UNBROKEN METAL WEEKEND Part 1: SACRED STEEL, NIGHT WITCHES, MYSTERY BLUE, FIRE / 13.01.2017 – Hamburg, Bambi Galore

Rüdiger Abend ist ein engagierter Metalhead aus Hamburg, der mit dem UNBROKEN METAL MAG, UNBROKEN METAL TV, mehreren Büchern und Kurzfilmen schon diverse geile Klamotten rausgehauen hat. Seinen 50. Geburtstag feiert er an diesem Wochenende – und lässt sich dabei nicht lumpen! Zwei Tage volles Programm im Bambi Galore mit acht seiner Lieblingsbands, nämlich HOLOCAUST, SACRED STEEL, MYSTERY BLUE, FIRE, NIGHT WITCHES, BÄD INFLUENCE, POVERTY’S NO CRIME und WOLFS MOON. Da springen der Herbster und ich doch glatt in den Regio und brettern rüber. Und aaaab:


SACRED STEEL


Photos von Gernot und Rüdiger Abend



Leider hatte Herb noch so’n Seminar und so können wir nicht pünktlich genug los – FIRE sind gerade schon durch, als wir alle begrüßt haben. Wie schade das ist, realisiere ich erst am Sonntag, als ich dazu komme, mir die FIRE-Debut-7“ anzuhören, welche mir der eine FIRE-Gitarrist erfolgreich aufgeschwatzt hat. Denn die Hamburger präsentieren hier zwei richtig gut komponierte Heavy Metal-Songs – tolle Gitarrenarbeit, geiler Gesang, schön produziert und mit stilvollem Artwork. Die behalte ich im Auge!


MYSTERY BLUEMYSTERY BLUE


Unser persönlicher Opener sind somit die Französ*innen MYSTERY BLUE, deren Gründung bereits auf das Jahr 1982 zurückgeht. Ist auch schon wieder fast zwölf Jahre her, dass ich die Band 2005 auf dem HEADBANGERS OPEN AIR gesehen habe. Geboten wird sehr straighter Heavy Metal, der zum Teil schon etwas vorhersehbar ausfällt. Sängerin Nathalie Gyer haut das für viele Anwesende mit ihrem Enthusiasmus und ihrer kraftvollen Stimme raus, ich komme mit dieser Überdosis guter Laune so auf Anhieb kaum klar. Was ich auch etwas over the top finde, sind die fast bei jedem Song zelebrierten „Hey-Hey-Hey“-Animationschöre und Mitsingrefrains. Aber der gut gefüllte Laden kommt in Fahrt und so ganz kann auch ich mich der Spielfreude der Band auf Dauer nicht entziehen. Höhepunkt ist ein Duett von Nathalie und PARAGON-Sirene Andreas Babuschkin beim schmissigen „Running With The Pack“.


Aufgrund einer heute Morgen erfolgten Zahn-OP trinke ich keinen Alkohol. Weiter nicht erwähnenswert, aber der folgende Dialog vielleicht doch: Kuttenkumpel: „Ich hol Bier. Soll ich dir eins mitbringen?“ – „Nee, Danke, ich trink heut nix.“ – „Du trinkst nichts? Merkt man gar nicht!“ Joah, da muss ich doch immer noch drüber nachdenken, ob es nun gut oder schlecht sein, dass mensch offenbar NICHT merkt, dass ich NICHT betrunken bin…


