sehr eigenwillig in seiner - äh - Performance. Hatte er doch Vogelfedern an seinen Mikroständer gebappt, von denen er ab und zu eine abnahm und mit huldvoller Geste in den Fotograben segeln ließ... Mittendrin kam Joey DeMaio auf die Bühne und übernahm den Bass (OHNE eine große „Metal Speech“ zu halten, aber das durfte er dann später noch nachholen...). Feinstein konnte dann gar nicht mehr an sich halten und zerkloppte unter sichtlicher Anstrengung seine Gitarre.

Tja, natürlich erzählte später jeder, wie geil MISERY INDEX gewesen seien („boah, so ein viehisches Geknüppel“ usw.)! Aber ich kann wenigstens jetzt sagen, dass ich THE RODS gesehen hab – so!


MATT: Philip, an dieser Stelle muss ich dir sagen, wie geil MISERY INDEX waren, von wegen viehisches Geknüppel und so. Diese Band nimmt keine Gefangenen und so blieben Marc und ich freiwillig und wanderten nicht zu den Grabräubern ab. Und das war gut so. Das Zelt platzte aus allen Nähten und MISERY INDEX killten ohne Ende. Der Versuch unseren daheimgebliebenen Kumpel Helge in Bayern mit einer Liveübertragung von MISERY INDEX per Handy zu ärgern scheiterte leider an der allgemeinen Netzüberlastung – offenbar wollten alle Leute Ihre Kumpels mit einer Liveschalte beglücken. Krasser als vom M.I. Knüppelcore zu 70er Hardrock kann der Übergang kaum sein, denn nun war DIO an der Reihe. Aber was stinkt da so...?


PHILIPP: Ärgerlicherweise musste ich ausgerechnet jetzt scheißen, wo DIO doch anfangen sollte. So hörte ich „King Of Rock’n’Roll“ nur vom Dixi aus, aber selbst da klang Dios Stimme noch kraftvoll. Unglaublich, 63 Jahre ist der Typ alt und hat so eine Power in den Lungen. Es folgte „The Sign Of The Southern Cross“, was in eine absolut magische Version von „Stargazer“ überging. Trotzdem MUSSTE ich den Ort des Geschehens verlassen, auch wenn es mir körperliche Schmerzen bereitete. Denn DIO habe ich schon oft gesehen, aber wie SUFFERAGE sich aufm W:O:A machen, das durfte ich mir nicht entgehen lassen. Immerhin kriegte ich später noch „Holy Diver“ und „We Rock“ sowie die Verleihung des „Preises für metallische Sonderleistungen auf den Feldern des Heavy Metal“ durch Doc. Majo mit, aber dazu später...

SUFFERAGE hatten gerade begonnen und zwar mit einem Instrumentalsong. Ich kämpfte mich nach vorne und freute mich, dass bei den Hamburgern schon so derart viel los war. Dann kam Jasmin grinsend auf die Bühne und breitete die Arme aus – tosender Jubel! Alter, die Band schredderte los, Jasmin grunzte, dass mein Arsch zu grinsen begann und vor der Bühne brach der Pit los. Schon nach zwei Songs fragten mich zwei Freaks, woher ich das geile Shirt hätte (es war natürlich ein SUFFERAGE-Shirt). Es wurde mit jedem Song voller und bald war das Zelt knackeng mit bangenden Horden gefüllt. Ein großer Pluspunkt für viele sicherlich die lockere Art der vier Nasen, die sich so offensichtlich freuten, dass man sich mitfreuen musste. „Whoa, vom 50-Mann-Klub in dieses Zelt hier, das ist echt der Hammer!“ strahlte Jasmin. Und obwohl Basser Olli irgendwann in der folgenden Nacht zu mir sagte: „Unsere schimmlige Mucke können die doch gar nicht so geil gefunden haben, aber ich glaube, die mochten uns, weil wir so nett sind“, wage ich zu sagen, dass der gnadenlose Death Metal den Leuten sehr gut reinlief. Ole am Schlagwerk spielte schneller denn je – man fragte sich, ob er so verdammt viel geübt hat, oder ob ihm der Kackstift ging. Es war ein Geballer und Gegroove gleichzeitig, da wurde geblastet, gegrindet, geschreddert, gekreischt und gegrunzt. Um mich rum nur Kommentare wie „fuckin unbelievable“, „is dat heftich, ey“, „fdgmgzftohj“ oder das übliche „boah, die Alte singt wie’n Macker“! Yeah, an Songs habe ich sogar was erkannt, nämlich „Raw Meat Experience“, „Neurotic“ und „Necromantic“. Mann, Mann – Spiel, Satz und Sieg. „Das werden wir NIE vergessen“, sagte Jasmin noch und freute sich über die hochgeschmissenen Bettlaken „Elmshorn grüßt SUFFERAGE“ und noch eins mit ähnlich nettem Spruch. Da war sogar die Gaarden Punx-Fraktion – bestehend aus Kalle, Ißel und Timo – begeistert.


