MØRDER / 08.12.2018 – Kröker, Kiel-Aubrook

Nachdem MØRDER den Ausstieg Christian „Krille“ Bahrs bekanntgeben mussten, hatte ich durchaus Befürchtungen, ob dies das Ende dieser talentierten Knüppelcombo einleiten könnte, zumal ja auch Pete nicht gerade mit Zeit im Überfluss ausgestattet ist. Aber Entwarnung: Erst konnten MØRDER mit Ex-Affe Nico einen neuen Schlagzeuger präsentieren, dann ist auch noch Feli Grind dazugestoßen, was die Band in Zukunft deutlich flexibler werden lassen könnte. Geile Sache, und so war es keine Option, den ersten Auftritt in dieser Besetzung zu verpassen. Ab in den Kröker, wo Aubrook-Daniel heute auch noch Geburtstag feiert (au weia)!


Kröker


„Nee, nee, Getränke frei, bis nix mehr da ist!“, vertellt mir Luna, als ich die erste Rutsche Bier am Tresen bezahlen möchte. Zerstörerischerweise gilt das auch für diverse Schnäpse, die Luna immer wieder auf einem Tablett durch den Kröker schleppt und den Besucher*innen vor die Nase hält. Wer nicht nein sagen kann, trinkt somit im Laufe der Nacht durcheinander: schwarze Sau (der Onkel: „Oh, die Flasche steht hier schon drei, vier Jahren offen rum“), Lütje Minze, Wodka, Mexikaner, Grapefruit-Schnaps sowie ein undefinierbares magentafarbenes Gesöff. Zum Glück sind wir ja vor allem wegen der Musik hier. Danke, Daniel, herzlichen Glückwunsch!


Warm isses und die IroNietenJungPunkerDichte ist hoch, als MØRDER loslegen. Jaa, der Sound ist mit zwei Gitarren jetzt noch massiver! Feli passt super zu MØRDER und bangt wie eine Gestörte, während Pete seiner Klampfe dissonante Geräusche entlockt. Nico tritt ein hartes Erbe an, ist Krille doch ein charismatischer Zocker mit fiesem Punch. Aber der etwas andere Stil Nicos funktioniert hervorragend im MØRDER-Soundgewand. Wären MØRDER ein Ghettoblaster, hieße ihre Lieblingstaste „fast forward“, dat gilt weiterhin. Zum eigenständigen Riffing und den unverwechselbaren Vocals von Anna kommen nun Blastbeats hinzu und möglicherweise ist der Grindanteil noch gestiegen. Aber das ist noch schwer zu sagen bzw. noch nicht endgültig zu beurteilen, denn heute gibt es erst mal zu 50 % alte Stücke und zu 50 % brandneue Biester. Andi rammt seinen Bass in den Krökerboden, die Hosenbeine flattern. Klingt erstaunlich gut für eine ächzende Gesangsanlage plus Backline. Manche finden Anna heute etwas zu leise, ich mag es eigentlich gerade, wie ihr Gesang heute eingebettet ist – nicht sehr im Vordergrund, aber unbedingt noch präsent, sodass die Schrei- ebenso wie die Growl-Passagen auf angenehme Art an den Ohren nagen. „Bloodpreacher“, „Burn The Book“, das Putin gewidmete „Iron Leader“ und „Dressed In Pain“ sind vom Album dabei, die neuen Songs tragen die vielversprechenden Titel „Trial“, „Eat The Rich“, „Lash Out“ und „Hysteria“. Ich hätte das Ding gerne noch viiiel länger genossen, aber da muss man wohl bis zum nächsten Mal Geduld haben. Crust on!


Danach tobt die Party im Kröker auch ohne Livemusik weiter, herrliche Sache.

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