Mob


NIGHT WITCHES sind die nächsten – vier junge Belgierinnen, die Bock auf BLACK SABBATH haben. Zu dem wohl berühmtesten Intro der Rockgeschichte setzt die Band ein, Bassistin und Gitarristin mit Kapuzen über ihren Köppen: Regenschauer, Glockengebimmel, DIESES Riff und die Worte „What is this that stands before me?“ – da gehen natürlich alle Arme nach oben. Sängerin Peggy Winters, übrigens im Bambi-T-Shirt (dat Reh, ne) singt die Klassiker nicht ganz so nasal wie Ozzy, sondern etwas souliger/breiter, hat das Repertoire aber offenbar tief verinnerlicht. Musikalisch sehr versiert auch Bassistin Mimi van de Put, die den ollen Geezer mit funkensprühenden Bassläufen ehrt. NIGHT WITCHES holen natürlich hauptsächlich die ganz großen Hits raus, „War Pigs“, „Into The Void“, „Iron Man“, „Children Of The Grave“, widmen sich aber auch seltener gehörten Biestern wie „A National Acrobat“, welches sie etwas funkiger spielen und das mir richtig gut gefällt. Vor „Sweat Leaf“ vergisst Peggy Winters nicht, den legendären Kifferhusten zu imitieren – Achr achr achr - deng deng dengda deng, herrlich. Für „N.I.B.“ fehlt die Hammondorgel, aber so’n Mini-Hohner-Plastikding tut’s auch. Eigentlich soll „Paranoid“ von einem Diehard-Fan gesungen werden, doch der auf die Bühne gezerrte Freak merkt rechtzeitig, dass er gar nicht textsicher ist und rettet sich elegant mit einem Stagedive. Verdammt großer Spaß!

https://www.youtube.com/watch?v=LVv4wbdoy6w


SACRED STEELSacred Setlist


Mit dem Titeltrack des neuen Albums „Heavy Metal Sacrifice“ legen SACRED STEEL los und mir gefällt das Stück auf Anhieb so gut, dass ich es kaum fassen kann, diese Platte noch nicht zu kennen! Das Ding wird natürlich noch heute Abend abgeerntet und auch die restlichen Songs bestätigen den Eindruck: So gut haben SACRED STEEL seit ihren Anfangstagen nicht geklungen, ja, vielleicht handelt es sich sogar um ihr bisher bestes Werk! Die Gitarren braten wie eh und je, haben jedoch unerhört eingängige Riffs und Harmonien am Start, das Drumming ist extrem abwechslungsreich und Gerrit singt cremig, power- und gefühlvoll. Und das kommt auch live alles bestens zur Geltung, sodass weitere neue Songs wie das epische „The Sign Of The Skull“ oder „Let There Be Steel“ mit fast schon Post Black Metal artigen Gitarrenmelodien zu den Höhepunkten der Setlist gehören. Die aber natürlich Kracher aus der über zwanzigjährigen Bandgeschichte enthält, z.B. das brutale „Slaughter Prophecy“ (Gerrit: „Unser ‘Plunging To Megadeath‘“), „Maniacs Of Speed“, „Sacred Steel“, „Sacred Bloody Steel“, „No God / No Religion“ (Gerrit: „Diesen Text habe natürlich nicht ich als gläubiger Katholik geschrieben, die anderen waren es und haben mich dabei an die Heizung unseres Proberaums gefesselt. Beim Einsingen wurde ich ausgepeitscht. Habe ich irgendwie ein wenig genossen.“), „Hail The Godz Of War“, „Battle Angel“ oder „Heavy Metal To The End“ („Bei der Bandgründung gab es eine Prämisse: Heavy Metal bis zum bitten Ende. Bis zum bitteren Ende! Und wenn das Ende nicht so bitter wird, dann geht es immer noch weiter!“). Ihr merkt schon – die Ansagen sind mal wieder ‘ne Eins. Der Mob dreht völlig steil und feiert mit Bangen, Fistraisen und Bier (in meinem Falle – s.o. – Wasser). Eigentlich sollen „Metal Is War“ und „Wargods Of Metal“ die letzten Titel sein, aber alle Beteiligten haben so viel Bock, dass noch ein ungeprobtes „Battle Cry“ (OMEN) drangehängt wird.


Ich muss aber tatsächlich unbedingt noch eine Empfehlung loswerden: Irgendwer hatte mir von der Band NAEVUS erzählt und die LP „Heavy Burden“ als hervorragendes Doom-Werk gelobt. Da das Teil neben der SACRED STEEL am Merch liegt, mir das Cover so gut gefällt und ich noch irgendwie noch Geld über habe, schlage ich halt zu und kann nur sagen: Jede*r Freund*in von COUNT RAVEN, PENTAGRAM und/oder TROUBLE kann hier nicht falsch liegen! Ich bin täglich mehr geflasht von dem Album. Am Schlagzeug übrigens Matze von SACRED STEEL.


Ach ja, herzlichen Glückwunsch, Rüdiger! KEEP ON POUNDING!


TBC

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