DIO ernteten mit ihren letzten Songs berechtigt tosenden Applaus und dann kam Joey DeMaio auf die Bühne und überreichte ihm nach diversen warmen Worten (während derer er es schaffte, nur ein einziges Mal MANOWAR zu erwähnen...) so ein fettes Schild. Er sei eine Inspiration gewesen für unzählige Bands und Musiker und habe daher diese Würdigung verdient. Es kamen dann die W:O:A-Veranstalter sowie weitere Musiker auf die Bühne und alle huldigten Dio, der den Preis breit grinsend entgegennahm. Ehre, wem Ehre gebührt.


MATT: Der Querschnitt der DIO und RAINBOW Songs war beachtlich und so zog der frisch geadelte die Massen in seinen Bann. Was mich wirklich erstaunte, war dass nicht nur alte Herren begeistert waren, sondern quer durch die Bank alle Anwesenden mitfieberten. Kann natürlich auch am Gerstensaft gelegen haben, aber das Pensum von DIO war schn beachtlich. Dazu brachte der Typ eine ehrliche Freude über die Reaktionen rüber, die einfach ansteckte... Nun war für uns erstmal Fress- und Zechpause angesagt, leider verdödelten wir dadurch den Gig von DESTRUCTION öhem...


PHILIPP: DESTRUCTION hab ich zwar in den letzten Jahren oft gesehen, aber ihr Gig zog mich dennoch wieder in den Bann. Der Sound war sehr dicht und heavy, die Songauswahl gelungen. Da gab es „Curse The Gods“, „Mad Butcher“, „Thrash ’Til Death“, „Metal Discharge“, „The Butcher Strikes Back“, “Bestial Invasion” und und und. Schmier wechselte zwischen deutschen und – weil halt unzählige Freaks aus aller Welt in Wacken sind – englischen Ansagen und beschränkte sich nicht auf die üblichen Metalsprüche, ließ vielmehr auch mal wat Interessantes über die z.T. durchaus kritischen Texte verlauten. Zum Oldie „Total Desaster“ kamen mehrere Promis zur Unterstützung auf die Bühne, namentlich Abbath (gewohnt breitbeinig), Sabina Classen und Peter Tägtgren. Kollege Magnus war eigentlich in sandalischen Schlappen am Start und somit nicht wirklich Mosh-Pit gewappnet, jedoch hatte auch er sich nicht halten können und war in die ersten Reihen gestürmt. Seine Zehen sahen danach wie verbrauchte Grillkohle aus, doch mein Angebot, die Stumpen mit meinem Plastikmesser zu amputieren, wollte er nicht annehmen.


