MAYAK - „Trenches“ (Twisted Chords 2018)

Mayak


Vor sechs Jahren haben MAYAK aus Bielefeld mit einer vier-Song-starken EP ihren Reigen durch das Universum eröffnet. Damals haben sie noch Hardcore mit ein wenig Death Metal gewürzt. Inzwischen ist der lärmende Fünfer mit ihrem zweiten Album „Trenches“ vom Weg der rohen Gewalt abgekommen hin zu differenzierteren Gefilden ohne dabei an Intensität einzubüßen.

MAYAK haben ihre neuen Songs mit etwas mehr Atmosphäre und Struktur angereichert, sodass diese mehrdimensionaler erscheinen. Ihre Crust-/Hardcore-Wurzeln sind weiterhin unverkennbar, doch Doom- und Black-Metal-Elemente verstärken die düstere Stimmung der acht neuen Songs. Wutausbrüche blenden dabei in manische Passagen über, die immer wieder von gradlinigen Crustcore zu explosiven Extremen pendeln. Die oft ruppigen Übergänge in den Stücken sind nicht schön, erzielen aber ihre Wirkung unmittelbarer als unnötige Schönfärberei. MAYAK wollen mit „Trenches“ ja auch keinen Schönheitspreis gewinnen, sondern Emotionen, dunkle, unschöne Emotionen transportieren. Das gelingt ihnen vorzüglich. Der massive und doch rohe Sound trägt seinen Teil dazu bei, dass die acht Stücke einen geschlossen-bedrückenden Eindruck hinterlassen ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Die Songauswahl variiert vom zweiminütigen Blackened-Hardcore-Faustschlag „Our Suffering“ bis zum Post-Black-Metallischen Titelstück mit seinen sieben Minuten. Dies ist auch zugleich das Highlight des halbstündigen Infernos. Crusties, Hardcoreler und Metalheads dürften sich mit „Trenches“ gleichermaßen angesprochen fühlen, sofern sie sich trauen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Mit ihrer antifaschistischen und anti-sexistischen Einstellung halten MAYAK nicht hintern Berg. Diese dringt immer wieder in ihren Texten durch, auch wenn sie nicht wie Butter dick aufs Brot geschmiert wird. Das zurückhaltende Artwork in Form einer Tarot-Karte – hoffentlich im Siebdruck schwarz auf Paketbraun – rundet ein gelungenes Hörerlebnis adäquat ab.

Mit„Trenches“ legen MAYAK ein durchaus eigenständiges Album vor, das mit vielen positiven Trademarks aufwarten kann: Energie, Ausdruckskraft, Atmosphäre und Abwechslung. Und da sagt noch einer, Bielefeld gibt es nicht!

  1. Injecting life
  2. Our suffering
  3. Where I fall is where we'll meet
  4. Trenches
  5. Ancients arise
  6. Deformed astral body
  7. Bury me in the smoke of doom
  8. Walk with the swarm
https://iheartmayak.bandcamp.com/

Kristian Habermann
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