Eigentlich wollte ich nun mal ein Päusken einlegen, traf auf dem Weg zurück jedoch den ebenso unverwüstlichen wie einzigartigen Otger Jeske vom IRON PAGES. Er berichtete, dass die Verkäufe im Metal Market nur sehr schlecht liefen – auf dem Headbangers Open Air habe er MEHR verkauft als bisher auf diesem W:O:A! Und das, obwohl die IP-Jungs die Lemmy-Biographie auf Deutsch lizensiert haben. Nu, wir schnackten und schnackten, bis plötzlich DORO samt Orchester loslegte. Auf einer mit Kerzen, Vorhängen und Säulen etwas kitschig dekorierten Bühne saß tatsächlich ein ganzes Orchester samt Dirigent, die DORO-Band war drum herum platziert und dazu intonierten Doro sowie diverse Gäste ihre Songs. Hm, manche Songs wirkten in diesen „Metal meets Klassik“-Gebräu gar nicht schlecht. So kam Blaze Bayley für die MAIDEN-Songs „Fear Of The Dark“, „The Trooper“ und „Man o­n The Edge“ dazu und da IRON MAIDEN eh etwas Sinfonisches in vielen ihrer Songs haben, funktionierte das durchaus. Als weniger gelungen empfand ich den PRIEST-Classic „Breaking The Law“ und einige WARLOCK/DORO-Stücke wie „All We Are“ oder „Für Immer“ („I Rule The Ruins“ hingegen gefiel mir gut), aber das war echt totale Geschmackssache. Einigen Metallern kullerten die Tränen über die Backen, andere fluchten und spuckten aus. Interessant war das in jedem Fall. Den zweiten Teil der WARLOCK-Aktionsnacht sparte ich mir, denn meine Kehle war trocken und die Bierstände angesichts unserer Biervorräte zu teuer. Hab WARLOCK eh damals original gesehen und hielt die Band immer für etwas überbewertet, obwohl Doro natürlich für ihre Vorkämpferrolle als erste richtige deutsche Metalchanteuse Respekt verdient. Wenn nur ihr Auftreten manchmal nicht so peinlich wäre, „Seid ihr bereit to burn some witches?“ soll sie laut Stefan z.B. später gesagt haben...


MATT: Sie hat es gesagt!!! Sie hat es wirklich gesagt!!! Meinetwegen hat sie Verdienste (worum auch immer) aber dieser Auftritt war einfach grottenschlecht. Unser Versuch, durch Flucht in entlegene Regionen des Festivalgeländes der Ohrenbeleidigung zu entkommen, scheiterte leider an der immensen Lautstärke. Und so bekamen wir unfreiwilliger Weise auch die Vergewaltigung von „Breaking the Law“ mit. Mann und ich dachte, die Version, die wir mit MLH als fünftzehnjährige gespielt hatten, war schlecht...( Nee, fand ich eigentlich nicht, aber jetzt WEISS ich, dass sie auf der nach unten offenen Schlechtheitsskala gar nicht so weit unten rangierte...)


PHILIPP: Uff, wie bequem kann eigentlich so`n Camping-Klappstuhl sein? Meine Fußsohlen QUALMTEN, so dass ich glatt die Quanten entblößte und sie etwas ausdampfen ließ. Aber als AMON AMARTH riefen, wurde die Buxe wieder strammgezogen! Was soll man über die Wikinger noch erzählen? Sie waren wie immer: Simpel, aber geil. Stampfend, zermalmend, mächtig frästen sich ihre Songs durch die dichten Reihen vor der Black Stage. Johan Heeg ließ sich nicht lumpen und leerte gurgelnderweise sein Trinkhorn über den Köppen der lechzenden Fans aus. Schade nur, dass eine der beiden Gitarren zeitweilig nicht zu hören war. Ich freu mich trotzdem schon auf die neue Platte, die etwas langsamer ausgefallen zu sein scheint. PAGAN VIKING DEATH METAL RULES und der CRUSHER wird euch alle holen, wenn`s der AVENGER nicht schon getan hat!


MATT: Ja wirklich schade, dass als nicht-AMON AMARTH-Auswendigkenner auf Grund des üblen Sounds kaum was rauszuhören war....


PHILIPP: Ja, auf Anraten von EUSOPHOBIA-Mario besuchten wir dann noch kurz die QUIREBOYS, die mich aber nicht wirklich überzeugten. Der Sänger poste ganz lustig mitm Mirko rum, wirbelte es durch die Luft, fing es wieder auf, drehte sich schlangenartig drum herum usw., aber das hielt uns auf Dauer auch nicht bei der Stange. Lieber saufen gehen, dachten wir uns und so hielt auch diese Nacht nicht viel Schlaf für uns bereit.

- Beitrag von: Matt

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